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Ein Komödiant macht ernst:
Kevin Kline im Interview


Kevin Delaney Kline, der am 24. Oktober 60 Jahre alt wird, stammt aus St. Louis, Missouri, und kam erst 1982 zum Film. Zuvor feierte Kline große Erfolge als Theaterschauspieler, vor allem in Shakespeare- und Tschechow-Aufführungen. Neben seiner Filmkarriere ist Kevin Kline der Bühne bis heute eng verbunden, die er als „Medium der Sprache“ gegenüber dem eher visuell orientierten Film schätzt. Berühmt geworden ist Kline aber als durchgeknallter Gauner Otto in Ein Fisch namens Wanda, was ihm 1988 einen Oscar bescherte.

Stimmt schon: Die meisten Menschen kennen mich als Otto, manche auch als Präsidentendouble Dave oder als schwulen Lehrer Howard in In & Out, aber kaum jemand wegen Sophies Entscheidung. Die Zuschauer mögen eben vor allem Komödien, das ist auch okay. In der Filmbranche haben viele früher das Klischee im Kopf gehabt, weil ich Shakespeare auf der Bühne spiele, (in tiefem Basston:) bin ich ein gaaanz seriöser Schauspieler, der bestimmte Sachen gar nicht spielt. Nach der Rolle des Otto galt ich dann plötzlich als Komödiant.

Was für Reaktionen erwarten Sie anlässlich der Aufführung von Trade in Amerika?

Ehrlich gesagt, kann ich das ganz schlecht abschätzen. Das Thema Zwangsprostitution ist den meisten US-Bürgern völlig unbekannt. Schon weil es mit Sex zu tun hat, ist es außerordentlich heikel. Wir lüften mit Trade wirklich den Mantel des Schweigens. Auch ich selbst habe früher nur hin und wieder etwas darüber gehört oder gelesen. Aber die schlimmen Details, das ganze Ausmaß, welche Profite damit gemacht werden – all das habe ich erst durch die Arbeit an Trade erfahren. Ich denke, dass wir mit dem Film einen wichtigen Anstoß geben. Für einen Film wie Trade macht man nicht die übliche PR als „Posterboy“ wie für reines Entertainment. Es gab nur einen Film in meiner Karriere, der ein ähnlich brisantes und unterschätztes Thema behandelt hat: Cry Freedom über die Apartheid in Südafrika.

Sie spielen einen Polizisten, der von den Ausmaßen des organisierten Verbrechens überrascht ist...

Ja, das ist eben einer, der sich sonst mit Scheckbetrug und ähnlichem beschäftigt, der sonst immer die Übersicht hat, bevor er in diesen Sumpf gerät. Es ist schwierig, Fälle von sexuellem Missbrauch vor US-Gerichten zu verhandeln. Ein weiteres Problem, von dem wir erfahren haben, ist, dass sich viele der betroffenen Mädchen aus Scham nicht zurück zu ihren Familien trauen, weil sie in ihrer Heimat als Verfemte gelten. Sie sind Ausgestoßene wider Willen.

Sie haben selbst zwei Töchter mit ihrer Frau und Kollegin Phoebe Cates. Hat Sie das für das Thema von Trade zusätzlich sensibilisiert?

Ganz sicher, auch wenn ich meinen Kindern generell viele Freiheiten lasse und das gerne auch weiter tun will. Meine Frau ist mit der Abwehr von Gefahren viel erfahrener, die ist richtig „streetsmart“, kennt die Codes der Straße. Inzwischen hat sich auch Vieles in den USA gewandelt – wahrscheinlich ist meine Heimatstadt heute viel gefährlicher als unsere Nachbarschaft in New York.

Trade-Regisseur Marco Kreuzpaintner will noch dieses Jahr in die USA ziehen und plant eine Hollywood-Karriere? Glauben Sie, er hat Chancen?

Oh ja, Marco hat sogar sehr gute Chancen, er ist sehr begabt. Vielleicht ist er für Hollywood sogar zu gut! Heutzutage führen ja eher die Studiobosse Regie. MPH

 

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