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Eli Roth Zegers im Gespräch


Eli Roth (34) ist seit Kindheitstagen Horrorfan. Schon mit acht Jahren zerstückelte er seine Freunde und Geschwister vor der Super 8-Kamera. Jahre­langes Studium der großen Meister wie Wes Craven und Sam Raimi führte schließlich zu seiner ersten Regiearbeit: Cabin Fever, selbst produziert und mit Freunden realisiert, wurde zum internationalen Hit. Auch sein zweiter Langfilm Hostel konnte in den Staaten bereits das Zehnfache seiner Kosten einspielen. Der Erfolg eröffnete ihm die Möglichkeit, mit einer eigenen Produktionsfirma dem amerikanischen Horror eine Bluttransfusion zu verabreichen. Im Gespräch mit FILMSTART offenbart Eli Roth seine Pläne.

Sie haben Hostel komplett in Osteu­ropa realisiert. Wie kam es dazu?

Um ehrlich zu sein, haben die meisten Amerikaner überhaupt keine Ahnung von der Slowakei. Nach dem ersten Screening von Hostel hob jemand die Hand und fragte ernsthaft: „Haben sie sich das Land ausgedacht?“ [lacht] Als wir erzählten, wir würden nach Prag gehen, dachten alle: „Oh je, die Tschechoslowakei, nehmt Toilettenpapier mit, da herrscht der Kommunismus.“ Dabei sind es bereits seit 15 Jahren zwei getrennte Länder. Ich zeichne mit dem Film kein Bild des Landes, sondern das Stereotyp dessen, was die Amerikaner über osteuropäische Länder denken. Laut Statistiken besitzen nur zwölf Prozent der Amerikaner einen Pass. Die meisten haben einfach keine Ahnung von der Welt da draußen, und ich spiele mit ihren Ängsten. Deshalb lasse ich die amerikanischen Touristen im Film dafür bezahlen, dass sie alles glauben, was man ihnen erzählt.

Eines dieser Stereotype ist, dass die Frauen in der Slowakei wunderhübsch sind.

Ja, und wenn es ein Klischee im Film gibt, dass definitiv wahr ist, dann das. Als Barbara Nedeljáková, die in ihrer Heimat vor allem Theater spielt, durch die Tür spazierte, war da plötzlich diese junge Monica Bellucci. Sie ist wirklich eine verdammt gute Schauspielerin und einfach wunderschön.

Wie sehr waren Sie in die Produktion des Films involviert?

So sehr, dass die Leute bei Sony anfingen zu fragen: „Warum schreibt Eli eigentlich die Credits für den Film?“ [lacht] Ich lerne jedes Crewmitglied kennen, schaue mir jede Szene an, jedes Werkzeug, das im Folterraum lag... Ich bin obsessiv veranlagt über jeden Aspekt des Films. Jedes Sounddesign, ich musste mir jedes Bohrgeräusch anhören...

Wird Hostel 2 ebenfalls eine Low Budget-Produktion werden?

Nein. Die meisten Crewmitglieder haben ja mitgewirkt, ohne bezahlt zu werden, nur um bei diesem kranken, kleinen Horrorfilm dabei zu sein. Das wird sicher bei der Fortsetzung nicht mehr möglich sein. Nach dem Erfolg bin ich ehrlich gesagt froh, den Leuten endlich das bezahlen zu können, was sie wert sind. Wie etwa KNB EFX, die gerade den Oscar für Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia erhalten haben und mit mir bereits an Cabin Fever und Hostel zu einem Freundschaftspreis gearbeitet haben.

Inwiefern hat sich das Genre des Horrorfilms in den letzten Jahren gewandelt?

Derzeit ist Japan das führende Land für Horrorfilme. Filme wie Battle Royale, Suicide Circle, Ichi the Killer erwecken den Anschein, die Welt würde morgen enden. Da fragt man sich: „Was zur Hölle ist los mit Japan?“ [lacht] In Südkorea ist das ähnlich, z.B. mit Chan-Wook Parks Sympathy for Mr. Vengeance. In Amerika hat man immer das größtmögliche Publikum im Blick und dabei kommen dann so schreckliche Dinge heraus, wie Godsend. Sie versuchen den Film der Altersfreigabe anzupassen, anstatt die Freigabe dem Film. In Asien hingegen macht man Horrorfilme für Erwachsene. Amerika beginnt da gerade aufzuholen, mit Filmen wie Saw oder The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen. Ein britischer Filmkritiker bezeichnete mich, Alexandre Aja, James Wan und Neil Marshall kürzlich als das „Splat Pack“, was ich ziemlich witzig fand.

Wenn man sich Ihre Filme ansieht, bekommt man den Eindruck, dass sie von der Menschheit nicht allzu viel halten.

Ich habe eigentlich einen positiven Eindruck von Individuen, aber einen negativen vom Kollektiv. Ich habe als Kind in unserer Familie wieder und wieder Geschichten über den Holocaust gehört. Das kann man zunächst gar nicht fassen. Aber wenn ich mir die Geschichte der Menschheit ansehe, die Kreuzzüge oder Hexenverbrennungen, beginne ich mich zu fragen: Ist es schlimmer geworden? Haben wir uns weiterentwickelt, oder ist das einfach die Natur der Menschheit und wir erfinden Gesetze um es zu unterdrücken und im Krieg bricht es aus uns heraus? Es erschreckt mich immer wieder zu sehen, wozu Menschen fähig sind. Das ist meist noch viel verstörender, als das, was du dir ausdenkst. Ich fühle mich da eher wie ein Thermometer für die Angst und das, was um uns herum passiert.

Warum drehen Sie dann nicht mal eine Komödie?

Das werde ich. Ich möchte nicht der dunkle, grimmige Regisseur sein, der nur schlechte Nachrichten verbreitet. Ich möchte auch unterhalten. Ich mag Regisseure wie Sam Raimi, Peter Jackson, Robert Rodriguez, Spielberg – die machen völlig unterschiedliche Filme. Ich sitze nicht den ganzen Tag vor Horrorfilmen. Ich mag auch Filme wie Freaky Friday.

Als nächstes ist aber erstmal wieder ein Horrorfilm dran?

Das nächste Projekt wird Hostel 2 sein und danach die Stephen King-Adaption Cell. LT