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Hotel


Der österreichische Film ist in den Kinos nördlich der Alpen grotesk unterrepräsentiert. Für Abhilfe sorgt u.a. die Coop99, eine Gruppe österreichischer Filmschaffender, die „für Authentizität und individuelle Machart“ einstehen – und verstärkt auf deutsch-österreichische Koproduktionen setzen.

Auf das Drama Schläfer folgte der subtile Thriller Hotel von Coop-Mitglied Jessica Hausner, der auf der Diagonale 2005 als Bester Film ausgezeichnet wurde.

Hotel nimmt Anleihen bei Kubricks Shining, ist aber vor allem im Geiste eines David Lynch inszeniert: Die adrette Irene – nuanciert gespielt von Franziska Weisz – nimmt die Stelle der Rezeptzionistin eines renommierten Berghotels an, das in völliger Abgeschiedenheit in einem finsteren Wald steht, auf dem ein noch finstereres Geheimnis lastet: Hier nämlich verschwand Irenes Vorgängerin spurlos, deren Schicksal sich mit dem Irenes zu verweben droht.

Dunkle, alles verschluckende Flure und Wälder, eine bedrückende Einsamkeit wie auf Gemälden Edward Hoppers, dazu rätselhafte Vorkommnisse – Jessica Hausner entwirft auf unspektakuläre, aber wirkungsvolle Weise eine surreal anmutende Zeichenwelt, in der sich die etwas schüchterne, aber durchaus nicht unselbständige Protagonistin zunehmend verfängt. Sei es aus kindlicher Faszination am Unheimlichen oder eher aus Trotz gegenüber den feindseligen Kollegen – immer stärker scheint Irene den unheilvollen Einflüssen, die inner- wie außerhalb des Hotels auf sie lauern, nachzugeben. Auch wenn Jessica Hausner etwas mehr auf Handlung statt auf Atmosphäre hätte setzen sollen, verblüfft die Akkuratesse, mit der sie ihre stilistische Übung ausgeführt hat.

Großen Anteil an der mysteriösen Grundstimmung des Films haben die Leistungen der Ausstatter, Beleuchter und des Kameramannes Martin Gschlacht. MPH

A/D 2004. Regie und Buch: Jessica Hausner. Mit: Franziska Weisz, Birgit Minichmayr, Marlene Stree­ruwitz, Rosa Waissnix, Christopher Schärf, Peter Strauß, Regina Fritsch. 83. Min.

arte, Mittwoch, 30. Januar 2008, 22.45 Uhr

 

> FILMSTART-Thema: Franziska Weisz im Interview

> FILMSTART-Kritik: Schläfer

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