2002 hatte Doug Liman mit der Verfilmung des weltweiten Robert-Ludlum-Bestsellers Die Bourne Identität einen unerwarteten Kassenschlager inszeniert.
Der Thrillerspezialist Ludlum hatte einst aus seinem Roman einen dreiteiligen Zyklus entwickelt, der sich mit der Identitätsfindung des Auftragskillers Jason Bourne auseinandersetzte. Deswegen musste nach dem Sensationserfolg der ersten Verfilmung möglichst schnell auch das zweite Buch („Das Bourne Imperium”) adaptiert werden. Liman stand so schnell nicht wieder zur Verfügung, weswegen er hier nur als ausführender Produzent fungierte und die Regie an den für Bloody Sunday preisgekrönten Paul Greengrass abtrat.
Auch unter Greengrass hat die Fortsetzung die gleichen Vorzüge aufzuweisen, die schon den Erfolg des Vorgängerfilms ausmachten. Mit pulsierenden Handkameraaufnahmen, atemlosen Spannungssequenzen und knallharten, handgemachten Actionszenen stellen die Bourne-Filme einen klaren Gegenentwurf zu den damals noch aktuellen, durchgestylten James-Bond-Abenteuern mit Pierce Brosnan dar.
Die Handlung beginnt im indischen Goa, wo Bourne mit seiner Fluchthelferin Marie aus Teil 1 noch immer nicht sicher ist vor seinen ihm unbekannten Verfolgern. Wie schon in Blow fungiert Franka Potente hier nur noch als Love Interest des Hauptdarstellers, bevor sie schon in den ersten Filmminuten das Zeitliche segnet.
Doch mit ihrem Tod kommt Schwung in die Geschichte, die den unter Amnesie leidenden Bourne über Neapel, München und Berlin bis nach Moskau führt und ihn dabei seiner wahren Identität einen großen Schritt näher bringt. Gejagt wird er dabei von russischen Agenten, aber auch vom CIA, weil dieser aufgrund einer geschickt gelegten falschen Fährte Bourne für den Mörder von zwei seiner Männer hält.
Greengrass versteht es ebenso gut wie sein Vorgänger Doug Liman, das Aufeinandertreffen der Kalter-Kriegs-Gegner im „alten Europa” mit Tempo, jeder Menge Action und beachtlicher Spannung in Szene zu setzen. Trotzdem bleibt noch genügend Spielraum, um auch die Entwicklung der Hauptfigur psychologisch glaubwürdig zu vertiefen.
Matt Damon spielt den Mann auf der Suche nach seiner Vergangenheit mit einer überzeugenden Reife, die es ihm auch ermöglicht, dessen Selbstzweifel plausibel zu vermitteln, als er hinter unliebsame Details seiner früheren Identität gelangt. Unter diesen Bedingungen kann man nur hoffen, dass auch die Adaption des dritten und letzten Bourne-Romans „Das Bourne Ultimatum”, der im September 2007 in unseren Kinos starten soll, die Erwartungen erfüllen kann. FB
USA 2004 (The Bourne Supremacy) Regie: Paul Greengrass. Mit: Matt Damon, Franka Potente, Brian Cox, Julia Stiles, Karl Urban, Joan Allen, Gabriel Mann. 120 Min.
RTL, Sonntag, 15. April 2007, 20.15 Uhr
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