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Sin City


Comics sind seit jeher nicht nur ein Unterhaltungsmedium für Kinder gewesen. Neben den handelsüblichen Funnies und den Superhelden-Abenteuern, die sich überwiegend einem kindlichen bzw. jugendlichen Publikum verschrieben haben, ziehen die so genannten Graphic Novels mit ihrem eher künstlerischen Anspruch eine vornehmlich erwachsene Leserschar in ihren Bann.

Mittlerweile scheint die Zeit gekommen, in der man auch jene visuell ausgeklügelten Vorlagen für die Leinwand aufarbeiten kann. 'From Hell' der Brüder Hughes war hierbei ein Vorreiter, Christopher Nolans Batman Begins legte nach und brachte den geflügelten Rächer wieder in seine ihm eigentlich angetraute Atmosphäre zurück. Der Kassenschlager basierte u.a. auf Comics von Frank Miller, der auch die Vorlage für Robert Rodriguez’ Film 'Sin City' lieferte.

Die titelgebende Stadt ist das Sinnbild des verkommenen Großstadtmolochs, in dem Gangster, Nutten, Drogensüchtige und Irre sich die Klinke in die Hand geben. Brutale Morde stehen auf der Tagesordnung, Rache, Ehre und Süchte bestimmen das Handeln. In einigen abgeschlossenen Episoden, die sich dennoch immer wieder überschneiden, lernen wir manche Bewohner dieser sündigen Stadt kennen, werden Zeuge, wie sie töten oder getötet werden.

Robert Rodriguez hat in seinen Filmen für Erwachsene (anders als beispielsweise in seinen Spy Kids-Filmen für die jüngeren Kinozuschauer) noch nie mit Kunstblut gespart und ähnlich wie sein Kompagnon und langjähriger Freund Quentin Tarantino die absurdesten Ideen mit den abartigsten Charakteren auf die Leinwand gebannt. Deswegen erscheint er als künstlerischer Kopf hinter der Verfilmung der kultisch verehrten „Sin City”-Comics auch die beste Wahl zu sein – zumal ihm hier auch noch Frank Miller selbst und eben Tarantino helfend unter die Arme griffen.

Die visuelle Gestaltung der Comic-Adaption kann sich denn auch in der Tat sehen lassen. Wie seine grafische Vorlage kommt der Film mit wenigen Farben aus, setzt hie und da einige farbige Akzente, bleibt ansonsten aber dem Schwarz-Weiß verhaftet. Dadurch ergibt sich einerseits die offensichtliche Parallele zu den Filmklassikern der Schwarzen Serie, die schon Millers Comics als Inspiration dienten, andererseits drängen sich Vergleiche mit Kerry Conrans Sky Captain and the 'World of Tomorrow' auf, der ein ebenso rigoroses optisches Konzept verfolgte. Doch leider geht die Rechnung auch hier wieder einmal nicht auf.

Schon Conrans Film konnte in den ersten Sequenzen aufgrund seiner ungewöhnlichen Optik überzeugen, begann sich aber allzu schnell totzulaufen, weil ein solches Konzept allein auf Spielfilmlänge zu mager ausfällt. Rodriguez hat bei 'Sin City' mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Hinzu kommt hier, dass ihm die episodische Struktur weitere Hindernisse in den Weg legt. Was als Kurzfilm oder mit etwas mehr und etwas abwechslungsreicherem Gehalt bestimmt funktioniert hätte, enttarnt sich so als bloße visuelle Spielerei für Splatter- und Gothicfans. Frank Brenner

USA 2005 (Frank Miller’s Sin City) Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller, Quentin Tarantino. Mit: Bruce Willis, Mickey Rourke, Jessica Alba, Clive Owen, Nick Stahl, Powers Boothe. 124 Min.

Pro7, Sonntag, 25. Mai 2008, 23.00 Uhr