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Quentin Tarantino im Gespräch über kesse Marys und irre Larrys


Er ist der Mister Übercool des Kinos: Mit Pulp Fiction holte er die Goldene Palme in Cannes – und landete in den USA einen 100-Millionen-Dollar-Hit. Wegen seiner drastischen Gewaltdarstellung ist der einstige Videotheken-Kassierer nicht unumstritten. Unter dem Titel Grindhouse brachte er mit seinem Kumpel Robert Rodriguez ein Doppelprogramm in die Kinos – das Projekt geriet zum Flop in den USA. Deshalb starten beide Filme bei uns getrennt. Den Anfang macht Tarantinos Girlie-Gewaltfarce Death Proof. Wir trafen den Regisseur zum Gespräch.

Waren Sie enttäuscht über den Misserfolg in den US-Kinos? Immerhin wurde die Double-Feature-Version Grindhouse für die deutschen Kinos gekippt. Ihr Film und jener von Robert Rodriguez kommen getrennt in die Kinos.

Robert und ich haben drei Filme gemacht: Death Proof, Planet Terror und eben Grindhouse. Dieses Double Feature hatte eine ganz eigene Ästhetik, eingestreute Werbespots und Trailer inklusive: Das sollte einfach ein cooler Trip werden. Dass dieses Konzept in den USA nicht aufgegangen ist, war sehr enttäuschend. Allerdings war es eine interessante Erfahrung, dieses Material umzuschneiden: Nicht herunter bis auf die Knochen, sondern um den Knochen herum.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee zu einer Car-Chaser-Hommage?

Ursprünglich wollte ich einen reinen Slasher-Film machen, schließlich bin ich ein großer Fan dieses Genres. Vor allem die Struktur dieser Filme hat mich schon immer fasziniert. Die entscheidende Frage war dann: Wie kann ich dieses Genre neu erfinden? Wie kann ich meine ganz eigene Version schaffen, ohne diese typische Struktur zu verraten? So entstand die Idee eines sexbesessenen, psychopathischen Killers, der mit seinem Auto auf Menschenjagd geht.

Sein Killerauto entspricht allerdings nicht unbedingt den aktuellen Ökostandards...

Absolut: Diese Kiste wurde für Stunt-Szenen so umgebaut, dass der Fahrer alle Unfälle heil überstehen kann. Vor langer Zeit hat mir einmal jemand erzählt, dass man auch sein eigenes Auto zu solchen Stunt-Versionen aufrüsten lassen kann – „death proof“ heißt dieses Tuning der todsicheren Art. Dieser Ausdruck hat mich so begeistert, dass er seit 12 Jahren als Idee in meinem Kopf herumspukt – und daraus hat sich nun diese Story entwickelt.

Autoverfolgungsjagden gehören zu den Kronjuwelen des Action-Genres – welche haben Ihnen persönlich am besten gefallen?

Kesse Mary – irrer Larry von 1974 gehört zu meinen absoluten Lieblingen. Ebenso Die Blechpiraten oder Der Tiger hetzt die Meute. Neben diesen reinen Autojagd-Filmen gibt es großartige Filme, in denen diese Verfolgungen nur nebenbei passieren, aber nicht minder eindrucksvoll inszeniert sind, wie zum Beispiel French Connection oder Mad Max. Das australische Kino der 80er Jahre fällt ohnehin auf durch einen wahren Auto-Fetischismus.

Anders als im Genre üblich, zeigen Sie ausgesprochen starke Frauen – wie kommt das?

Schon Kill Bill hat das Pantheon weiblicher Kämpferinnen gezeigt. Allerdings sind die Mädchen hier nun nicht mehr allein auf Fantasy-Figuren reduziert. Das sind reale Frauen mit richtigen Jobs, die sich über echte Probleme unterhalten.

Zum blutigen Ende toben sich die Damen heftig aus – wann wurden Sie zum letzten Mal von einer Frau verprügelt?

Von einer Frau verprügelt? Natürlich noch nie! (lacht) In der Schule gab es vielleicht einige Beinahe-Begegnungen dieser Art. Aber sonst hat mich noch keine Frau geschlagen – zumindest nicht, ohne dass ich sie dafür bezahlt hätte. (lacht)

Wie kam die Ex-„Klapperschlange“ Kurt Russell in Ihren Film?

Ich war schon immer ein großer Fan von Kurt und wollte seit langer Zeit mit ihm einen Film drehen. Ich bin mit seinen Filmen aufgewachsen, wer wäre von seinen ikonenhaften Rollen bei John Carpenter nicht begeistert? Gerade wegen dieser großen Begeisterung für ihn, wollte ich ihn endlich einmal wieder als echten Fiesling auf der Leinwand sehen.

Haben Sie eine Liste in der Schublade mit Schauspielern, die man recyceln sollte?

Es gibt sehr viele Schauspieler, mit denen ich wahnsinnig gerne arbeiten würde. Aber meine privaten Vorlieben sind zweitrangig, was wirklich zählt ist allein die Figur, die es zu besetzen gilt. Ohne die passende Rolle würde ich niemals jemanden für einen Film engagieren – und Kurt Russell hat ideal gepasst!

Was entspricht Ihren aktuellen Horrorfilm-Geschmack?

Cabin Fever hat mich völlig umgehauen. Das war zum einen irrsinnig witzig und zugleich hat er den Geist des Horror-Genres, der so lange verschüttet war, wieder gefunden und belebt. In den 80er Jahren herrschte in diesem Genre absolute Flaute, es gab nur diese unzähligen Fortsetzungen. Die alten Regisseure reagierten verbittert und hatten damit umso weniger neue Ideen – bis plötzlich dieser junge Eli Roth auftauchte. Auf diesen Typ hatte das Genre gewartet: Er wollte nicht auf den Titel der Cineastenzeitschrift „Sight and Sound“, er wollte auf das Cover von „Fangoria“!

Was macht Cabin Fever so außergewöhnlich?

Ganz einfach: Der Film ist derart komisch, dass man vor lauter Lachen vergisst, dass es ein Horrorfilm ist. Erst beim zweiten Ansehen stellt man fest: „Hey, das ist total gruslig!“. Und dann kam Shaun of the Dead, für mich der beste Film des Jahres, und das beste Drehbuch seit 5 Jahren – ein echtes Meisterwerk!

Wie üblich besticht Ihr Film durch die Musik – wie sieht Ihre persönliche Plattensammlung aus?

Meine Plattensammlung ist tatsächlich großartig. Ich habe mir in meinem Haus eigens ein Zimmer dafür eingerichtet, das inzwischen so aussieht wie ein alter Plattenladen.

Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages ein sentimentales Liebesdrama zu drehen?

Es gab doch etliche Leute, die am Ende von Kill Bill geheult haben als David Carradine starb. DO

 

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