Der Mann steht im Wald, mit der Axt in der Hand, macht Holz und hackt und wütet.
Bierbichler hat Respekt vor den Malochern. Und Schauspieler gehören weiß Gott nicht dazu. Doch zog es den erdverbundenen Bayern schon früh fort von Vaters Hof zur Bühne. Dort konnte er spielen und rebellieren, gegen Katholiken und Apartheid.
Noch besser gelang dies im Film, für den ihn schon bald Werner Herzog und Herbert Achternbusch entdeckten, mit denen er auch mal einen trank, „um ins Denken zu kommen“. Mehrmals wird der wuchtige Bayer Schauspieler des Jahres, erhält den Adolf-Grimme-Preis und den Deutschen Filmpreis. Bis er eines Tages an die Grenzen des Theaters stößt und der Institution vorwirft, sie würde sich vom Ganzen lösen und zugleich vorgeben, ein Teil davon zu sein. „Ich mag mich nicht mehr verstellen. (…) Ich möchte noch einmal mit mir allein ich selbst sein.“ Und so scheint es nur konsequent, dass Bierbichler schließlich die Axt auf die Bühne holt: „Holzschlachten. Ein Stück Arbeit“ heißt sein Stück, in dem er Texte eines reumütigen und eines uneinsichtigen Nazis rezitiert – und Holz hackt.
Regisseurin Regina Schilling vollzieht chronologisch den spannenden Weg Bierbichlers vom Holz hacken zum Holz schlachten nach und führte dazu Gespräche mit dem Künstler und seinen Weggefährten. Ergänzt werden die Interviews von Ausschnitten seiner Bühnen- und Filmauftritte und von Videoeinspielungen, die Bierbichler selbst gefilmt hat und in denen er über Gott, die Welt und barbarische TV-Macher reflektiert. Insgesamt liefert Schilling damit ein vielschichtiges und äußerst interessantes Porträt eines eigensinnigen Künstlers und Querdenkers. Hartmut Ernst
D 2007. Regie und Buch: Regina Schilling. Mit: Josef Bierbichler. 90 Min.
BR, Samstag, 26. April 2008, 20.15 Uhr
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