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Before Sunset


Zwei junge Menschen, ein Amerikaner und eine Französin, treffen sich zufällig in einem Zugabteil und verbringen zusammen einen einzigen Tag in Wien.

Die beiden führen lang anhaltende Gespräche, verknallen sich ein wenig ineinander und verabschieden sich am nächsten Morgen nach einer gemeinsamen Liebesnacht in einem Park mit dem Versprechen, sich in einem halben Jahr am gleichen Ort wieder zu treffen.

So geschehen in Richard Linklaters Arthaus-Erfolg Before Sunrise, der im Jahr 1994 unter anderem den Silbernen Bären der Berlinale gewann. Nicht nur die Kinozuschauer, sondern auch die beiden Figuren aus dem Film, Jesse und Céline, mussten weit länger als ein halbes Jahr auf ein Wiedersehen warten – dieses Sequel setzt in der Tat ganze neun Jahre nach dem ersten Film an.

Jesse hat ein Buch über den damaligen One-Night-Stand geschrieben und befindet sich am Ende seiner Lesetournee in Paris. Dort entdeckt er, kurz vor seinem Rückflug nach New York, eben jene Céline. Das Wiedersehen der beiden wird zu einer Rekapitulation der Ereignisse von Wien, dieses Mal vor der Kulisse der französischen Hauptstadt.

Wie schon sein Vorgängerfilm kann auch Before Sunset auf ein ausgezeichnetes Drehbuch mit authentischen Dialogen zurückgreifen, die in ihrer Unbekümmertheit geradezu frei improvisiert wirken, aber dennoch eine Tiefe erreichen, die man in manch anderem Film vergeblich sucht. Linklater verfasste zusammen mit seinen beiden Hauptdarstellern Ethan Hawke und Julie Delpy dieses Drehbuch, was sicherlich viel dazu beigetragen hat, dass die Unterhaltungen über Gott und die Welt, die Dinge, die sich bei den beiden in den letzten neun Jahren abgespielt haben und über ihre Gefühle einst und jetzt, so glaubwürdig und lebensnah wirken. Volle eineinhalb Stunden den Gesprächen zweier junger Erwachsener zu lauschen, klingt eher nach Theater als nach Film. Aber Linklater gelingt es erneut, aus der begrenzten Zeit, dem begrenzten Raum und der Reduktion auf lediglich zwei Protagonisten das Interesse uneingeschränkt aufrecht zu halten. Den sympathischen Darstellungen durch Hawke und Delpy kommt dabei ebenfalls ein entscheidender Stellenwert zu.

Man braucht natürlich keineswegs die Vorkenntnisse des ersten Films, da sich alles zum Verständnis Notwendige auch aus Before Sunset erschließt. Dennoch ist es ratsam, auch den Vorgängerfilm gesehen zu haben, weil man dann die beiden Figuren bereits kennt und höchstwahrscheinlich in sein Herz geschlossen hat und somit aus dieser bezaubernden, unaufwändigen, aber überaus einnehmenden Fortsetzung sicherlich einen noch größeren Unterhaltungswert schlagen dürfte. FB

USA 2003. Regie: Richard Linklater. Mit: Ethan Hawke, Julie Delpy, Vernon Dobtcheff, Louise Lemoine Torres, Rodolphe Pauly, Marianne Plasteig. 80 Min.

Tele5, Donnerstag, 18. Oktober 2007, 20.15 Uhr

 

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