Home

 

Pieces of April – Ein Tag mit April Burns


Der Thanksgiving Day ist in den USA sicherlich einer der wichtigsten Feiertage überhaupt, ein Familientag, wie er im Buche steht und Anlass für den Festschmaus des Jahres.

Die traditionelle Zubereitung des gefüllten Truthahns erfordert Zeit und Liebe. Mit der Liebe ist es allerdings so eine Sache in Aprils Familie. Die junge Frau hat ihren Verwandten vor Jahren im Zorn den Rücken gekehrt und ist nach New York geflohen. Nun, als ihrer Mutter nach einer Brustkrebserkrankung nicht mehr viel Zeit gegeben wird, hat April alle am Erntedanktag zum Truthahnessen zu sich in die Metropole eingeladen. Doch ausgerechnet jetzt geht der Ofen kaputt und in Parallelmontagen sehen wir die Familie den weiten Weg im Auto anreisen, wobei vor allen Dingen die Mutter ständig von Zweifeln geplagt wird, ob eine Aussöhnung wirklich das Richtige ist.

Peter Hedges’ bitter-süßer Familienfilm schäumt geradezu über vor guten Ideen. Mit unglaublicher Rasanz und einem sicheren Gespür für Timing führt er sein Publikum durch die katastrophalen Ereignisse, wechselt stets gekonnt zwischen Aprils häuslichem Chaos, den Bemühungen ihres Freundes, sich angemessene Festtagskleidung zu besorgen, und der Odyssee der fünf anreisenden Verwandten hin und her. Dabei werden die liebevoll gezeichneten Figuren mit all ihren Marotten, Fehlern und Tugenden schon nach kürzester Zeit zu Vertrauten, deren Bemühungen und Probleme einen gefangen nehmen.

Auf der Suche nach einem Ersatzofen muss sich April mit den Mitbewohnern im neu bezogenen Mehrfamilienhaus erst einmal bekannt machen, was Hedges mitunter auf einige Slum-Stereotypen zurückgreifen lässt, doch der Humor, mit dem er dies tut, ist herzergreifend und unaufgesetzt. Die farbige Nachbarin ist zunächst einmal erheitert, als das junge, weiße Mädchen mit einem Problem vor ihrer Tür steht, da sie ja eigentlich per definitionem aufgrund ihrer privilegierten Rasse keine Probleme haben dürfte. Nach einer Erklärung ist die zu Tränen gerührte Frau dann aber doch so gut es geht hilfsbereit, und die witzigen Szenen in ihrer Küche sind von einnehmendem Charme und perfekt inszenierter Situationskomik durchzogen.

Hedges’ Film erweckt auf weite Strecken den Look eines Homevideos, wahrscheinlich auch, weil er mit der Digitalkamera gedreht wurde. Die Aussage, die sich auf unaufdringliche und doch glaubwürdige Weise hinter seiner Story verbirgt, hat indes einen viel universelleren Charakter, der sich nicht nur auf den familiären Aspekt reduzieren lässt: Es gilt, Vorurteile zu überwinden und auch trotz Vorbehalten im Bauch aufeinander zuzugehen. Nur so kann aus dem Verständnis für den Anderen der Respekt erwachsen, der für ein Zusammenleben essenziell ist. Frank Brenner

USA 2003 (Pieces of April) Regie und Buch: Peter Hedges. Mit: Katie Holmes, Patricia Clarkson, Oliver Platt, Derek Luke, Sean Hayes, Alice Drummond, SisQo. 81 Min.

Tele5, Montag, 2. Juni 2008, 20.15 Uhr