Mit Filmen wie 'Clerks' und 'Mallrats' hat sich Kevin Smith längst einen Fankreis erobert, deren Erfolg die anstehenden Projekte des einfallsreichen Independent-Regisseurs in eine andere Liga katapultierte.
Hollywood wollte am Erfolg der günstig produzierten, aber jede Menge Geld einspielenden Produktionen teilhaben und hievte Smith in den Olymp der Großproduktionen. Mit 'Dogma' lieferte er dort einen schon deutlich gefälligeren, aber immer noch netten Mainstream-Film ab, mit 'Jay and Silent Bob Strike Back' begann er, seine Kultfiguren bereits dem Kommerz zu opfern.
Nun hat Smith 'Jersey Girl' realisiert, und man wundert sich während des Films immer mehr über den qualitativen Einbruch, der vom schrägen Talent seines Regisseurs kaum mehr was erahnen lässt und zusehends in peinlichste Sentimentalitäten abdriftet. Die Lösung offenbaren dann die ersten Sekunden des Nachspanns, in denen eine Widmung prangt: Kevin Smith hat diesen Film seinem geliebten Vater gewidmet, der offensichtlich während der Planungsphase zu 'Jersey Girl' verstorben ist. Angesichts dieses Vorfalles kann man die Rührseligkeiten um einen allein erziehenden Vater zwar einordnen, verstehen kann man Smiths Entwicklung deswegen trotzdem noch nicht so recht.
Ben Affleck und Jennifer Lopez, die während der Dreharbeiten noch ein Traumpaar waren, das kurz vor der Hochzeit stand, spielen in 'Jersey Girl' ein junges Paar, das der Geburt der ersten gemeinsamen Tochter entgegen sieht. Doch im Kreißsaal, kurz nachdem das Baby zur Welt gekommen ist, stirbt die Mutter. (Ironische Randnotiz – immerhin hielt die fiktive Beziehung zwischen Ben und Jen ein paar Monate länger als die im wirklichen Leben.) Der erfolgreiche Manager Affleck muss daraufhin zwischen der Erziehung seiner Tochter und seiner Karriere abwägen und entscheidet sich nach einem schwerwiegenden Misserfolg im Beruf schließlich für die kleine Gertie. Für den Rest des Filmes wird er versuchen müssen, sein Privatleben wieder auf die Reihe zu bekommen und sich endlich der wirklich wichtigen Dinge im Leben bewusst zu werden.
Genauso ausgelutscht und sentimental wie das klingt, ist auch leider der Film als Ganzes. Vom frischen, frechen Inszenierungsstil Smiths ist nur noch in ganz wenigen, kurzen Sequenzen etwas zu spüren. Sogar der mitunter eingestreute Humor kann sich selten mit den aus Smiths vorangegangenen Werken bekannten Kabinettstückchen messen und wirkt meist wie die netten, aber bis ins I-Tüpfelchen durchkalkulierten Hollywoodgags, die man in abgewandelter Form in tausenden belangloser Streifen präsentiert bekommt. Deswegen ist 'Jersey Girl' zwar im Vergleich mit manch anderen Hollywood-Banalitäten immer noch ein akzeptabler Unterhaltungsfilm, als Werk des Kultregisseurs von 'Mallrats' und des Erfinders von Jay & Silent Bob aber eine bitterböse Enttäuschung. Frank Brenner
USA 2004. Regie und Buch: Kevin Smith. Mit: Ben Affleck, Liv Tyler, George Carlin, Jason Biggs, Raquel Castro, Jennifer Lopez, Will Smith. 102 Min.
SAT.1, Montag, 25. Februar 2008, 20.15 Uhr
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