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Transamerica-Star Kevin Zegers im Gespräch


Kevin Zegers hat seit seinem 6. Lebensjahr zahlreiche Kinder- und Jugendfilme (Die Schatzinsel, Air Bud-Filmreihe) gedreht. Im FILMSTART-Interview spricht der talentierte Mime über seine Rolle im Independent-Film Transamerica, seinem Durchbruch zum ernsthaften Schauspieler.

Betrachtet man Deine Karriere als ehemaliger Kinderstar und Teenie-Idol, scheint Transamerica Dich nun als erwachsenen Schauspieler zu fordern. Hast Du die Rolle bewusst ausgewählt, um Dein Image zu ändern?

Ja, das war in der Tat so. Ich habe im Laufe meiner Karriere eine ganze Menge Kinderfilme und Ähnliches gemacht – und ich denke, ich hätte damit auch noch eine ganze Zeit gutes Geld verdienen können. Aber irgendwann will man ja auch mal herausfinden, was man als Schauspieler wirklich leisten kann. Die Filme, die ich bislang gedreht habe, waren auf ihre Weise natürlich auch Herausforderungen. Aber ich bin ein Mensch, der sich weiterentwickeln und etwas Neues ausprobieren möchte. Außerdem musste ich mir selbst und auch anderen Leuten irgendwann mal beweisen, dass ich ein professioneller, erwachsener Schauspieler bin, der auch anspruchsvollere Rollen übernehmen kann. Transamerica war da das perfekte Drehbuch für mich, deswegen habe ich auch sehr hart darum gekämpft, die Rolle in diesem Film zu bekommen.

Die Hauptfigur in Transamerica ist eine transsexuelle Frau. Hast Du Dich vor den Dreharbeiten mit transsexuellen Menschen getroffen?

Nein, ich habe mich bewusst dagegen entschieden. In Toronto und in New York habe ich mich aber mit einer Menge Straßenkindern und Strichern getroffen. Hauptsächlich, weil ja auch meine Figur so gut wie nichts über Transsexualität weiß, habe ich meine Recherchen eher in diese Richtung gelenkt. Mir schien es folgerichtiger, möglichst bis zum Abschluss der Dreharbeiten sozusagen „unwissend“ zu bleiben. Und das war gar nicht so einfach, denn im privaten Kontakt und den Gesprächen mit meiner Kollegin Felicity Huffman war es ja unvermeidlich, eine Menge über Transsexualität dazuzulernen. Da hatte ich dann immer im Hinterkopf, dass ich den ganz normalen „Lerneffekt“ möglichst vermeiden, also so ignorant wie irgend möglich sein musste [lacht]. Das war eine schwierige Situation für mich, doch mittlerweile weiß ich natürlich eine ganze Menge über Transsexuelle, und jetzt darf ich das ja auch.

Also hast Du für den Film eine Art Undercover-Recherche im Stricher­milieu betrieben?

Genau, jede Menge. Denn bis zu diesem Zeitpunkt habe ich Homosexualität ja immer nur mit L.A. in Verbindung gebracht, und über Prostitution im Homosexuellenmilieu wußte ich schon gar nichts. Da waren also noch viele Fragen offen. Zum Beispiel musste ich erstmal lernen, wie ein Freier in der Realität auf einen Stricher zugeht, das heißt, wie sowas im echten Leben abläuft. Schade, dass die meisten Szenen, die wir dann gedreht haben und die mich bei sowas zeigen, im Film gar nicht mehr vorkommen. Jede Menge von dem Material, das in New York aufgenommen wurde, wurde am Ende rausgeschnitten. Ich glaube, vor allem deshalb, weil der Film durch zu viele solcher Szenen einen zu kühlen und deprimierenden Anfang bekommen hätte.

Seit Deinen Tagen als Grundschüler bist Du Schauspieler gewesen. Was möchtest Du in Deiner weiteren Karriere noch erreichen. Hast Du bestimmte Rollenwünsche oder Ziele?

Ich glaube, im Moment ist es mein größter Wunsch, eine Familie zu gründen. Ich weiß nun endlich auch, dass Schauspieler zu sein tatsächlich mein Berufswunsch ist. Deshalb will ich jetzt vor allem in meinem Beruf gute Arbeit leisten, um damit eine Familie ernähren zu können. Dabei gibt es gar nichts Bestimmtes, was ich gerne mal spielen würde. Ich möchte ganz einfach gute Rollen in guten Filmen spielen.

Hast Du die Befürchtung, nach dem Start von Transamerica zu einer Schwulenikone zu werden inklusive der entsprechenden Rollenangebote?

Naja, wenn das passieren sollte, passiert es eben. Ich muss aber mal klarstellen, dass Transamerica ja nicht nur die Schwulen oder Transsexuellen in der Bevölkerung ansprechen möchte. Es kann natürlich sein, dass diese Gruppe sich vom Thema stärker angezogen fühlt, aber generell geht es für mich im Film ganz einfach um Menschen, die sich in einem bestimmten Entwicklungsstadium als Außenseiter der Gesellschaft fühlen… Und der Film macht für mich deutlich, dass es keinerlei Rolle spielt, wer oder was du bist, an was du glaubst oder was du tust – es gibt immer jemanden da draußen, der dich lieben kann. FB