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Gewaltorgie à la Frank Miller: 300-Regisseur Zack Snyder im Interview


Regisseur Zack Snyder (Dawn of the Dead) ist stolz auf seinen Film. Das merkt man dem kleinen, sympathisch wirkenden Mann aus Green Bay, Wisconsin, an, wenn er von 300 redet. Dennoch musste er sein Werk bei der Premiere in Berlin gegen eine Meute internationaler Kritiker verteidigen, die meinten, in ihm gar faschistoide Tendenzen entdeckt zu haben. Im Gespräch reagiert er gelassen und amüsiert auf die Vorwürfe.

Wie gehen Sie mit den Reaktionen auf Ihren Film bei der Berlinale um?

Ich muss schon sagen, es macht irgendwie Spaß, in dieser Art über den Film zu reden. Auch wenn es in keinster Weise beabsichtigt war. Es ist schlecht, unbeabsichtigt einen faschistischen Film zu machen (lacht). Fight Club hat man das auch vorgeworfen und ich liebe diesen Film.

Wie nimmt man ein solches Buch und macht es sich zu Eigen?

Ich bin großer Frank-Miller-Fan. Die Zeichnungen in „300“ sind fantastisch. Die Technik, die wir zur Umsetzung verwendet haben, ist nicht außergewöhnlich. Blue Screens sieht man heutzutage in jeder News-Sendung. Was mir wichtig war, ist die Gesamtästhetik des Films, wie wir die Farben verwendet haben, das Filmmaterial und auch die Einstellung des Films. Mit den Werkzeugen war ich bereits durch meine Arbeit in der Werbebranche vertraut.

Sowohl Dawn of the Dead als auch 300 gehen nicht gerade zimperlich mit den Elementen Blut und Gewalt um. Sind Sie Horror- und Splatter-Fan?

Nun, das Gegenteil zu behaupten wäre wohl gelogen. Watchmen, der Film, an dem ich jetzt arbeite, ist überhaupt nicht blutig – oder Moment, doch ziemlich (lacht). Aber darüber denke ich nicht wirklich nach. Die Ästhetik, die ich mag, hat nun mal Gewalt als Thema. Ich bin christlich aufgewachsen, habe also als Kind nicht wirklich viele dieser Filme gesehen.

Der Charakter der Königin Gorgo ist ja eine Art starker Gegenpol zu Leonidas. Können Sie uns ein wenig über ihre Rolle sagen?

Ich wollte, dass das Publikum den Bezug zu Sparta nicht verliert und entschied mich daher, einige Szenen in der Heimat anzusiedeln. Im Buch ist das einzig Markante, was sie Leonidas zum Abschied sagt: „Komm mit dem Schild zurück, oder darauf.“ Bei meiner Recherche stieß ich dann auf einen weiteren Satz: „Nur die Frauen Spartas gebären wahre Männer.“ Die zwei Dinge sind belegt und formten schließlich meine Sicht dieser Frau.

Haben Sie die griechische Mythologie studiert für den Film?

Ich habe in der Tat viel recherchiert, allerdings wenig davon verwendet. Wenn man sich auf das Buch von Frank Miller einlässt, muss man sich ganz darauf einlassen. Die Unsterblichen sahen z. B. nicht aus wie Ninjas. Aber so hat Miller sie gezeichnet. Wenn man sich die Frage stellt, wie sie wirklich ausgesehen haben, fragt man sich als nächstes, wie Xerxes aussah und warum er nach Griechenland kam.

Sobald man einen Schritt in diese Richtung macht, muss man den ganzen Weg gehen. So einen Film wollte ich aber nicht drehen. Meine Version ist die Verfilmung einer Sage, die sich eine unmoralische Gruppe Männer am Lagerfeuer erzählt. Man hat nur diese Perspektive und das macht den Spaß aus. Der Film ist nicht politisch, weil er sich dessen bewusst ist. Wenn man ihn ernst nimmt, denkt, dass das, was da gezeigt wird, der Standpunkt der Filmemacher ist, kann ich mir vorstellen, dass man sich aufregt. Aber dann verfehlt man völlig die Intention.

Stellt die Art, in der Sin City und Ihr Film gedreht wurden, die Zukunft des Kinos dar?

Ich glaube nicht. Diese Technik war nötig, um die Vision Frank Millers umzusetzen. Vor allem, was die moralische Zweideutigkeit anbetrifft. Bei Watchmen wird das anders sein. Der Stil ist hier nicht so wichtig. Es geht vielmehr um die kontroverse Story, in der beispielsweise Nixon die Verfassung ändert, um wieder gewählt werden zu können und eine Art Superman befehligt, der für ihn den Vietnamkrieg gewinnt. Da bin ich schon auf die Pressekonferenzen zum Film gespannt (lacht). LT