Lars von Triers filmisches Universum ist in Trilogien gegliedert. Nach seinen viel beachteten Filmen der „Europa-Trilogie“ hat er die „Golden Heart-Trilogie“ verfasst, mit der er ein Riesenpublikum erreichen konnte und aus seinem Schattendasein im Arthauskino heraustrat.
Mit seinem 2003 abgedrehten Film 'Dogville' hat der kreative und umtriebige Däne seine „Amerika-Trilogie“ eingeleitet, die zwei Jahre später mit 'Manderlay' ihre Fortsetzung erfuhr. Trotz seines enormen Outputs hat es von Trier bislang geschafft, sich stilistisch stets weiterzuentwickeln und keine tonangebende Idee in seinen Werken zweimal zu verwenden. Mit dieser Tradition hat er nun erstmals spürbar gebrochen, denn 'Manderlay' ist nicht nur inhaltlich die Fortsetzung von 'Dogville', der Film geht auch in ästhetischer Hinsicht auf den gleichen Pfaden weiter, die der Vorgängerfilm auf so spektakuläre Weise geebnet hatte.
Wiederum wird in einer stark stilisierten Kulisse, die sich auf einige unumgängliche Requisiten beschränkt, ansonsten aber einer Theaterbühne ohne Bauten gleicht, eine zeitlose Geschichte erzählt, die eng mit der Mentalität und Historie der Vereinigten Staaten verknüpft ist. Grace, die Protagonistin aus 'Dogville', dieses Mal nicht von Nicole Kidman, sondern von Bryce Dallas Howard gespielt, wird auf der Manderlay-Plantage siebzig Jahre nach der gesetzlichen Abschaffung der Sklaverei mit einem ebensolchen Herrschaftssystem konfrontiert. Die weißen Besitzer nutzen ihre schwarzen Arbeiter nach allen Regeln der Kunst aus. Als die Gutsherrin stirbt, sieht Grace die Chance gekommen, den Arbeitern ihre Freiheit zu schenken. Da das Ganze leichter gesagt als getan ist, bietet sie ihre Hilfe vor Ort an.
'Manderlay' aufgrund seiner inszenatorischen Gestaltung mit dessen Vorgängerfilm direkt zu verknüpfen, erweist sich als kluger Schachzug Lars von Triers. Da sich die beiden Filme auf der inhaltlichen und der Bedeutungs-Ebene sehr ähnlich sind, werden sie so besser als Teil eines größeren Ganzen wahrgenommen. In dem sehr dialoglastigen, überlangen Film geht es einmal mehr um Themen von essenzieller Bedeutung wie das Recht auf persönliche Freiheit, Selbstbestimmung und demokratische Grundsätze im Allgemeinen. In seiner parabelhaft angelegten Geschichte stellt von Trier aufs Neue Stupiditäten des menschlichen Verhaltens bloß und gibt seinen Zuschauern jede Menge tiefgründiger Ansätze für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gezeigten. Auch wenn 'Manderlay' nicht mit dem gleichen nihilistischen Schluss wie 'Dogville' endet, lassen seine Parallelen zur tatsächlichen Situation in den USA dennoch einen Kloß im Hals des Betrachters zurück. Frank Brenner DK/S/F/GB/D 2005. Regie und Buch: Lars von Trier. Mit: Bryce Dallas Howard, Isaach de Bankolé, Danny Glover, Willem Dafoe, Michaël Abiteboul, Lauren Bacall. 139 Min.
arte, Mittwoch, 21. Mai 2008, 22.30 Uhr
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