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Bobby-Regisseur Emilio Estevez im Gespräch


Im vierten Film des seit 1986 zum Regisseur avancierten Schauspielers Emilio Estevez, Bobby, dreht sich alles um die Ereignisse am 5. Juni 1968. An diesem Tag wurde im kalifornischen Ambassador-Hotel der Präsidentschaftskandidat Robert „Bobby“ F. Kennedy erschossen. Das Ensemble des Films wurde für einen Screen Actor’s Guild Award nominiert. Auf diese und andere Nominierungen reagiert Estevez gelassen – schließlich kostete ihn diese Verfilmung zwanzig Jahre seines Lebens.

Der Wahlkampf von Robert Kennedy dauerte wenige Monate und Sie, Herr Estevez, waren damals nicht älter als fünf. Warum beschäftigen Sie sich mit dieser Geschichte?

Meine Eltern waren nie politisch engagiert: weder nahmen sie an Demonstrationen teil, noch befürworteten sie die Hippie-Bewegung. Ich lebte mit meiner Familie in New York und mein Vater (Schauspieler Martin Sheen, die Red.) musste aus beruflichen Gründen nach Mexiko fahren. Deswegen kamen wir nach Los Angeles. Als Kennedy nach Kalifornien kam, war ich noch ein kleiner Junge. Ich saß auf der Schulter meines Vaters und durfte ihn einmal berühren, diesen bekannten „Bobby“ Kennedy, den Bruder des noch berühmteren John F. Kennedy!

Natürlich war mir die Bedeutung dieses Moments nicht bewusst. Ich konnte mich nur an die allgemeine Begeisterung und Freude des Volkes erinnern. Als Kennedy ermordet wurde, kam ich mit meinen Eltern zu einem Kongress nach Los Angeles. Mein Vater erklärte mir die Bedeutung des Ortes. Er sprach davon, wie viele Schicksale durch dieses Treffen verändert werden konnten. Ich spürte plötzlich, wie mir die Tränen hoch kamen.

Als kleiner Junge haben Sie die Bedeutung der Geschichte so verstanden, dass Sie weinten?

Na gut. Zuerst weinte ich natürlich wie ein Kind, das sich vor den unbekannten Dingen, wie dem Tod, fürchtet. Zehn Jahre später weinte ich aber bewusst.

Sie weinten wieder?

Robert Kennedy verbreitete Hoffnung. Nach seinem Tod versank unser Land im Koma, in dem es sich immer noch befindet. Bis jetzt hatten wir keinen Präsidenten, der einen solchen Einfluss hatte wie Kennedy. Dabei war er ja gar nicht Präsident, aber sein Einfluss war auch in den wenigen Monaten während seines Wahlkampfs spürbar.

Wäre es nicht besser, diese Geschichte als Dokumentarfilm oder Politthriller zu präsentieren?

Dokumentarfilme und Politische Debatten gibt es genügend im Fernsehen. Ich wollte einen Spielfilm drehen. Denn meine Vorstellung dieser Tragödie besteht in ihrer Auswirkung auf die Schicksale verschiedener Menschen. An diesem Abend wurden fünf andere Personen angeschossen. Wir führten bewusst keine Recherchen, wir haben uns nicht nach den Namen dieser Menschen erkundigt. Kennedy kommt in dem Film nur am Rande vor. Die anderen Personen stehen im Vordergrund. Wir zeigen Eheleute, die sich kurz vor der Trennung befinden und nach dem Kennedy-Tod wieder zueinander finden. Wir beobachten Menschen verschiedener Nationalitäten, die sich hassen, sich aber nach der Tragödie wieder versöhnen.

Ihr Filmbudget belief sich auf 5,5 Millionen Dollar. Sie drehten trotzdem in Los Angeles?

Unser Startbudget betrug 5,5 Millionen, um jede weiteren 100.000 Dollar mussten wir betteln. Und das haben wir mehrfach gemacht! Ich drehte diesen Film wie in Trance: genau drei Wochen lang. Viele Regisseure fahren heute nach Kanada oder Bulgarien, um dort ihre Filme zu drehen. Ich mietete ein winzig kleines Studio in L.A., beauftragte einen berühmten Set-Designer, der aus diesem Raum einen Palast schuf. Darin mussten wir 77 Leute unterbringen, ganz zu schweigen von den zahlreichen Prominenten, die täglich ans Set kamen.

Wie konnten Sie diese Schauspieler für ihren Film begeistern?

Das ist nicht mein Verdienst, sondern der Kennedys! Ich schrieb nur mein Drehbuch, das den Schauspielern gefiel! Kennedy hatte eine starke sexuelle Ausstrahlung. Man wollte ihn berühren, Schatten seines Lächelns spüren. Sie können lachen, aber wir sind Amerikaner. Wir sind nicht bekannt für Raffinesse, Intelligenz und nagelneue Anzüge, sondern für T-Shirts, Jeans und ein breites warmes Lächeln. So war auch Kennedy. TR

 

> FILMSTART-Kritik: Bobby