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Super Size Me


Die USA sind die Nation mit den meisten fettleibigen, übergewichtigen Menschen der Welt. Nun fällt es aus deutscher Sicht auf den ersten Blick leicht, dies auf den hohen Fast-Food-Konsum der Amerikaner zurückzuführen und sich stillschweigend und besserwisserisch ins Fäustchen zu lachen.

Doch wie gefährlich: denn auch in Deutschland ist mittlerweile jedes fünfte Kind und sogar jeder dritte Jugendliche zu dick, etwa fünf Millionen Menschen hierzulande sind Diabetiker, was in erster Linie auf Übergewicht und Bewegungsmangel zurückzuführen ist und die Deutschen somit zu einem der traurigen europäischen Spitzenreiter der Fettleibigkeit macht. Kein Grund also zum abschätzigen Blick auf die USA, Morgan Spurlocks Film geht auch uns an!

Der junge Filmemacher legte mit Super Size Me seinen ersten Langfilm vor und verfolgt damit nicht nur pädagogisch die gleichen Ziele wie sein erfolgreicher Dokumentarfilmkollege Michael Moore. Sowohl die formale Gestaltung als auch die Art des Humors ähneln auf frappierende Weise der aus Bowling for Columbine bekannten.

Spurlock hat sich zum Ziel gesetzt, der Fettleibigkeit seiner Nation im wahrsten Sinne des Wortes zu Leibe zu rücken und die Langzeitfolgen von ungesunder Ernährung im Selbstversuch zu testen. Prämisse für seinen Film war eine strikte, dreißigtägige McDonalds-„Diät”, die der zu Beginn körperlich kerngesunde Regisseur unter ständiger Beobachtung dreier Ärzte über sich ergehen ließ. Drei Mahlzeiten täglich, gegessen werden durfte nur, was es bei der weltweit größten Fast-Food-Kette im Angebot gibt, „Super Size”-Menüs mussten bestellt werden, wenn diese von der Bedienung vorgeschlagen wurden und aufessen war ebenso Pflicht.

Man kann sich lebhaft vorstellen, dass Blutzucker- und Leberwerte bei einer solchen Marter, die zahlreiche Menschen ohne Hintergedanken freiwillig über sich ergehen lassen, ebenso kritische Ausmaße erreichen wie der Cholesterinspiegel und letztendlich das Körpergewicht.

Spurlock gelingt es wie seinem Vorbild Moore gleichermaßen, den humorigen Blick auf seine persönliche Meinung ebenso ins Zentrum seines Films zu setzen wie informative Interviews mit Ernährungsforschern, Ärzten, Lebensmittellobbyisten und Fastfoodkonsumenten. Selbst der Einbau von Zeichentricksequenzen und der Schnittstil in der MTV-Tradition sind an Bowling for Columbine angelehnt. Und doch ist Spurlock mehr als ein Plagiat gelungen, sein Film sollte vielmehr als weiterer Beitrag einer neuen Form der Dokuunterhaltung verstanden werden, die Michael Moore eben kreiert hat. Denn Spurlock kann mit Super Size Me neben den offensichtlichen Lachern auch neue Erkenntnisse vermitteln und stellt ein Sprachrohr für unterdrückte, vernunft- und nicht profitgesteuerte Meinungsträger dar. Darüber hinaus gelingt ihm, was von jedem extrovertierten Lästerer sowieso eingefordert werden sollte: konstruktive Kritik einzubringen.

Neben all den plakativen Negativbeispielen findet der Filmemacher auch immer wieder Platz in seinem Film, um zu zeigen, dass es auch durchaus anders geht. Der US-Bundesstaat Illinois, einer der Spitzenreiter in Sachen Übergewicht, ist der einzige amerikanische Staat, in dem Sport an den Schulen Pflichtfach ist. Und einige wenige Schulkantinen haben sich über die Macht der Großkonzerne hinweggesetzt und bieten in den Pausen tatsächlich noch selbst gekochte Gerichte an, bei denen auf Nährwerte und Frische der Zutaten geachtet wird. Auf dem Sundance Filmfestival wurde Spurlock mit dem Regiepreis geehrt und sein Film hat in den USA großen Wirbel ausgelöst. FB

USA 2004. Regie und Buch: Morgan Spurlock. Mit: Morgan Spurlock, Dr. Daryl Isaacs, Dr. Lisa Ganjhu, Dr. Stephen Siegel, Bridget Bennett, Eric Rowley, Alexandra Jamieson. 96 Min.

BR3, Mittwoch, 2. Mai 2007, 23.30 Uhr

 

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