Michael Bay ist einer jener Hollywoodregisseure, die sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der wichtigsten Big Player der Traumindustrie gemausert haben.
Nach Filmen wie Armageddon und Pearl Harbor hat er seine Box-Office- und Blockbusterqualitäten eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dennoch lässt er es zumindest außerhalb seiner Filme langsam angehen, klotzt nicht mit Event-Filmen (wie dies seine Kollegen Ridley Scott und Steven Spielberg beispielsweise regelmäßig tun), sondern inszeniert nur alle paar Jahr einmal einen Film, bei dem es dann aber umso mehr kracht.
Die Insel will sich auf den ersten Blick nicht so recht ins Œuvre des Action-Fetischisten einreihen, zumal die Handlung dieses Mal wesentlich origineller, tiefsinniger und überzeugender ausgefallen ist als bislang von Michael Bay gewohnt.
Lincoln Six Echo und Jordan Two Delta sind unter den letzten Überlebenden der Menschheit, die nach der globalen Verseuchung in nicht allzu ferner Zukunft ihre Existenz in einer kühlen, hoch technologisierten Welt fristen. Tiere scheint es nicht mehr zu geben. Nur einige wenige auserwählte Menschen dürfen die abgeschirmte Umgebung verlassen, um auf der Insel, dem einzigen nicht verseuchten Fleckchen Erde, den Rest ihres Daseins zu verbringen. So heißt es jedenfalls. Doch Lincoln kommt dahinter, dass sie alle menschliche Klone sind, die nur darauf warten, als Ersatzteillager für ihre menschlichen „Besitzer” eines Tages ausgeschlachtet zu werden – die Beförderung auf die Insel bedeutet nichts anderes als den Tod. Gemeinsam mit Jordan gelingt Lincoln die Flucht in die Außenwelt.
Die zeitgemäße Science-Fiction-Story, die eine scharfe Kritik an der skrupellosen Wissenschaftshörigkeit der Menschheit darstellt, verarbeitet Ansätze, die in den 70er Jahren bereits von Robin Cook und Michael Crichton in dem grandiosen Film Coma thematisiert wurden. Auch Parallelen zu Steven Spielbergs Zukunftssaga Minority Report sind nicht von der Hand zu weisen.
Dennoch gelingt es Michael Bay hier ausgezeichnet, eine schlüssige, spannungsgeladene und geradlinig erzählte neue Variante über eine mögliche Zukunft der Menschheit abzuliefern. Freunde seiner Actionszenen kommen natürlich auch hier auf ihre Kosten, eine Highwayverfolgungsjagd mit lästigen Gegenständen auf der Fahrbahn wird dem Zuschauer sicher nachhaltig in Erinnerung bleiben.
Bay stellt sich mit diesem Film auf eine Stufe mit Roland Emmerich, dem es mit The Day After Tomorrow ebenfalls eindrucksvoll gelungen war, die Vorzüge des Hollywood-Entertainments mit einer nachdenklich stimmenden Story zu kombinieren. FB USA 2005 (The Island) Regie: Michael Bay. Mit: Ewan McGregor, Scarlett Johansson, Djimon Hounsou, Sean Bean, Michael Clarke Duncan, Steve Buscemi. 122 Min.
Pro7, Sonntag, 13. Januar 2008, 20.15 Uhr
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