Home

 

Ray


Biopics erfreuen sich bereits seit etlichen Jahrzehnten großer Beliebtheit. Schließlich gab es immer schon genügend interessante Persönlichkeiten, über deren Leben es lohnenswert erschien, einen Film zu drehen.

Oftmals ist das Ergebnis, sprich das Biopic, dann nicht halb so interessant wie die dargestellte Person. Aber es gibt auch den umgekehrten Fall: Biopics, die mit filmischen Konventionen spielen, neue Wege beschreiten und alles andere als langweilig sind. Wenn dann allerdings die Prominenten hierzulande nicht prominent genug sind, wie z. B. im Falle von Mario Van Peebles 'Gettin‘ the Man’s Foot Outta Your Baadasssss!' über seinen Vater, den Independent-Regisseur Melvin Van Peebles, oder Rodney Evans’ Debütwerk 'Brother to Brother' über den Harlem Renaissance-Schriftsteller Richard Bruce Nugent, kann man froh sein, wenn man diese Perlen in Deutschland wenigstens auf einem Filmfestival oder auf DVD entdeckt.

Ray Charles hingegen ist auch bei uns bekannt und beliebt genug, deswegen konnte man einen Film über sein Leben getrost in die Kinos bringen, auch bzw. gerade wenn die Machart denkbar konventionell geraten ist.

Das Leben des im Juni 2004 im Alter von 73 Jahren verstorbenen Musikers hat es indes wirklich in sich. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, erblindet er im Alter von sieben Jahren vollständig. Seine Liebe zur Musik im Allgemeinen und zum Klavierspielen im Besonderen macht aus dem jungen Afroamerikaner dann aber schnell trotz seiner Behinderung einen gefragten und erfolgreichen Sänger und Pianisten, der ständig in neuen Musikrichtungen Herausforderungen sucht und findet. Sein Privatleben ist jedoch alles andere als unproblematisch. Er war stets ein hoffnungsloser Schürzenjäger und verfällt einer kräftezehrenden Heroinsucht.

Taylor Hackford ('Lebenszeichen') schwelgt in Brauntönen, um die Kindheit von Ray Charles mit seinem Aufstieg im Musik-Business zu kontrastieren. Für die Drogenexzesse und die Zeit in der Entzugsklinik setzt er psychedelische Farben, Überblendungen und Wackelaufnahmen ein. Dazwischen spulen sich die restlichen Ereignisse im Leben der R’n’B-Legende nach wohl vertrautem Schema ab. Schon früh werden Charles’ negative Charaktereigenschaften herausgekehrt, es gibt ständig Freunde, Berater und Familienmitglieder, mit denen er ungerecht umspringt. Aber wir befinden uns schließlich in einem Biopic, bei dem es bis zum Ende noch genügend Möglichkeiten für den Protagonisten gibt, sich zu läutern und als strahlender Held dazustehen. Dafür kann man dann schon auch mal einen offiziellen Staatsakt heranziehen, der nicht nur eine Weste reinwaschen hilft, sondern zudem auch noch das patriotische Gewissen der Amerikaner befriedigt.

Jamie Foxx ('Collateral') gelingt es auf eindrucksvolle Weise, die Gestik und Mimik von Ray Charles in der Titelrolle zu imitieren, für die meisten Gesangsszenen hat man auf die Originalaufnahmen zurückgegriffen. Bis auf wenige Ausnahmen konzentriert sich die Handlung auf die Jahre zwischen 1950 und 1965, in der der Musiker seine fruchtbarste, aber sicherlich auch privat aufregendste Phase durchlief. Wer diese hübsch bebildert aber einigermaßen belanglos nacherleben will, hat dazu nun auch im Fernsehen die Gelegenheit. Frank Brenner

USA 2004. Regie: Taylor Hackford. Mit: Jamie Foxx, Kerry Washington, Clifton Powell, Harry Lennix, Terrence Dashon Howard, Larenz Tate, Regina King. 152 Min.

Vox, Donnerstag, 6. März 2008, 20.15 Uhr

 

> Programminformation (Vox)