Home

 

Yes


Sally Potter ist eine wahre Künstlerin. Dass ihre Filme mehr sind als bloße Leinwandunterhaltung, hat sie nicht zuletzt mit Orlando bewiesen.

Ähnlich ihrem Landsmann Peter Greenaway vermischt sie in ihren Inszenierungen Elemente aus den unterschiedlichsten künstlerischen Disziplinen und macht die entsprechenden Filme dadurch zu vielschichtigen, zum Nachdenken anregenden Gesamtkunstwerken.

So auch in ihrem Film Yes, der auf ungewöhnliche Weise mit Themen umgeht, die seit Jahrhunderten zu den kontrovers diskutiertesten und die Menschheitsgeschichte bestimmenden gehören.

Ein Zimmermädchen führt in die Geschichte ein, indem es in der Tradition des griechischen Chores oder dem Narren aus Shakespeares Werken direkt das Publikum anspricht und das Geschehen kommentiert, ohne von den Protagonisten diesbezüglich zur Kenntnis genommen zu werden. In der Ehe zwischen einem aristokratischen Paar ist es nicht mehr zum Besten bestellt, als ein Koch aus Beirut das Leben der Frau auf den Kopf stellt und ihr eine Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit widmet, die sie seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Aber Arabern begegnen wir seit den Anschlägen des 11. September stets mit einer paranoiden Feindseligkeit, die auch die Affäre in diesem Film vor ernstzunehmende Probleme stellt.

Nicht nur die immer wieder in die Handlung eingefügten Auftritte der Zimmermädchen, die (im Falle von Shirley Henderson) das Publikum mit flüsterndem Beiseitesprechen oder durch schlicht entrüstete Blicke in die Kamera amüsieren, erinnern an Stilelemente der klassischen Tragödie. Sally Potter hat nämlich darüber hinaus ihr gesamtes Drehbuch in Versen verfasst, was einem noch nicht einmal auf Anhieb auffällt. Die Regisseurin begründet dieses künstlerisch ungewöhnliche Mittel damit, dass Themen wie Liebe, Tod, Religion oder Politik, die sie allesamt in Yes anspricht, für sie am einfachsten mit reimenden Dialogen angegangen werden konnten. Eine grandiose Idee, die den optisch ebenfalls ansprechend gestalteten Film nur noch weiter adelt.

Dazu tragen zweifelsohne auch die erlesenen Darstellerleistungen von Joan Allen, Sam Neill, Simon Abkarian und der bereits erwähnten Shirley Henderson bei. Leider muss man aber auch konstatieren, dass der Film dadurch auf Dauer ziemlich anstrengend wird und am Ende gar ein paar allzu deutliche Längen aufweist. Nichtsdestotrotz ein seinesgleichen suchendes, integres Werk, mit dem Sally Potter spielerisch versucht, kleine Zeichen für mehr Toleranz und ein friedvolles Miteinander zu setzen. Es ist schließlich allemal besser, „Ja” und nicht „Nein” zu sagen. FB

GB/USA 2004. Regie und Buch: Sally Potter. Mit: Joan Allen, Simon Abkarian, Sam Neill, Samantha Bond, Shirley Henderson, Stephanie Leonidas. 95 Min.

WDR, Donnerstag, 30. August 2007, 23.15 Uhr. 95. Min.

 

> Weitere Informationen zum Film (WDR)