Der Iran ist in den vergangenen Jahren nach dem Machtwechsel bei den letzten Präsidentenwahlen wieder ins Interesse der internationalen Staatengemeinschaft gerückt.
Nicht nur der Rückschritt zu einer traditionelleren und somit fundamentalistischeren Politik verbreitet zunehmend Angst und Unruhe, auch die Äußerungen des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, man werde sich wieder an die Entwicklung von Atomsprengköpfen machen, wurde von anderen Nationen mit Sorge zur Kenntnis genommen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Geschichte, die Angelina Maccarone in ihrem zweiten Kinofilm (nach 'Alles wird gut', 1998) erzählt, noch viel aktueller und in gewisser Hinsicht sogar prophetisch, da sich die darin geschilderten Ereignisse in Zukunft tatsächlich noch häufiger ereignen könnten als bisher.
Fariba Tabrizi ist aus dem Iran nach Deutschland geflohen, weil ihre lesbische Beziehung zu Shirin publik wurde und die junge Frau den willkürlichen und unbarmherzigen Angriffen der Obrigkeit entfliehen wollte. Als Asylsuchende wird sie zunächst mit einer ganzen Reihe anderer Flüchtlinge auf dem Stuttgarter Flughafen festgehalten. Aufgrund falscher Angaben droht ihr die Abschiebung. Siamak, den sie auf dem Flughafen kennen lernte, begeht wegen der aussichtslos erscheinenden Umstände Selbstmord. Fariba packt die Gelegenheit beim Schopf und tauscht mit dem jungen Mann die Identitäten – und bekommt eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung. Doch ohne Ausweis und Geld fangen die Schwierigkeiten erst an, die sich weiter zuspitzen, als sich eine Frau in „Siamak” zu verlieben beginnt, die diese für einen Mann hält.
'Fremde Haut' ist ein konfliktreich erzähltes Drama unserer Tage, bei dem die talentierte Regisseurin Angelina Maccarone stets den richtigen Ton trifft und mit erstaunlicher Verve geradlinig ihre Story verfolgt, jede Menge auf der Hand liegende Problemstellungen aufgreift und ihre sympathische Hauptfigur dabei nie aus den Augen verliert.
Jasmin Tabatabai liefert in dieser fordernden, vielschichtigen Rolle eine makellose, preiswürdige Glanzleistung, welche die talentierte Schauspielerin aufs Neue als eine der besten ihrer Generation ausweist. Nicht nur ihr burschikoses Äußeres, sondern eine bis ins Detail stimmige Aneignung männlicher Verhaltensweisen prädestinieren Tabatabai geradezu für diesen Part. Maccarone gelingt es darüber hinaus, den Spannungsbogen ihrer Geschichte stets aufrecht zu halten. In ihrer Inszenierung hat sie sich bewusst dazu entschieden, viele wichtige Momente der Handlung und Aussprachen zwischen den Protagonisten nicht zu zeigen, um damit dem Zuschauer die Interpretation anhand der folgenden Szenen selbst zu überlassen. Ein viel versprechender Film, der zudem eine brisante, viel zu selten filmisch aufbereitete Thematik intelligent bearbeitet. Frank Brenner D/A 2005. Regie: Angelina Maccarone. Mit: Jasmin Tabatabai, Anneke Kim Sarnau, Hinnerk Schönemann, Navid Akhavan, Jens Münchow, Jevgenij Sitochin. 97 Min.
ARD, Sonntag, 6. April 2008, 0.00 Uhr
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