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Zwischen Fernsehbildschirm und Kinoleinwand
Timothy Olyphant im Interview


Vielen dürfte Timothy Olyphant (39) hauptsächlich durch seine Rolle als Seth Bullock in der preisgekrönten Hitserie „Deadwood“ (2004-06) bekannt sein. Dabei ist der gebürtige Hawaiianer bereits seit gut zehn Jahren in den unterschiedlichsten Filmen (Der Club der gebrochenen Herzen, Dreamcatcher) in Erscheinung getreten. Nachdem er unlängst Bruce Willis’ Antagonisten in Stirb langsam 4.0 gespielt hatte, ist er nun in der Videospielverfilmung Hitman – Jeder stirbt alleine als stoischer Auftragskiller in einer charismatischen Hauptrolle zu sehen. Wir trafen den sympathischen Mimen in Berlin zum Gespräch.

Bist Du ein großer Fan von Videospielen?

Ich spiele eigentlich nicht, nein. Ich habe darin so gut wie keine Erfahrungen. In den vergangenen Jahren bin ich in den Ferien mit einigen Kumpeln ab und an in den Pizza Joint gegangen, wo sie die neuesten Arkade-Spiele hatten. Aber es ist immer das gleiche: Man steckt am Ende viel zu viele Quarter hinein, weil das Ganze ziemlich teuer geworden ist. Natürlich ist man von der Grafik geradezu überwältigt, das ist alles sehr filmisch, man kommt sich vor wie in einem Keanu-Reeves-Matrix-Film mit Zeitlupenwiederholungen und so. Ich habe das Tiger-Woods-Spiel (ein Golfspiel, Anm. d. Red.) mit meinem älteren Bruder auf der Sony Playstation gespielt und ich konnte es einfach nicht fassen. Und dabei hatte ich sie ihm geschenkt! Es war eigentlich meine Sony-Playstation. Ich hatte sie von Sony überreicht bekommen, aber nie aufgemacht. Dann habe ich eine Schleife drum gewickelt und sie meinem Bruder zu Weihnachten geschenkt (lacht). Als wir einige Wochen später zusammen geflogen sind, hatte er sie dabei und wir spielten dieses Tiger-Woods-Spiel. Danach sagte ich: „Scheiße, ich hätte sie Dir nie schenken sollen. Gib sie mir zurück!“ Es war unglaublich. Man konnte tatsächlich existierende Golfplätze bespielen, all die, die man über die Jahre gesehen hatte, legendäre Plätze aus den Vereinigten Staaten und Europa. Dabei verändert sich das Wetter und damit die Effekte auf die Geschwindigkeiten auf dem Grün – einfach fantastisch. Aber ansonsten sind meine Erfahrungen eher beschränkt, aber, wenn es auch komisch klingt, als ich ihm nach dem Flug seine Playstation zurückgab, dachte ich mir: „Gott sei Dank habe ich so etwas nicht!“ Ich würde ansonsten überhaupt nichts mehr auf die Reihe bekommen, so etwas kann echt süchtig machen.

Wie waren die Dreharbeiten in Sofia, das im Film ja für Russland doubelte?

Sofia ist eine Stadt, die sich sehr schnell verändert, und man kann bei den Leuten in ihren Einstellungen sehr große Unterschiede feststellen. Die Grenze verläuft ca. im Alter von 40 Jahren und der Unterschied liegt darin, wie sie die Veränderungen wahrnehmen und wie sie sich an die Veränderungen anpassen.

Hattest Du Gelegenheit, Dich mit den Leuten dort zu unterhalten?

Oh ja, ziemlich oft sogar. Ich habe mit ihnen ja den lieben langen Tag zusammengearbeitet. Ich lebe kein Leben, in dem ich unantastbar bin, ich werde von den Leuten auch nicht leicht erkannt, deswegen ist es relativ leicht für mich, mich einzubringen ohne dass sich andere dabei unnatürlich verhalten.

Willst Du, dass das so bleibt?

Na ja, lass es mich so ausdrücken: Wenn es mir gelänge, große Filme mit den besten Regisseuren zu drehen und trotzdem anonym zu bleiben – auf jeden Fall! Das wäre toll. Aber ist das realistisch? Nein. Wenn es realistisch bleiben soll, muss man Abstriche machen. Und die Anonymität fällt da als erstes zum Opfer.

Wie hat Dir denn die Rolle in Hitman gefallen – sie macht ja im Vergleich zu Deiner Figur in „Deadwood“ kaum eine Entwicklung durch?

Man muss bedenken, dass „Deadwood“ eine außergewöhnliche Erfahrung war. Wenn es mir gelänge, jemals wieder so etwas Fantastisches an Land zu ziehen, wäre ich definitiv der glücklichste Mann der Stadt. Deswegen ist es etwas unfair, Vergleiche mit dieser Serie und ihrem genialen Niveau anzustellen. Aber meiner Meinung nach gibt es auch an der Geschichte einer Figur, die sich kaum weiterentwickelt, sehr interessante Facetten. Das ist nicht zwangsläufig weniger interessant als ein Charakter, der Höhen und Tiefen durchlebt. Man findet unzählige Beispiele in Filmen und Büchern, in denen die zentralen Figuren nur minimale Veränderungen durchleben und trotzdem Eindruck hinterlassen. Ich weiß nicht, wie erfolgreich ich das darstellerisch vermitteln konnte, aber ich sehe die Figur nicht als einen Typen ohne Gefühle, Emotionen oder Menschlichkeit an. Dieser Kerl hat die Fähigkeit zu all dem, aber es ist sehr schwer für ihn, das auszudrücken. Er unterdrückt es mit all seiner Kraft, um das zu erreichen, was er erreichen muss.

Vin Diesel war ausführender Produzent des Films. Weißt Du, ob er jemals zur Wahl stand, die Rolle selbst zu spielen?

Das wusste ich nicht. Ich habe gehört, dass er zu einem Zeitpunkt mit dem Projekt in Verbindung stand, was dann wohl bedeutet, dass er die Rolle spielen sollte. Aber solche Dinge passieren häufig in Hollywood – es kommt zu Differenzen oder man ändert die Richtung, die mit dem Film eingeschlagen werden soll, deswegen vermute ich, dass es damit zusammenhängt. Zu einem gewissen Zeitpunkt war er irgendwie in das Projekt involviert. Mehr weiß ich darüber nicht.

Hast Du ungewöhnliche Reaktionen in der Öffentlichkeit erlebt mit der Glatze, die Du Dir für die Rolle rasieren musstest?

Ich habe mir den Kopf erst rasiert, als ich in Sofia angekommen bin. Und das Lustige ist: In Bulgarien haben alle Männer eine Glatze! Die Männer haben entweder sehr kurze Haare oder eben eine komplette Glatze. Das ist dort ein echter Modetrend. Deswegen hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass mich alle anschauen, als ob ich verzweifelt versuchen würde, mich anzupassen. Es wäre eine völlig andere Erfahrung gewesen, wenn ich den Film in Los Angeles gedreht hätte und all meinen Freunden begegnet wäre. Aber zu dem Zeitpunkt, als ich wieder in L.A. war, waren meine Haare zum Großteil schon wieder nachgewachsen.

Vor einigen Jahren noch gab es zwei verschiedene Sorten von Schauspielern – sie arbeiteten entweder fürs Fernsehen oder fürs Kino. Du bist das lebende Beispiel, dass beides möglich ist. Hat sich das geändert, weil die Qualität von Fernsehserien, speziell vielleicht die von HBO, sich verbessert hat?

Dem kann ich zustimmen. Es war nicht immer möglich, vom Kino zum Fernsehen und dann wieder zurück zu wechseln. Als ich meine Karriere begann, blieb man als Fernsehstar haften, wenn man vom Kino zum Fernsehen wechselte. Mittlerweile drehen so viele Spitzenschauspieler und Top-Stars Serien, Miniserien oder Fernsehfilme. Wie Du sagst, hat es wahrscheinlich mit der Qualität zu tun, der Qualität der Drehbücher und der Fernseharbeit im Allgemeinen. Es hat auch mit der Art zu tun, wie die Leute mit Unterhaltung umgehen. Man schaut sich heute Filme auf die unterschiedlichste Weise an, teilweise auf dem Computermonitor oder wo auch immer. Und auch die Einstellung gegenüber den Unterhaltungsmedien hat sich für die Leute geändert, alles wird schwammiger.

Glaubst Du, das Kino hat noch eine Zukunft?

Man tendiert ja immer dazu, solche Fragen aus seiner eigenen Perspektive heraus zu beantworten: „Warum sollten die Leute nicht nach wie vor gerne in Kinos gehen wollen?“ Für mich hat das Kino noch eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Ich bin jemand, der noch immer die gemeinsame Erfahrung liebt, mit anderen Leuten in einem Saal zu sitzen, wenn die Lichter langsam ausgehen. Und mit Theateraufführungen ist diese Erfahrung noch viel intensiver. Man hat das Gefühl, alles könnte passieren. Ich kann mir nicht vorstellen, diese Gemeinschaftserfahrung in der Zukunft einzubüßen. Aber ich weiß nicht, ob ein 15-Jähriger genauso denkt. FB

 

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