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Der Untergang -
Erstmals in der Kinofassung im Fernsehen


Filme über das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg gibt es Zuhauf. Immer wieder werden traurige Episoden aus dem dunkelsten Kapitel der Menschheit im Kino nacherzählt, um gegen ein Vergessen anzugehen.

Doch bei all den persönlichen und auch historisch korrekten Nacherzählungen kam der Niedergang der Nationalsozialistischen Herrschaft wenn überhaupt, dann nur am Rande vor – als versöhnendes, wenn auch die Gräuel nicht vergessen machendes Happy Ending.

2004 hatte es sich der engagierte und erfolgreiche Produzent Bernd Eichinger zur Aufgabe gemacht, diesen Untergang in all seiner unbarmherzigen Konsequenz auf die Leinwand zu bringen. Dafür hat er sich im Wesentlichen zweier Quellen bedient, die sich innerhalb kürzester Zeit zu zwei Standardwerken über das Ende der Nazis entwickelt haben.

Joachim Fests ebenfalls „Der Untergang” betiteltes Sachbuch über die letzten Monate im Führerbunker, die das Ende von Hitlers Vision einläuteten und zum Zusammenbruch seiner Führungselite führten. Die zweite Grundlage für Eichingers Adaption lieferten die autobiografischen Erinnerungen Traudl Junges, die 1942 zu Hitlers Sekretärin wurde und die Ereignisse aus nächster Nähe und aus einer ganz persönlichen Sichtweise heraus festhielt. Zusammen mit dem risikofreudigen Regisseur Oliver Hirschbiegel ('Das Experiment') konnte Eichinger sein ambitioniertes Vorhaben eindrucksvoll Realität werden lassen.

Der Film setzt 1942 ein, um den Beginn der Zusammenarbeit zwischen Hitler und Junge zu dokumentieren, springt dann aber sofort ins Jahr 1945, um für die restliche Spielzeit den Niedergang des Dritten Reiches aus der Innenansicht heraus zu dokumentieren. Wir erfahren von den ersten Zweifeln unter Hitlers Generälen, sehen die irrationale Besessenheit des Führers und die teilweise fatalistische Hingabe seiner Untergebenen. Wir sehen das im Bombenhagel immer mehr in sich zusammenstürzende Berlin, die verzweifelten Straßenkämpfe von minderjährigen Soldaten der Hitlerjugend und das sinnlose Morden innerhalb der eigenen Reihen aufgrund von Fahnenflucht und Vaterlandsverrat.

Im Zentrum des Geschehens steht Adolf Hitler selbst, der in den meisten Kriegsfilmen lediglich als leicht zu karikierende und damit leicht zu identifizierende Nebenfigur auftaucht. Bruno Ganz hatte es somit in der fordernden Rolle auch keineswegs einfach, da das Bild, das wir vom Despoten des 20. Jahrhunderts in unserem Kopf haben, von Ticks und charakterlichen Skurrilitäten bestimmt ist, bei der jede authentische Interpretation der historischen Figur auch immer wieder sofort Gefahr läuft, ins Lächerliche abzugleiten.

Doch Ganz wäre nicht der beste Schauspieler seiner Generation, wenn er dieser Herausforderung nicht gewachsen wäre. Schon nach kürzester Zeit hat man den Schauspieler Ganz vergessen und meint, Hitler selbst vor sich zu sehen. Auch in den massivsten Wutausbrüchen bleibt Ganz glaubwürdig und tritt nicht aus seiner Rolle heraus. Auch die meisten anderen Darsteller der stargespickten Besetzungsliste schaffen es, ihre Rollen authentisch zu gestalten, was der Dramaturgie des Filmes zugute kommt. Wenn auch schon viel über den Zweiten Weltkrieg geschrieben und in Filmform festgehalten wurde, 'Der Untergang' wird bis auf weiteres das ultimative Werk über die Zerschlagung von Hitlers Macht und die Kapitulation Deutschlands darstellen. Frank Brenner

D/A/I 2004. Regie: Oliver Hirschbiegel. Mit: Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Juliane Köhler, Heino Ferch, Christian Berkel, Matthias Habich. 145 Min.

ARD, Samstag, 19. April 2008, 20.15 Uhr

 

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