
Vielleicht schon bald Berliner - der Regisseur von Kassenknüllern wie 'Stargate' (1994), 'Independence Day' (1995) oder 'Godzilla' (1998)
Wer hätte das gedacht? – Einer der kommerziell erfolgreichsten Regisseure aller Zeiten hadert mit seinem Ruf, der ungekrönte König der Blockbuster-Filme zu sein. Mehr noch: Der 52jährige Regisseur Roland Emmerich, der über einige der teuersten Budgets der gesamten Filmbranche verfügen konnte, hätte nichts dagegen, auch mal kleinere, vor allem ganz andere Brötchen als bisher zu backen.
Zieht sich Emmerich gar ratenweise ganz aus Hollywood zurück, das er mit globalen Kinohits wie 'Stargate' (1994), 'Independence Day' (1995) oder 'Godzilla' (1998) erobert hat? Gegenüber FILMSTART stellt der unkomplizierte und sehr offene Emmerich jedenfalls klar, dass er sich trotz aller Erfolge „als Deutscher in Hollywood noch immer als Außenseiter sieht“ – offenkundig sogar zunehmend, denn er hat noch andere Ambitionen als nur der zuverlässige Lieferant effektvoller Kassenknüller zu sein: Schon lange vor der Realisierung seines neusten Trickspektakels, '10.000 BC', plante Emmerich eine zeitgemäße Shakespeare-Verfilmung – ein Stoff, den er von Tom Hanks’ Produktionsfirma übernommen hatte. Doch obgleich Emmerich der interessanten Adaption „vor allem in Europa gute Chancen“ einräumt, scheiterten bislang die entsprechenden Finanzierungs- und Vertriebsverhandlungen, denn mit dem „Meister der ‚desaster movies’ will in Hollywood nun mal keiner ein Shakespeare-Projekt machen“, sagt Emmerich eher verständnisvoll und ohne jedes Anzeichen von Enttäuschung. Mit Independent-Stoffen, die ohnehin „immer schwieriger zu realisieren“ seien, verbinde man den Namen Emmerich nicht.
„Das hat mit Erwartungen zu tun, die man bedienen muss“, sagt der Erfolgsregisseur, der zugibt, unter ähnlichen Zwängen agieren zu müssen wie alle anderen Regisseure in Hollywood – und dies bedeutet bei der Auswahl neuer Projekte über nahezu unbegrenzte Mittel nur dann zu verfügen, wenn der ganz große Reibach lockt. In einem Umfeld, in dem die Verfilmungsrechte begehrter literarischer Vorlagen oder dramatischer, persönlich erlebter Schicksale teilweise auf Auktionen zu Höchstpreisen ersteigert werden, wächst bei den Hollywoodstudios der Druck, die hohen Investitionssummen möglichst rasch zu amortisieren, wie Emmerich erläutert. So gingen viele Produzenten „immer mehr auf Nummer Sicher“: „Deshalb haben wir ja die vielen Fortsetzungen und Remakes von Erfolgsfilmen“, sagt Emmerich, und ergänzt lachend, man habe bei ihm sogar schon „für ein Franchise von 'The Day After Tomorrow' angefragt“.
Mit '10.000 B.C.' (die englische Abkürzung verweist auf die Ära, in der die Filmhandlung spielt, nämlich 10.000 Jahre vor Christi Geburt; „Before Christ“) bedient Emmerich freiwillig noch einmal jenes „Schubladendenken“, das nach seinen Worten unter Hollywood-Studiobossen inzwischen „viel stärker verbreitet ist“ als zu Beginn seiner US-Karriere Anfang der achtziger Jahre, und aus dem man auch „als einer der Großen der Branche kaum heraus kommt“. Die Idee dabei ist, „die Geschichte unserer Zivilisation anhand einer konkreten Story zu illustrieren“, sagt Emmerich: Der Überlebenskampf einer Horde Urmenschen soll die uns so fremde Epoche möglichst lebendig und spannend begreifbar machen.
Auch an Emmerichs Klima-Katastrophen-Thriller 'The Day After Tomorrow' (2004) – ein Film mit ganz eindeutigen, politischen Bezügen – traute sich zunächst kein Studio heran. „Nur die 20th Century Fox hat die Wahl des Stoffes damals begrüßt“, so Emmerich, „und im Nachhinein waren die dann auch sehr stolz, damit zu einem stärkeren Umweltbewusstsein in den USA beigetragen zu haben“, sagt Emmerich. Anders als sein Bruder, der sich für die internationale Umweltorganisation „Global Green“ engagiert, „gehe ich nicht direkt auf die Straße“, so Emmerich, sondern engagiert sich eben mit den Mitteln des Filmemachers für Umweltfragen.
Schließlich betont der Regisseur noch, dass ihn die europäische Kultur gegenüber dem ‚American way of life’, „bei dem man einfach so vor sich hin lebt“, wieder stärker reize und er deshalb gerne wieder in Europa leben und arbeiten möchte. Ein erster Schritt dazu ist getan: Seit seinem Amt als Berlinale-Jurypräsident 2005 – was nach seinen Worten wegen der vielen Filme und Partys ein viel härterer Job war als irgendeine seiner Dreharbeiten, die er auch bei großem Aufwand immer sehr genießt – ist auch Emmerich vom kreativen Flair der deutschen Hauptstadt begeistert. Die Wohnungssuche läuft bereits. Max-Peter Heyne
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