Home

 

Die Träumer


Im Jahr 1968 befand sich die Welt im Umbruch. Es wurde rebelliert gegen fest gefahrene, überholte Prinzipien, verkruste Moralvorstellungen und politische Ansichten von vorgestern.

Unter dem Motto „Lebe Deinen Traum!” begehrte eine neue Generation gegen die ihrer Eltern und Großeltern auf. Bernardo Bertoluccis Film beschäftigt sich mit dieser Generation, der Träumer, die sich an der Schwelle zur Realisation ihrer Fantasien befindet.

Bertolucci war zu der Zeit, in welcher der Film spielt, selbst ein junger Mann und Teil dieser aufbegehrenden Generation. Vielleicht gelingt es ihm deshalb so einfühlsam und präzise, das Lebensgefühl von damals festzuhalten und den Roman von Gilbert Adair (Love and Death On Long Island) so treffend zu verfilmen.

Die Handlung kreist um den jungen amerikanischen Austauschstudenten Matthew, der in Paris die Freundschaft mit dem Geschwisterpaar Isabelle und Theo macht. Fasziniert von der Schönheit der jungen Frau und vom Charisma ihres Bruders, lässt sich Matthew in eine spannungsgeladene Ménage-à-Trois ziehen, die den Film über volle zwei Stunden auf wirkungsvollste Weise zusammenhält.

Die drei Studenten sind ausgesprochene Filmliebhaber, und so nutzt Bertolucci diese Prämisse, um seine eigene Liebe zum Kino einfließen zu lassen und einen Film über Cineasten für Cineasten zu drehen. Immer wieder werden Handlungselemente, Dialoge oder Gesten aus alten Hollywoodfilmen, aber auch aus Werken der französischen Nouvelle Vague zitiert oder verspielt nacherzählt.

Damit auch die in der Filmgeschichte weniger gut bewanderten Zuschauer im Publikum nicht ratlos zurückbleiben, fügt Bertolucci die entsprechenden Szenen aus den Originalen an den jeweiligen Stellen noch einmal ein. Das wirkt zwar insgesamt vielleicht ein wenig aufgesetzt, fügt sich aber dank des subtilen Schnitts von Jacopo Quadri zumeist ganz gut in die eigentliche Handlung ein. So beispielsweise in der Szene, in der die drei Protagonisten die wilde Jagd durch den Louvre aus Jean-Luc Godards Die Außenseiterbande nachstellen und die beiden Rennsequenzen zu einem harmonischen Ganzen montiert sind.

Bertolucci, der mit Der letzte Tango in Paris einen der provokativsten Filme der 70er Jahre gedreht hat, hält sich auch hier in der Darstellung des sexuellen Verwirrspiels optisch nicht zurück. Es gibt viel nackte Haut zu sehen, aber aus der Faszination der damit verbundenen Selbstfindung, des Experimentierens und des generellen Aufbruchs baut er eine knisternde Spannung auf, die an individuellen Beispielen illustriert, wie abenteuerlich und interessant die ganze damalige Epoche war. FB

GB/I/F/USA 2003 (The Dreamers) Regie: Bernardo Bertolucci. 130 Min.

ZDF: Montag, 2. Juli, 22.15 Uhr

 

> Weitere Informationen zum Film (ZDF)