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Between the Lines - Indiens drittes Geschlecht


Eunuchen kennt der durchschnittlich bewanderte Film- und Fernsehgucker aus orientalischen Märchengeschichten. Dort bewachen die Wesen mit den hohen Stimmen den Harem der Herrscher.

Damit sie nicht selbst in Versuchung geraten, wird ihnen ihre Männlichkeit genommen. Das ist die einzige Gemeinsamkeit, die sie mit den Eunuchen in Indien teilen, deren Leben ansonsten weniger privilegiert verläuft.

Der Dokumentarfilmer Thomas Wartmann dringt in das Leben der abgeschotteten Gemeinschaften ein, indem er sich eines dramaturgischen Kniffs bedient, der anfangs etwas angestrengt wirkt, sich letztlich aber als überzeugend erweist. Die Kamera folgt der Fotografin Anita Khemka, die ebenfalls das Leben der Eunuchen erforscht. Da Khemka eine moderne und selbstbewusste indische Frau ist, stellt sie Fragen, die auch ein westliches Publikum stellen würde – was den Zugang zum Thema sehr erleichtert.

Aus den Berichten und Beobachtungen dreier Protagonisten entsteht nach und nach ein Bild, das Wartmann zum Filmtitel Between the Lines verdichtet. Er bezieht sich dabei auf den Ausspruch eines seiner Protagonisten: „Wir sind die nicht ausgesprochenen Wörter zwischen den Zeilen.“ Will heißen: weder Mann noch Frau, wenn auch mit einer starken femininen Seite.

Die Eunuchen existieren am Rande der Gesellschaft und verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit Bettelei, Prostitution und Segnungen, die sie gegen Geld aussprechen. Der Film spart harte Details in den Biografien der Menschen nicht aus, wirkt gelegentlich aber ein wenig zu bunt-folkloristisch. Es kommt etwas zu kurz, dass das Eunuchenwesen nicht nur etwas mit sexuellen Präferenzen zu tun hat. Kastration ist in einem nach wie vor bitterarmen Land wie Indien eine Möglichkeit, sich eine Existenz aufzubauen, so bescheiden und prekär die auch sein mag. VM

D/IND 2005. Regie und Buch: Thomas Wartmann. Buch: Dorothea Rieker. Mit: Anita Khemka, Asha, Rhamba, Laxmi. 95 Min.

arte, Dienstag, 22. Januar 2008, 22.35 Uhr

 

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