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Man muss mich nicht lieben


Schon allein sein Beruf als Gerichtsvollzieher drückt dem verhärmten Jean-Claude den Stempel eines herzlosen Individuums auf.

In den ersten Minuten sehen wir den grandiosen Charaktermimen Patrick Chesnais in dieser fordernden Rolle vor der Wohnung einer jungen dunkelhäutigen Frau stehen. Sie ist in Mietrückstand geraten, und Jean-Claude überbringt ihr die finale Zahlungsaufforderung. Die Szene wird ins Schwarze ausgeblendet, um den Eröffnungscredits Platz zu machen, aus dem Off hören wir allerdings noch das Schluchzen der jungen Frau, die sich nun vor unlösbare Probleme gestellt sieht.

Diese meisterhafte Dramaturgie, die sich stets genügend Zeit nimmt, um die Einstellungen bis zu ihrem maximalen Effekt auszukosten, wird auch in den meisten folgenden Szenen exzellent funktionieren. Regisseur Stéphane Brizé holt aus seinen hervorragenden Schauspielern das Beste heraus, so manche peinlich lange Situation scheint dem Alltag bis aufs I-Tüpfelchen abgeschaut.

Bei einem Arztbesuch wird Jean-Claude auf symbolische Weise eine Herzschwäche attestiert, doch durch die Bekanntschaft mit der quirligen und überaus charmanten Françoise kommt das Herz des in seiner lieblosen Alltagsroutine gefangenen Gerichtsvollziehers schließlich wieder auf Trab. In den Nebenhandlungssträngen um die Generationenkonflikte Jean-Claudes mit seinem griesgrämigen Vater und seinem unsicheren Sohn folgt die Dramaturgie zwar etwas ausgetreteneren Pfaden, und die Auflösung der entsprechenden Konfliktsituationen kann man schon frühzeitig vorausahnen, doch dem kurzweiligen und tiefsinnigen Vergnügen, das einem Brizé bis dahin bereitet hat, tut das nicht im Mindesten einen Abbruch. FB

F 2005 (Je ne suis pas là pour être aimé) Regie und Buch: Stéphane Brizé. Buch: Juliette Sales. Mit: Pa­trick Chesnais, Anne Consigny, Georges Wilson, Cyril Coupon, Lionel Abelanski, Geneviève Mnich, Hélène Alexandridis. 93 Min.

BR, Mittwoch, 23. Januar 2008, 21.45 Uhr

 

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