Hinsichtlich der nach wie vor angespannten politischen Situation im Iran ist es als aufmunterndes Zeichen zu werten, dass mit Jafar Panahis 'Offside' nun ein Film in die Kinos kommt, der real existierende Probleme des Landes aus der Innenperspektive heraus durchaus kritisch beleuchtet.
Die Unterdrückung und Benachteiligung der Frauen im Iran dürften hinlänglich bekannt sein. In der Öffentlichkeit dürfen sie nur mit Schleier auftreten, vor Gericht wird ihrer Aussage weniger Bedeutung als der eines Mannes beigemessen. Dass es aber im kleinen Rahmen noch viel absurder zugeht, zeigt dieser humorvolle kleine Film.
Zwischen dem Iran und Bahrain steht das Qualifikationsspiel für die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland an. Wer sich für den Sport begeistern kann, versucht ins Stadion zu gelangen, um dem Spiel live beizuwohnen. Nur: Frauen werden nicht eingelassen – aufgrund einer gesetzlichen Bestimmung mit den fadenscheinigsten Argumenten. 'Offside' erzählt vom Einfallsreichtum einiger junger Mädchen, doch mit den anderen im Stadion mitjubeln zu können. Aber auch von den strengen Kontrollen, die auch die raffiniertesten Ideen scheitern lassen.
Jafar Panahi konzentriert sich in seinem Film auf die langen, erhellenden Unterhaltungen zwischen den fußballbegeisterten Mädchen und den Stadionwachen, die die Absurditäten ihrer Anweisungen häufig selbst nicht so ganz zu verstehen scheinen. Nach Filmen wie 'Kick It Like Beckham' oder 'Eine andere Liga', die sich mit fußballspielenden Frauen beschäftigten und deren Emanzipation von den Vorbehalten der Männer feierten, ist 'Offside' für westeuropäische Kinozuschauer ideologisch natürlich ein Rückschritt. Dass im Iran aber ein solcher Film, der sich durchaus auch kritische Töne herausnimmt, produziert werden kann, weckt die Hoffnung auf einen Wandel bezüglich festgefahrener und überholter Weltanschauungen. Thomas Steffens UR/D 2004. Regie: Juan Pablo Rebella, Pablo Stoll. Mit: Andrés Pazos, Mirella Pascual, Jorge Bolani, Ana Katz, Daniel Hendler. 94 Min.
DasErste, Mittwoch, 4. Juni 2008, 0.35 Uhr
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