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Wilbur – Das Leben ist eins der schwersten


Wilbur will auf Nummer Sicher gehen. Auf der Arbeitsplatte in seiner spärlich eingerichteten Küche in einer Arbeiterwohnung in Glasgow hat er neben dem Spülbecken einige Gläschen mit Schlaftabletten arrangiert, die er der Reihe nach in sich hineinstopft und mit Wasser aus der Leitung hinunterspült.

Danach dreht er den Gasherd auf und legt sich in sicherer Erwartung seines baldigen Ablebens daneben. Doch der Herd geht aus. Wilbur muß zunächst am Hauptschalter noch einmal eine Münze nachwerfen. Weil er schließlich seinem älteren Bruder telefonisch noch ein paar Abschiedsworte zuhauchen will, schlägt auch dieser Selbstmordversuch wieder fehl. Denn Harbour ist schnell genug bei Wilbur, um die lebensrettenden Wiederbelebungsversuche in Gang zu setzen.

Lone Scherfigs (Italienisch für Anfänger) Film thematisiert den Tod, den verschuldeten, den unvermeidlichen, den schicksalhaften, den selbstgewollten und den fehlgeschlagenen. Er tut dies immer wieder mit einem sarkastischen, tiefschwarzen Humor, der mithilft, die zugrundeliegende Tragik nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Denn wie bei jeder gelungenen Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit des Menschen möchte die Regisseurin letztendlich eine lebensbejahende Botschaft übermitteln. So konventionell Wilbur – Das Leben ist eins der schwersten in der Reduzierung seines Inhalts auf wenige Zeilen auch klingen mag, so überzeugend ist der Film in seiner künstlerischen Gesamtheit.

Da sind in erster Linie einmal die ausgezeichneten darstellerischen Leistungen, denn Wilbur ist bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt. In der Titelrolle brilliert der Schotte Jamie Sives, der seiner Figur genau das geben kann, was sie fordert. Er schafft es, Wilbur mit einer sensiblen Zerbrechlichkeit auszustatten, die zum einen die Schuldgefühle offenbart, die seit seinen Kindertagen an ihm nagen und eine Ursache für seine ständigen Selbstmordversuche darstellen, zum anderen aber auch seine erotische Ausstrahlung impliziert, die ihn für Frauen geradezu unwiderstehlich macht. An seiner Seite glänzt Shirley Henderson in der Rolle einer nicht minder von Selbstzweifeln gequälten Frau, der es aber trotz ihrer eigenen Unsicherheit gelingt, das Leben von Wilbur und Harbour auf den Kopf zu stellen. Und zu guter Letzt sei aus dem überzeugenden Ensemble noch Lisa McKinlay herausgegriffen, die hier ihren Kinoeinstand gibt und wie nur wenige andere Kinderdarsteller Talent, Charme und eine einnehmende Natürlichkeit in sich vereinen kann.

Scherfigs Film verblüfft darüberhinaus stets aufs Neue durch seine intelligenten Dialoge, seinen scharfzüngigen Humor und seine ökonomische Inszenierung, in welcher keine Szene zu lang gerät, sondern durch ihre Reduktion auf das Wesentliche dem Erzählfluß um Einiges dienlicher ist, als es breit ausgespielte Sequenzen jemals sein könnten. FB

DK/GB 2002. (Wilbur Wants to Kill Himself)
Regie: Lone Scherfig.
ARD: Sonntag, 11. Februar 2007, 0.00 Uhr. 105. Min.