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Das wandelnde Schloss


In einer Zeit, in der man mit Hilfe des Computers Welten zu erzeugen versteht, die sich fast nicht mehr von der Realität unterscheiden lassen, haben die großen Animationsfilmkonzerne für sich entschieden, dass man keine Energien mehr für klassische handgezeichnete Filme verschwenden sollte.

Was sie dabei allerdings immer wieder übersehen, betrifft einen völlig anderen Bereich und beschränkt sich nicht nur auf Animationsfilme: Entscheidend für den Erfolg ist nicht nur die Perfektion der Gestaltung, sondern zu allererst einmal die Originalität und Fantastik der Geschichte. Wieder einmal hat der japanische Meisterregisseur Hayao Miyazaki ('Chihiros Reise ins Zauberland') den Beweis angetreten, dass klassisch animierte Zeichentrickfilme den Test der Zeit mühelos werden bestehen können.

Seine Verfilmung des beliebten Romans „Sophie im Schloss des Zauberers” der britischen Autorin Diana Wynne Jones hat den Look der klassischen Animes, der sich seit den 70er Jahren nicht mehr wesentlich geändert hat. In Details wie der Animation von Feuer bedient man sich zwar auch hier der digitalen Möglichkeiten, doch die Bewegungen der Figuren und ihre reduzierte Physiognomie bleibt dem traditionellen japanischen Zeichenstil verhaftet, was einen Großteil des Charmes ausmacht.

Sophie wird von der Hexe aus dem Niemandsland mit einem Fluch belegt, der das junge Mädchen in eine Greisin verwandelt. Im skurrilen Schloss des Zauberers Hauro, das auf vier mechanischen Beinen durch die Landschaft stakst, erhofft Sophie sich Hilfe, um den Bann zu brechen. Doch auch Hauro selbst ist auf die Hilfe anderer angewiesen, um vor seinem unheilvollen Schicksal bewahrt zu werden. Die Kraft der Freundschaft und Liebe muss ihre Stärke beweisen.

Miyazakis Film ist wesentlich düsterer als sein Oscar-gekrönter Vorgänger 'Chihiros Reise ins Zauberland'. In den pittoresken Städten, die nach jahrhundertealtem elsässischem Vorbild gestaltet wurden, tobt ein erbitterter Krieg zu Wasser und in der Luft. Die Schrecken dieser Auseinandersetzungen werden am Rande der märchenhaften Handlung immer wieder thematisiert und als unsinnig und gefährlich gebrandmarkt.

Die größte Stärke des Films liegt aber auch hier wieder in der überbordenden Fantasie, mit der das Kreativteam um Miyazaki die ungewöhnlichen Orte und Figuren der Vorlage visuell umgesetzt hat. Wann hat man schon zum letzten Mal eine dicke, hässliche Greisin und eine sprechende Feuerstelle ins Herz geschlossen? Die Macht der Fantasie ist grenzenlos, auch oder gerade wenn noch überwiegend von Hand gezeichnet wird. Frank Brenner

J 2004 (Hauru no ugoku shiro) Regie und Buch: Hayao Miyazaki. Sprecher: Robert Stadlober, Sunnyi Melles, Kevin Iannotta, Gerald Schaale, Barbara Ratthéy, Maddalena Kerrh. 117 Min.

ARD, Montag, 24. März 2008, 8.00 Uhr

 

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