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Die Höhle des gelben Hundes – Eine Geschichte aus der Mongolei


Für so manchen Hollywood-Schauspieler wäre die Konstellation dieses Films das schlimmste anzunehmende Unheil: Die Hauptrollen werden von drei sich gegenseitig an Niedlichkeit überbietenden Kindern im Alter zwischen ein und sieben Jahren gespielt, eine weitere wichtige Funktion kommt einem jungen Hund zu, der das Herz der kindlichen Protagonistin und der Zuschauer gleichermaßen schnell erobert.

Dass es ein erwachsener Schauspieler schwer hat, gegen solch einnehmende Hauptdarsteller zu bestehen, hielt die mongolische Familie Batchuluun jedoch keineswegs davon ab, neben ihren Sprösslingen für den neuen Film von Byambasuren Davaa lediglich die zweite Geige zu spielen.

Die ebenfalls in der Mongolei geborene Regisseurin Davaa erregte mit dem zusammen mit ihrem Kommilitonen Luigi Falorni gedrehten Abschlussfilm der Filmhochschule in München, 'Die Geschichte vom weinenden Kamel', 2003 große Aufmerksamkeit. Die ausgeklügelte Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm wurde zu einem Arthaushit und schaffte es sogar zu einer Oscar-Nominierung. Auch wenn 'Die Höhle des gelben Hundes' nicht ganz an die poetische Kraft und mythologische Faszination seines Vorgängers heranreicht, ist der Regisseurin hier abermals ein in grandiosen Bildern eingefangenes Märchen gelungen, das ganz nebenbei dokumentarische Einblicke in das Leben der Nomaden gewährt.

Familie Batchuluun zieht mit ihrer Ziegen- und Schafherde durch die Mongolei. Die drei kleinen Kinder wachsen in den Weiten der Gras- und Berglandschaft und inmitten einer Vielzahl von Tieren auf und haben bereits eine erstaunliche Eigenständigkeit entwickelt. Als Nansal, die siebenjährige Tochter, für den Sommer von der Schule zu ihrer Familie zurückkehrt, findet sie in einer Höhle einen jungen streunenden Hund. Entgegen dem Willen ihres Vaters entschließt sich die Kleine dazu, ihren neuen Freund zu behalten.

Die einfache, schnell zusammengefasste Handlung lässt genügend Spielraum, um den Alltag nomadisierender Mongolen aus nächster Nähe beobachten zu können. Anders als in der Geschichte vom weinenden Kamel erzählt dieser Film nicht von Wanderfamilien in der Wüste Gobi, sondern aus dem Nordwesten des Landes, was sich klimatisch und landschaftlich sehr voneinander unterscheidet. Die ungemein natürlichen Darstellungen der drei Kinder schaffen es auf spielerische Weise, die mit einer alten mongolischen Erzählung untermauerte Geschichte voranzutreiben. Dazwischen sehen wir die Familie bei der Käsezubereitung, beim Häuten zweier gerissener Schafe oder beim routinierten Demontieren ihrer Jurte – dem Nomadenzelt. Da das traditionelle Nomadenleben auch in der Mongolei im Rückzug begriffen ist, ist es Byambasuren Davaa mit diesem Film auch gelungen, diesem Lebensstil gewissermaßen ein Denkmal zu setzen. Frank Brenner

D 2005. Regie und Buch: Byambasuren Davaa. Mit: Urjindorj Batchuluun, Buyandulam Daramdadi Batchuluun, Nansal Batchuluun, Nansalmaa Batchuluun, Batbayar Batchuluun, Tserenpuntsag Ish. 90 Min.

B3, Sonntag, 31. Mai 2008, 20.15 Uhr