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Barfuss


Sie läuft ständig ohne Fußbekleidung durch die Gegend und ist vollkommen fasziniert von alltäglichen Vorgängen wie dem Entwerten eines Fahrscheins im Bus.

Seit Nick sie in der Toilette des Irrenhauses davon abgehalten hat, Selbstmord zu begehen, weicht Leila diesem nicht mehr von der Seite. Leila hat unerlaubt die Anstalt verlassen und ist Nick bis nach Hause gefolgt. Nun hat er seine liebe Not mit der jungen Frau, die isoliert von ihrer Umwelt aufwuchs und deswegen mit einer kaum zu übertreffenden Weltfremdheit und Naivität an alles heran geht, was jenseits ihres äußerst beschränkten Horizonts angesiedelt ist. Nick, der völlig abgebrannt gerade wieder einen Job verloren hat und deswegen zur Hochzeit seines Bruders fahren will, um sich bei seinem Stiefvater, einem unsympathischen Unternehmer, einzuschleimen, nimmt Leila kurzerhand mit auf die Reise zu seinen Verwandten.

Til Schweiger, der nach 'Der Eisbär' hier seinen ersten Film vorlegte, den er gänzlich in Eigenregie gedreht hat, spielt in seinen Hollywood-Blockbustern immer wieder wortkarge Fieslinge, um sich damit in seinem Heimatland Filmprojekte ermöglichen zu können, für die eine Finanzierung ansonsten eher fraglich wäre.

'Barfuss' ist eine Mischung aus Charakterstudie und Typenkomödie, die in die Fußstapfen von Barry Levinsons 'Rain Man' tritt. Genau wie Dustin Hoffmans Raymond Babbitt ist auch Johanna Wokaleks Leila eine überaus liebenswerte Person, die unter ihrer Introvertiertheit leidet, aber aufgrund ihrer fehlenden Sozialisation den Kontakt mit anderen Menschen scheut. Johanna Wokalek, die bislang vorwiegend Theater spielte, beeindruckt in einer fordernden Rolle, und versteht es vor allem im letzten Drittel, das Seelenleben ihrer Figur auf subtile Weise herauszustellen.

Schweiger hat seinen Film in surreal wirkenden Brauntönen inszeniert, in denen kräftige Farben keine Chance zu haben scheinen. Kennzeichnend dafür ist auch das „Ich sehe was, was Du nicht siehst”-Spiel, das Nick mit Leila zum Zeitvertreib während der Fahrt spielt: Die beiden sehen jeweils nur braune und schwarze Dinge. Diese schon ins Kafkaeske gleitende Stimmung, die durch eine ausgezeichnete Kameraarbeit Christof Wahls betont wird, erhält durch merkwürdige Anachronismen weitere Impulse, die sich dem Zuschauer allerdings nicht so recht erschließen wollen. An der Ausstattung gemessen wähnt man sich abwechselnd in den 50er oder 80er Jahren, nur gelegentlich gibt es Einstellungen, die tatsächlich in unserer Zeit angesiedelt sein könnten. Dieser interessante Kunstgriff weckt freilich eine Neugier, dessen Befriedigung der Film nicht erbringen kann, weil er eine Erklärung schuldig bleibt. 'Barfuss' ist sicherlich kein Meisterwerk geworden, stellt im Bereich des deutschen Starkinos aber immerhin einen diskussionswerten, ästhetisch ansprechenden Beitrag dar. Frank Brenner

D 2004. Regie: Til Schweiger. Mit: Til Schweiger, Johanna Wokalek, Michael Mendl, Nadja Tiller, Steffen Wink, Michael Gwisdek. 108 Min.

SAT1, Montag, 14. April 2008, 20.15 Uhr

 

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