Als unbekannten Soldat bezeichnet man landläufig die namenlosen Opfer, wie es sie in Kriegszeiten millionenfach gab. Was aber ist mit den unbekannten Tätern – Kriegsverbrecher, die ebenfalls in reicher Zahl vorhanden waren?
Es ist unfassbar, dass sich bis 1994 anscheinend niemand ernsthaft mit den Verbrechen der Wehrmacht auseinandergesetzt hatte. Wie sonst wäre die öffentliche Entrüstung führender Politiker zu verstehen, die sich gegen die in jenem Jahr in München eröffnete Ausstellung formierte?
Zum ersten und einzigen Mal standen Konservative mit NPDlern in einer Reihe, während das Volk gegen Naziaufmärsche demonstrierte. Grund für die Aufregung war die Tatsache, dass zum ersten Mal Filme, Fotos und Dokumente gezeigt wurden, die belegen, dass „die Wehrmacht die Verbrechen der Nazis nicht nur billigte, sondern sie sogar erst ermöglichte“, wie Paul Spiegel, seinerzeit Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland im Gespräch erläutert. Neben ihm kommen zahlreiche Zeitzeugen, Historiker, Passanten, aber auch Neo-Nazis, wie Christian Worch zu Wort.
Während Worch wie immer propagandistische Phrasen von sich gibt, veranschaulichen viele Opfer und wenige reuevolle Täter anhand von Privatfotos und Geschichten das Leid des Zweiten Weltkriegs. Neu ist das sicher nicht, was Spielfilmregisseur Michael Verhoeven (Mutters Courage) hier erzählt. Doch die Ereignisse um die Eröffnung der Wehrmachtsausstellung bewogen ihn dazu, die Wahrheit festzuhalten.
So ist Verhoevens stilistisch einfach gehaltener Dokumentarfilm nicht nur Ergänzung zur Ausstellung, sondern auch Bild einer Gesellschaft, die zwischen Ruhen lassen der Vergangenheit und ständiger Erinnerung pendelt. Das Zitat des jüdischen Schriftstellers Elie Wiesel, das am Eingang an der Wand steht, spricht wohl die einzige Wahrheit: „Für die Toten und die Lebenden müssen wir Zeuge werden.“ LT
D 2006. Regie und Buch: Michael Verhoeven. Schnitt: Gabriele Kröber. 100 Min.
arte, Dienstag, 8. Januar 2008, 23.05 Uhr
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