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Der Exorzismus der Emily Rose


Anfang der 70er Jahre sorgte William Peter Blatty mit seinem Weltbestseller „Der Exorzist“ über eine nervenaufreibende Teufelsaustreibung für einen langfristigen Boom im Horrorgenre.

Schon kurz danach verfilmte William Friedkin auf kongeniale Weise den differenzierten Roman und konnte seinerseits einen kontrovers diskutierten Kassenerfolg für sich verbuchen. Nur wenige Jahre später führte ein katholischer Priester in einem beschaulichen bayerischen Dorf mit Segen der Kirche an einer jungen Frau einen Exorzismus durch, der im Tod des Mädchens resultierte. Von diesen wahren Begebenheiten inspiriert, hat sich Horrorfilmveteran Scott Derrickson nun an eine Wiederbelebung des Exorzismus-Genres gewagt – und einen erstaunlich tiefgründigen Film zum Thema vorgelegt.

Die Handlung setzt mit dem Tod von Emily Rose ein, der zur Verhaftung des Priesters Richard Moore führt, dem durchführenden Exorzisten. Zur Verteidigung bestellt die Erzdiözese Erin Bruner, eine Top-Anwältin mit steigender Reputation. Ihr Kontrahent, Ethan Thomas, Staatsanwalt im Namen des Volkes, ist zutiefst gläubig, teilt aber als Methodist nicht die katholischen Vorstellungen von Besessenheit und Dämonenaustreibungen. In der im Folgenden aufgerollten Gerichtsverhandlung, bei der mittels Rückblenden das Schicksal der Emily Rose geschildert wird, geht es schließlich um die Frage, ob Emily schwer krank oder tatsächlich von Dämonen besessen war und ob Pater Moore sich der fahrlässigen Tötung zu verantworten hat.

In den letzten dreißig Jahren nach Friedkins naturalistisch-krasser Blatty-Verfilmung wurde das Kino von einer Unzahl an Filmen über Besessenheit und Exorzismen überrollt – allein die offiziellen Fortsetzungen des Blockbusters rufen schon Magenkrämpfe hervor. Scott Derrickson ('Hellraiser: Inferno') indes hat sich für einen anderen Weg entschieden. Sein Film ist aufgrund der ausladenden Gerichtsszenen kein reiner Horrorstreifen mehr, und die Szenen der sich teuflisch gebärenden Jennifer Carpenter als Emily Rose erinnern eigentlich nur noch peripher an das große Genrevorbild Linda Blair.

Indem sich der Regisseur zu einer durchweg glaubwürdigen Darstellung der Ereignisse entschlossen hat, gewinnt er dem bereits zur Genüge abgehandelten Thema in der Tat noch neue Aspekte ab. Das Duell der beiden Juristen vor Gericht läuft letzten Endes auf ein kritisches Abwägen von Fakten und Möglichkeiten hinaus, deren Interpretation zu weiten Teilen dem Publikum selbst überlassen bleibt. Egal, ob man die Ereignisse als gläubiger Christ, als bedachter Rationalist oder als aufgeschlossener Agnostiker verfolgt, Derricksons Film bietet allen Zuschauern dank einer geschickt ausgetüftelten und spannungsvoll in Szene gesetzten Story einen gelungenen Kinoabend. Frank Brenner

USA 2005 (The Exorcism of Emily Rose) Regie: Scott Derrickson. Mit: Laura Linney, Tom Wilkinson, Campbell Scott, Jennifer Carpenter, Colm Feore, Mary Beth Hurt. 120 Min.

Pro7, Sonntag, 20. April 2008, 20.15 Uhr