Paul Walker, der gut aussehende und durchtrainierte Star aus Kassenschlagern wie The Fast and the Furious oder Into the Blue ist momentan mit zwei Filmen in unseren Kinos vertreten. Im FILMSTART-Interview spricht er über diese unterschiedlichen Rollen und über seine Ambitionen hinter der Kamera.
Das Disney-Hundeabenteuer Antarctica – Gefangen im Eis und der Independent-Thriller Running Scared könnten kaum unterschiedlicher sein. Wie ist das für Dich, gleichzeitig mit zwei solch unterschiedlichen Filmen im Kino präsent zu sein?
Im Normalfall wäre ich nicht sehr glücklich darüber, dass zwei meiner Projekte innerhalb so kurzer Zeit zur Aufführung kommen. Aber weil die beiden Filme so unterschiedlich sind, bin ich ganz zufrieden. Vielleicht ergeben sich dadurch für mich in Zukunft mehr Möglichkeiten, unterschiedliche Projekte in Angriff zu nehmen. Running Scared ist in den USA nicht sehr gut gelaufen. Ich glaube, das liegt daran, dass man einen Horrorfilm dort nur schwer bewerben kann. Jeder ist bemüht darum, eine Jugendfreigabe zu bekommen, deswegen konnte der Film auch nicht von einem der großen Studios gedreht werden, sondern musste unabhängig finanziert werden. Mir hat er gefallen. Und ich habe danach einen Anruf von Quentin Tarantino erhalten, der mir sagte, dass er den Film fantastisch findet. Er überlegt nun sogar, ob wir nicht zusammen etwas drehen könnten.
Deine Figur in Running Scared ist ziemlich fies und arrogant, die in Antarctica ist ein echter Sympathieträger. Welche Rolle hat Dir mehr Spaß bereitet?
Mir haben beide Spaß gemacht. Als ich Running Scared drehte, war ich jeden Tag fix und fertig, übellaunig und wirklich nicht besonders gut drauf. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht, weil ich bis an meine Grenzen, bis ans Äußerste gehen konnte. Ich durfte quasi machen, was ich wollte, ohne dass der Regisseur Wayne Kramer mich in die Schranken verwies. Ich fühlte mich danach richtig gut, weil ich mir dadurch meine Dämonen austreiben konnte. Gleich darauf Antarctica zu drehen, war ein angenehmes Kontrastprogramm!
Hast Du eigentlich irgendwelche schauspielerischen Vorbilder?
Früher, als ich mit Kino noch nicht so viel am Hut hatte, gab es für mich nur Harrison Ford und Mel Gibson. Mittlerweile gehe ich oft ins Kino und beschäftige mich dementsprechend mehr mit den Arbeiten meiner Kollegen. Am meisten gefallen mir die Entscheidungen, die Denzel Washington hinsichtlich seiner Rollenwahl trifft. Meiner Meinung nach sind die meisten seiner Filme eine gelungene Mischung aus Drama und Action – das findet man sonst nicht sehr häufig. Kaum jemand bekommt das in dieser Konsequenz so gut hin wie Denzel. Ich liebe beispielsweise Mann unter Feuer!
Unlängst hast Du damit angefangen, Deine eigenen Filme zu produzieren, beispielsweise den Independent-Film The Death and Life of Bobby Z. Wie kam es dazu, war hier Dein Starappeal hilfreich, um den Film realisiert zu bekommen?
Dieses Projekt war ein einziges Experiment. Ich bin ja nun schon eine ganze Weile im Filmbusiness, und es kommt oft genug vor, dass man mit Leuten zusammenarbeiten muss, die man nicht sonderlich sympathisch findet. Ich mag aber die Freiheit, eine Gruppe von Leuten zusammenzustellen, mit denen ich mich verstehe. Diesen Film habe ich mit einem guten Freund zusammen auf die Beine gestellt, der schon seit längerer Zeit mein Stuntdouble ist – unsere Mütter kennen sich noch aus der Highschoolzeit! Wir schafften es, das Geld für dieses Projekt aufzutreiben und ich konnte dadurch mit Menschen zusammenarbeiten, die ich wirklich respektiere und mit denen ich gerne meine Zeit verbringe.
Könntest Du Dir auch vorstellen, bei einem Film selbst Regie zu führen?
Nein, noch nicht. Vielleicht später einmal. Im Moment bin ich noch ganz zufrieden mit der Position, die ich in der Filmindustrie innehabe. Als Regisseur muss man sich um alle möglichen Dinge kümmern, das ist alles sehr kompliziert und anstrengend. Ich würde sagen, dass ich vielleicht frühestens in zehn Jahren über diese Möglichkeit nachdenken werde. Produzieren ist da viel einfacher. Regieführen ist eine echte Kunst.
Hat man es mit gutem Aussehen eigentlich noch schwerer in Hollywood?
Ich bin zum Film gekommen, weil jemand meinte, ich sei ein gutaussehender Kerl. Das bringt einem für eine gewisse Zeit neue Rollen ein. Wenn man sich aber nicht verbessert, sich nicht weiterentwickelt, finden sie schnell jemand anderen Gutaussehenden. Mir macht es Spaß, mich zu verbessern. Zumindest weiß ich dann, dass ich nicht nur aus dem einen Grund Rollenangebote bekomme. Wenn ich weiterhin Filme wie Running Scared mache, erregt das vielleicht die Aufmerksamkeit von dem einen oder anderen, wie jetzt eben Quentin Tarantino. Ich glaube, das ist der richtige Weg. FB
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