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Die syrische Braut


Wie einfach wir es hier in Deutschland haben, wenn wir uns entscheiden, den Menschen, den wir lieben, zu heiraten, wird einem erst wieder so richtig bewusst, nachdem man Filme wie Die syrische Braut gesehen hat.

Clara Khoury spielt einmal mehr, wie auch in Rana’s Wedding, eine junge Frau, die am Tag ihrer Hochzeit vor schier unlösbare Probleme gestellt wird.

Im ersten Film musste sie ihren zukünftigen Bräutigam in den israelisch besetzten Teilen Jerusalems ausfindig machen, ihn über die Grenze bringen und ihrem strengen Vater gegenüber ihre Liebe verständlich machen.

In Eran Riklis’ Film lebt Khoury als Mona mit ihrer Drusen-Familie im israelisch besetzten Teil der Golanhöhen. Die Drusen sind eine als Ableger des Islam entstandene Religionsgemeinschaft. Der von ihrer Familie ausgewählte Bräutigam, den sie noch nie persönlich gesehen hat, ist Syrier. Wenn sie für ihre Hochzeit die Grenze nach Syrien überquert, wird sie nie wieder zurückreisen können. Deswegen werden die Feierlichkeiten der Vermählung gleichzeitig zu einem Abschiedsfest von ihrer Familie.

Unvorstellbar, welche Hindernisse den jungen Menschen durch starrköpfige Regierungsbeamte, überholte Ehr- und Moralvorstellungen und eine nicht logisch erklärbare Grenzlinienführung in den Weg gelegt werden. Eran Riklis hat mit seinem vielschichtigen Familiendrama einen Weg gefunden, all diese Absurditäten, die einem europäischen Publikum so fremd und veraltet vorkommen werden, in sämtlichen Facetten zu beleuchten. Darüber hinaus nimmt er sich auch die Zeit, die verschiedenen Mitglieder der Familie der Braut in ihren Widersprüchen und mit all ihren Ecken und Kanten dennoch liebenswert zu präsentieren.

Da gibt es den Familienvater, der einen seiner Söhne verstieß, als dieser eine jüdische Russin heiratete. Die Schwester der Braut hat sich, gemäß den arabischen Traditionen, ihrem Mann stets untergeordnet und dadurch Chancen verstreichen lassen, für sich selbst einen Platz in der Gesellschaft zu finden und sich selbst zu verwirklichen. Ein weiterer Bruder ist ein hoffnungsloser Playboy, der als Handlungsreisender in jedem Hafen eine Braut hat.

In den Grenzbaracken zwischen den Golanhöhen und Syrien kommt es schließlich zum Aufeinandertreffen der unterschiedlichsten Kulturen, da UN-Mitarbeiterinnen als Vermittler fungieren müssen. Das Gemisch aus hebräischen, arabischen, englischen, französischen und russischen Worten unterstreicht die Zerrissenheit in jenem krisengebeutelten Gebiet des Mittleren Ostens. Ein Film wie Riklis’ Die syrische Braut kann dazu beitragen, dass das Verständnis für die jeweils anderen Belange zu wachsen beginnt, dass sich die zerstrittenen Parteien über die Absurdität der Situation bewusst werden und dass mit dem Durchbrechen gestriger Traditionen der Grundstein für einen Neubeginn gelegt wird. TS

ISR/D/F 2004 (The Syrian Bride) Regie: Eran Riklis. Mit: Hiam Abbass, Makram J. Khoury, Clara Khoury, Ashraf Barhoum, Eyad Sheety, Evelyne Kaplun. 97 Min.

arte, Donnerstag, 17. Januar 2008, 21.00 Uhr

 

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