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Deutscher Topstar voller Ambitionen: Diane Kruger im Gespräch


Der Durchbruch gelang Diane Kruger in Troja. Doch das Ex-Model will nicht nur im Popcorn-Kino punkten, sondern profiliert sich verstärkt im Arthaus-Bereich, in diesem Monat gleich zweifach: im Beethoven-Drama Klang der Stille sowie in Goodbye Bafana, in dem sie die Gattin des langjährigen Gefängniswärters von Nelson Mandela verkörpert. Wir trafen die 30jährige zum Gespräch.

Inwieweit waren Sie vor diesem Film mit den Themen Südafrika und Apartheid vertraut?

Als Kind habe ich davon nicht viel mitbekommen. Ich kann mich aber noch sehr gut an die Befreiung von Nelson Mandela erinnern. Als ich vor fünf Jahren meinen ersten Film in Südafrika drehte, habe ich alles zu dem Thema gelesen – seitdem finde ich Südafrika und seine Geschichte sehr faszinierend.

Inwieweit können Sie sich in eine Figur wie Gloria, die opportunistische Frau des Gefängniswärters, hineinversetzen?

Ich habe durchaus Probleme mit Gloria, denn ich verstehe Leute nicht, die andere Menschen derart schlecht behandeln. Andererseits weiß ich als Deutsche natürlich sehr gut, welche Formen und Auswüchse diese Art von Mitläufertum annehmen kann. Gloria ist ein Paradebeispiel für Leute, die sich jeder Situation anpassen und absolut alles glauben, was ihnen vorgeschrieben wird – das ist schon erschreckend.

Sehen Sie Gloria als eine Art Monster?

Ich finde es wichtig, dass man solche Leute nicht als Monster oder als hasserfüllte Rassisten präsentiert. Das waren Menschen, die in einem gewissen Umfeld aufgewachsen sind und die geglaubt haben, was man ihnen gesagt hat. Das wirklich Tragische ist, dass solche Leute nie einen anderen Blick auf die Welt erfahren haben, dass sie immer nur passiv alles erduldeten.

Bisher haben Sie bei ganz unterschiedlichen Filmen mitgewirkt. Gibt es so etwas wie einen roten Faden in Ihrer Karriere?

Einen roten Faden gibt es nicht, derzeit bin ich noch dabei, mich als Schauspielerin zu entwickeln. Ich hatte das Glück und gleichzeitig auch das Pech, durch Troja, meinen dritten Film, sofort im Scheinwerferlicht zu stehen. Heute habe ich das Gefühl, dass der Ruhm verfrüht kam, denn ich war als Schauspielerin noch gar nicht so weit. Ich habe Nachholbedarf an anspruchsvollen Rollen.

Hätten Sie keine Lust, in einer deutschen Produktion zu spielen?

Eigentlich schon. Aber man hat mir noch nie eine Rolle in einem deutschen Film angeboten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich hauptsächlich in Frankreich lebe und ich in Deutschland nicht so bekannt bin. Umgekehrt kenne ich die deutsche Filmszene so gut wie gar nicht.

Fühlt man sich als Schauspieler nicht wohler, wenn in der Muttersprache gedreht wird?

Ich fühle mich mit Englisch am wohlsten, denn das ist meine Alltagssprache. Manchmal fällt mir Deutsch sogar schwer. Französisch wäre für mich noch mühsamer, weil man viel mehr Wörter benötigt, um etwas auszudrücken.

Stimmt es eigentlich, dass Sie als Kind auf Beerdigungen gejobbt haben?

Meine Mutter hat immer darauf geachtet, dass wir mit kleinen Jobs unser Taschengeld verdienen. Einer dieser Jobs war, bei Beerdigungen die Kerzen zu halten. Es war schon ziemlich makaber, als uns der Pfarrer zum Schluss, als alle Leute geheult haben, immer ein Fünfmark-Stück in die Hand drückte.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich kann mir gut vorstellen, später etwas ganz anderes zu machen. Vielleicht gebe ich alles auf, ziehe aufs Land und bekomme ein paar Kinder. Es gibt noch eine Menge Dinge, die ich in meinem Leben verwirklichen möchte. DO

 

> FILMSTART-Kritik: Klang der Stille

> FILMSTART-Kritik: Goodbye Bafana