Home

 

Sehnsucht


Auf der Berlinale 2006 war der deutsche Film präsent wie selten zuvor. Auch bei den Preisverleihungen durch die Internationale Jury setzten die Deutschen (mit Der freie WilleRequiem und Elementarteilchen) Akzente.

Ein Film war bei dem Preisregen ein wenig untergegangen, Sehnsucht, das Langspielfilmdebüt von Valeska Grisebach. Das mag zum einen an der unspektakulären Geschichte gelegen haben, zum anderen vielleicht an der minimalistischen Inszenierungsweise. Andererseits sind es gerade diese Punkte, die aus Sehnsucht ein intensives, berührendes und überzeugendes Kinoerlebnis machen.

Markus ist Schlossermeister, arbeitet in seiner Freizeit für die Freiwillige Feuerwehr seines 200-Seelen-Dorfes. In seiner Beziehung zu Ella ist er glücklich, es gibt keine Probleme. Bei einem Ausflug mit der Feuerwehr lernt er die Kellnerin Rose kennen, in deren Bett er nach durchzechter Nacht aufwacht. Markus steht vor einer Gewissensfrage, denn er möchte keine der beiden Frauen unglücklich machen.

Szenen am Stammtisch der Freiwilligen Feuerwehr, eine Grillfeier im Familienkreis oder die Gesangsgruppe Ellas wirken bis in die winzigsten Details authentisch – man spürt regelrecht, dass hier die meisten Darsteller nichts anderes tun, als ihr Leben vor der Kamera nachzuspielen. Und trotzdem entsteht niemals der Eindruck von Laienhaftigkeit oder Dilettantismus.

Das Verdienst für diese uneingeschränkte Glaubwürdigkeit kommt Valeska Grisebach zu, die sogar ihre drei zentralen Figuren mit ungelernten Schauspielern besetzte. Ein unaufgeregter Film im Stil der neuen deutschsprachigen Regiegeneration, dem es bis zu seinem ungewöhnlichen, überaus originellen Schluss gelingt, sein Publikum an eine allzu menschliche, sehr alltägliche Geschichte zu fesseln. FB

D 2006. Regie und Buch: Valeska Grisebach. Mit: Andreas Müller, Ilka Welz, Anett Dornbusch, Erika Lemke, Markus Werner, Doritha Richter, Detlef Baumann.

ZDF: Montag, 10. September, 0.05 Uhr. 88 Min.

 

> Weitere Informationen zum Film (ZDF)