Nur wenigen Deutschen gelingt es wirklich, sich in Hollywood einen Namen zu machen und dort über Jahrzehnte hinweg zu den produktivsten Köpfen zu gehören. Der in Frankfurt am Main geborene Komponist Hans Zimmer hat es geschafft – seit über 20 Jahren sind seine Melodien aus internationalen Kinoproduktionen nicht mehr wegzudenken.
Der Oscar, den er sich für den Disney-Zeichentrickfilm König der Löwen ins Regal stellen konnte, war 1995 der Höhepunkt einer Karriere, die in Filmkomponistenkreisen ohnehin ihresgleichen sucht. Von 1989 bis 1998 gewann er zehn Jahre in Folge den BMI Film & TV Award, eine der renommiertesten Auszeichnungen der großen, weltweit aktiven Musikverwertungsgesellschaft Broadcast Music Incorporated.
Den Preis ihres amerikanischen Pendants, den ASCAP Film and Television Music Award, hat Zimmer in den letzten fünf Jahren für acht seiner Filmkompositionen entgegen nehmen dürfen, u.a. für die Blockbuster Gladiator, Last Samurai mit Tom Cruise oder den Zeichentrickspaß Große Haie – kleine Fische der DreamWorks Studios.
Neben seinen Engagements für Filme wie Pearl Harbor oder King Arthur und zahlreiche weitere weltweit erfolgreiche Actionfilme findet Zimmer auch immer wieder die Zeit, Kinderfilme zu vertonen: „Musik für einen Actionfilm zu schreiben, ist eigentlich sogar wesentlich langweiliger als für einen Kinderfilm zu komponieren. Ich habe durch meine eigenen Kinder herausgefunden, dass man nicht auf das vermeintliche Niveau der jüngeren Zuschauer hinunterschreiben darf. Man muss den größtmöglichen Respekt für sie aufbringen, weil deren Probleme manchmal sogar noch größer sind als die von Erwachsenen. Außerdem bin ich selbst immer noch nicht erwachsen geworden.“
Gefragt nach seiner enormen Produktivität, die es ihm ermöglichte, in den vergangenen 20 Jahren für über 100 Filme die Musik zu komponieren, antwortet Zimmer: „Ich schlafe nie… ich bin ein absoluter Workaholic, weil mir meine Arbeit noch immer so einen enormen Spaß macht und mir immer wieder etwas Neues einfällt. Außerdem hilft mir der Druck der Deadline enorm weiter, weil ich immer auf den letzten Drücker arbeite. Meine Produzenten müssen bei mir starke Nerven haben.“
Einer der vielen, die gerne bereit sind, in der Zusammenarbeit mit Zimmer Nerven zu investieren, ist der britische Erfolgsregisseur Sir Ridley Scott. An insgesamt neun Projekten haben die beiden bisher zusammen gearbeitet. Filme, die allein in den USA an den Kinokassen zusammen über 600 Millionen Dollar eingespielt haben. Zimmer: „Ich verstehe mich gut mit meinen Regisseuren – ich arbeite ja auch eigentlich immer mit den gleichen Leuten zusammen, und wir kennen uns in der Regel schon ganz gut.“
Auffällig ist, dass Hans Zimmer seine Filmthemen häufig mit anderen Musikern gemeinsam komponiert. Die Karrieren von Lisa Gerrard oder Klaus Badelt kamen erst richtig in Gang, nachdem sie bei „Mentor“ Zimmer in die Lehre gegangen waren. „Ich wollte eigentlich nie in diese Mentor-Position hineingeraten… wahrscheinlich hängt das nun auch mit meinem Alter zusammen [Dabei wird Hans Zimmer am 12. September erst 49 Jahre alt, die Red.]. Aber ich habe immer gern mit anderen Musikern zusammen gearbeitet. Wenn man immer nur alleine zu Hause sitzt und schreibt, wird man schnell einsam. Da sich meine Karriere irgendwie schneller entwickelt hat als deren Karriere, kam dann die Idee vom Mentor hinzu, die habe ich nicht selbst erfunden.“
Angefangen hatte übrigens alles mit der Synthie-Pop-Band „The Buggles“, die 1979 mit dem Hit „Video Killed the Radio Star“ in Großbritannien auf Platz 1 in den Charts standen. Heute bezeichnet der Hollywoodkomponist das als „Jugendsünden“, doch die Band hat mit dem dazugehörigen Video, in dem Hans Zimmer am Synthesizer zu sehen ist, ohne Zweifel Musikgeschichte geschrieben: Es war seinerzeit das erste Musikvideo, das auf dem neu gegründeten Musikfernsehsender MTV ausgestrahlt wurde. „Wir hatten uns das damals so vorgestellt, dass es eines Tages nicht nur Musik geben würde, sondern eben auch solche Videos. Und jeder hat uns damals gesagt – Ihr spinnt wohl! Zwei Jahre später gab es das dann tatsächlich! Das war natürlich Zeitgeist… wir haben gewusst, dass so etwas kommen würde und wir haben darüber geschrieben.“
Einen guten Riecher für den Zeitgeist hat Hans Zimmer im Laufe der beiden folgenden Dekaden noch des Öfteren bewiesen und aktuell beweist er ihn sogar im Doppelpack: Sowohl Ron Howards Bestseller-Verfilmung The Da Vinci Code: Sakrileg als auch die Blockbusterfortsetzung Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2 mit Johnny Depp, der am 27. Juli in unseren Kinos starten wird, sind mit den Tönen des gebürtigen Frankfurters unterlegt. FB
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