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C.R.A.Z.Y. – Verrücktes Leben


Zachary ist schon als Kind anders als seine drei größeren Brüder. Doch seine weiche Seite wird von seinem geliebten Vater dermaßen verdammt, dass er sie auch vor sich selbst zu unterdrücken lernt. Im Laufe der Jahre gerät Zac häufig mit seinem ältesten Bruder Raymond aneinander, einem raubeinigen Junkie. Opulente Familiengeschichte.

Die zentralen Motive von 'Populärmusik aus Vittula', der Verfilmung des erfolgreichen Romans durch Reza Bagher, finden sich auch allesamt in Jean-Marc Vallées 'C.R.A.Z.Y. – Verrücktes Leben' wieder. Hier wie dort wird eine ausladende Familiengeschichte erzählt, die in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt ist, und in deren Mittelpunkt ein heranwachsender Junge steht, dessen Leben sich ausnahmslos um Musik, seine Familie und seine eigene sexuelle Verwirrung zu drehen scheint.

Jean-Marc Vallées Film erreicht dabei trotz einiger kleinerer Durchhänger eine größere Geschlossenheit und ebenso einen höheren Unterhaltungswert als Baghers Literaturverfilmung. In Kanada, dem Ursprungsland von 'C.R.A.Z.Y.', war der Film bei der nationalen Filmpreisverleihung der große Abräumer und ging sogar um den Auslands-Oscar ins Rennen.

Wie rote Fäden ziehen sich gleich eine ganze Reihe von dramaturgischen Einfällen durch die Handlung. So hegt der Vater beispielsweise ein Faible für eine seltene Importplatte von Patsy Cline oder liebt es, eine Schnulze Charles Aznavours bei Familienfesten als Karaoke-Version zum Besten zu geben. Eine ähnliche leitmotivische Funktion kommt dem Telefon zu, über das Verwandte Zachary immer wieder auffordern, seine spirituelle Heilungsgabe einzusetzen, wenn sich jemand verbrannt oder geschnitten hat. In einer wunderbar aufgelösten Einstellung treffen am Ende des Films diese beiden Ansätze in einem schicksalhaften Moment aufeinander. Jungstar Marc-André Grondin durchlebt als Zachary die verschiedensten Formen von Moden und Trends, um letztendlich seinen Selbstfindungsprozess erfolgreich abschließen zu können. Auf dem Weg dorthin begeht er so manchen Fehler, der seine realitätsnah gezeichnete Figur beim Zuschauer aber nur noch sympathischer macht. Die beeindruckendste Darstellung liefert indes der kanadische Theaterstar Michel Côté, der als Vater nicht nur glaubwürdig im Laufe des Films 20 Jahre altert, sondern auch die charakterlichen Entwicklungen aufrichtig verkörpert. Frank Brenner

CDN 2005 (C.R.A.Z.Y.) Regie: Jean-Marc Vallée. Mit: Michel Côté, Marc-André Grondin, Danielle Proulx, Émile Vallée, Maxime Tremblay, Pierre-Luc Brillant, Alex Gravel. 127 Min.

Tele5, Donnerstag, 29. Mai 2008, 20.15 Uhr