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Ein Holländer in Hollywood
Rutger Hauer im Interview


Dass über Rutger Hauer so wenig zu lesen ist, hängt damit zusammen, dass der aus Holland stammende Hollywoodstar die Presse regelrecht meidet – teils, weil er meint, Schauspieler hätten nichts Wichtiges zu berichten, vor allem aber, weil er meint, Journalisten würden zuviel Unwichtiges berichten. Im Grunde hält er jedwede Berichterstattung über Stars und Showbiz für eine höchst unseriöse Art des Geldverdienens, was er seinen Gesprächspartner trotz harscher Worte („crap“) allerdings nicht spüren lässt. Im Gegenteil: Einen so gesprächigen, offenherzigen und unprätentiösen Star wie Rutger Hauer erlebt man als Interviewer nur äußerst selten! Hauer, der es klaglos wie eine sportliche Übung hinnimmt, in vielen unterschiedlichen US-Produktionen so oft den Haudegen oder fiesen Finsterling zu mimen (zuletzt z.B. in Confessions of a Dangerous Mind oder Sin City), hat bis heute großen Spaß an der Abwechslung, aber auch an den Absurditäten, die sein Beruf mit sich bringt. Zu Letzterem zählt die Tatsache, dass er ausgerechnet durch die Darstellung eines künstlichen Menschen (des Replikanten Roy Bat in Sir Ridley Scotts Blade Runner aus dem Jahr 1982) weltberühmt wurde. Der Science-Fiction-Klassiker Blade Runner ist Anfang Dezember 2007 in einer überarbeiteten „Final Cut“-Version erschienen, die als Doppel- oder (zusammen mit den älteren Versionen) gar als Fünfer-DVD beim Anbieter Warner Home erhältlich ist.

Blade Runner war die Erfahrung, wie ein Film, der eigentlich nicht besonders erfolgreich war, in Folge einer subkulturellen Strömung populär wurde, weil es ein Publikum gab, das ihn mochte. Das war sehr schön für mich, zu bemerken, dass der Film über die Jahre so eine Gefolgschaft mobilisiert hat und dass es ein Verständnis dafür gab, was ich mit meiner Rolle versucht hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas geht.

Mit der Darstellung eines künstlichen Menschen zu überzeugen?

So wie man einen Liebhaber oder andere Charaktere spielt, legt man auch in solch eine Rolle etwas von sich hinein, nutzt sein Handwerkszeug und gibt es dem Regisseur in die Hände, der darüber entscheidet. Man muss sich auf die Figur einlassen und wohin sie einen mitnimmt. Bei dem Kunstmenschen habe ich mir gesagt: „Okay, ich kann ohne große Hemmungen alles hineinlegen, was ich will und der Regisseur akzeptiert es“. Denn bei so einem Replikanten drückt man nur einen Knopf und dann verhält der sich z.B. wie ein vier Jahre altes Kind. Es gibt Auslöser in dessen Gehirn, die ihn bestimmte Dinge tun lassen, aber allesamt künstliche Dinge. Die Idee, ihn besonders menschlich erscheinen zu lassen, indem ich ihm etwas Seele, Humor und einen Sinn fürs Poetische gegeben habe, mochte Ridley Scott, und ließ mich machen. Bei den Proben haben wir diese Dinge austariert.

Was hat sich seit dieser Zeit in Hollywood verändert?

Einerseits die Größe des Publikums. Wenn ein Film heute gut unterhält, hat er viel mehr Möglichkeiten der Verbreitung. Als ich jung war, gab es ein, zwei Kinos weit und breit. Und die haben Filme für Wochen gezeigt, so dass Mundpropaganda ein Publikum anlocken konnte. Heute steckt mehr Geld hinter den Filmen, mehr Planung, mehr Macht, auch mehr Macht, Magie zu erzeugen. Und die Inhalte sind anders geworden – Vieles ist heutzutage visuelles Kaugummi, das wirtschaftliche Investitionen schnell amortisieren soll. Vor zwanzig Jahren sind die Anwälte in den Filmstudios ins Management gekommen. Ich denke, das sind Manager für virtuellen Grundbesitz. Die Freiheiten sind beschränkter, stärker auf PR-Bedürfnisse maßgeschneidert, zensiert. Ein Film wie Blade Runner würde heute aus Kostengründen nicht mehr gedreht werden – viel zu teuer! Obgleich: Es gibt sehr teure Filme heute, die wir früher niemals, niemals hätten drehen können. Man gibt teuren Filmen viel Geld, aber auf der anderen Seite gibt es Tausende von unabhängigen Filmemachern, von denen nur jeder zehnte einen Film machen kann, wenn er Glück hat.

Für Sie als Schauspieler hat sich nichts geändert?

Wir spielen, das ist alles. Und das ist noch immer ein Riesenspaß. Aber technologisch hat sich einiges verändert: Mit digitaler Aufnahmetechnik geht alles viel schneller, die Szene ist abgedreht und ich war noch gar nicht soweit. Als ich anfing, hat der Aufbau des Sets mindestens eine Stunde gedauert. Und heute: Da ist ein grüner Vorhang, vor dem man sich in einem bestimmten Ausschnitt hin- und herbewegt. Nach zehn Minuten geht es schon weiter, so lernt man schneller zu arbeiten, eine echte Herausforderung.

Ich denke, eine wesentliche Änderung ist auch, dass die Türen in Hollywood sich für einen jungen Schauspieler aus dem Ausland nicht mehr so leicht öffnen wie für mich 1980. Man hat nicht mehr solche Chancen, einfach entdeckt zu werden. Ich weiß nicht, was man tun muss, aber die Türen stehen nicht mehr offen, eine Green Card kommt nicht auf einen zugeflogen. Viele Schauspieler wollen ihre Karriere ausgerechnet im schrecklichen Los Angeles starten, wo einer den anderen hasst, speziell unter Schauspielern. Warum? Filme werden überall gemacht.

Was hat bei Ihnen den Ausschlag für den Erfolg gegeben?

Zufall und glückliche Umstände! Als Schauspieler muss man ein bisschen dumm oder besessen sein, vor allem in L.A., ein so kleiner, enger Flecken Erde. Den ersten Job habe ich gerade bekommen, nachdem ich einen Agenten hatte. Und ich habe mir gesagt: „Okay, das mache ich.“ Zwei Wochen später kam ein Anruf, dass der Film nicht gedreht wird. Mein Anwalt fragte nach der Gage, die man mir nicht zahlen wollte und hat gedroht. So ging das los damals, und daraus ist dann ein richtiger Lebensunterhalt geworden – unglaublich! Was mir passiert ist, ist ein richtiges Wunder. MPH

 

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