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Die Brautjungfer


Seit annähernd 50 Jahren dreht er Film auf Film und hat unter seinen knapp 70 realisierten Werken eine Menge Klassiker hervorgebracht.

Claude Chabrol ist eine lebende Regielegende, seit einigen Jahren der ultimative französische Nachfolger Hitchcocks, der in seinen Filmen die Abgründe der Menschen bloßlegt, besonders gern die der betuchten Bourgeoisie.

Da zeigt er uns zunächst die gut gewahrte Fassade, die nach und nach zu bröckeln beginnt und schließlich die tatsächlichen Zustände offenbart: nicht selten haben die feinen Herrschaften eine Leiche im Keller. Zuvor hatte Chabrol dieses eingespielte Filmmuster in Die Blumen des Bösen zelebriert, ein Film, der es deutlich am einstigen Biss des süffisanten Gesellschaftssezierers mangeln ließ und zu sehr in Routine gefangen war.

Die Brautjungfer wartet zwar mit gleich vier der Protagonisten des Vorgängerfilmes auf, ist aber ein mit Abstrichen gelungener Chabrol-Film. Als Vorlage hat sich der Altmeister wieder einmal bei einem Roman der britischen Bestsellerautorin Ruth Rendell bedient, deren „A Judgement in Stone” Chabrol 1995 unter dem Titel Biester verfilmte.

Philippe lernt auf der Hochzeit seiner jüngeren Schwester Senta kennen, die Kusine des Bräutigams, die als Brautjungfer fungiert. Zwischen den beiden entbrennt eine kompromisslose Liebe, bis Senta schließlich von Philippe als Liebesbeweis fordert, dass er einen Menschen tötet. Wann endet das Spiel, wann beginnt die Wirklichkeit, welche Mysterien kann bedingungslose Liebe bereithalten?

Der Meister bleibt also einmal mehr bei seinem Leisten. Dass es hier wieder etwas besser funktioniert, liegt zum einen an der undurchsichtigen, rätselhaften Geschichte, die die Spannung auf weite Strecken am Köcheln hält. In Laura Smet, der Tochter des Schauspielerpaars Nathalie Baye und Johnny Hallyday, hat Chabrol eine passende Darstellerin für seine mysteriöse Titelrolle gefunden.

Auch die weiteren Schauspieler, von Benoît Magimel über Aurore Clément bis hin zu Michel Duchaussoy sind überzeugend besetzt und treiben die Handlung mit Leichtigkeit voran, ohne dass Langeweile entstehen würde. Dennoch überschlagen sich am Ende die Unwahrscheinlichkeiten, bis wir mit einem faulen Kompromiss aus dem Kriminalplot entlassen werden und sich herausstellt, dass es Chabrol mal wieder nur um das Ausloten der zwischenmenschlichen Rätselhaftigkeiten ging. Wem’s genügt, wird sicherlich auch dieser Film gefallen. FB

F/D 2004 (La Demoiselle d’honneur) Regie: Claude Chabrol. Mit: Benoît Magimel, Laura Smet, Aurore Clément, Bernard Le Coq, Solene Bouton, Anna Mihalcea, Isolde Barth, Michel Duchaussoy. 110 Min.

ZDF, Montag, 28. Mai 2007, 0.20 Uhr

 

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