 
Einer der „sexiest men alive“: Patrick Dempsey mit Klaus Wowereit und Co-Hauptdarstellerin Michelle Monaghan
Ende der 80er Jahre, in seinen frühen 20ern, stieg Patrick Dempsey in Jugendkomödien wie 'Can’t Buy Me Love', 'Loverboy' und 'Happy Together' zum Kinostar auf. Nach einer Karriereflaute gelang ihm als Dr. Derek Shepherd in der Hitserie „Grey’s Anatomy“ 2005 das große Comeback. Ein Ende ist auch nach der vierten Staffel nicht in Sicht, dafür ist Dempsey auch auf der Kinoleinwand wieder gefragt. Nach dem didaktischen Toleranzdrama 'Freedom Writers' und der Disney-Komödie 'Verzaubert' stand „Dr. McDreamy“ nun in 'Verliebt in die Braut' als Hauptdarsteller einer romantischen Komödie vor der Kamera. Wir sprachen mit dem Star in Berlin über seine Ehe, die Fragen seiner Kinder und sein Engagement in einer nach ihm benannten Krebs-Spezialklinik in Maine.
Wie in 'Verliebt in die Braut' hat es ja auch bei Dir und Deiner Frau eine Weile gedauert, bis Ihr zusammen kamt. Drei Jahre, habe ich gelesen…
Ja, sie war zu dieser Zeit mit jemand anderem verlobt. Und auch ich habe mit einer anderen zusammengelebt, die total verrückt war. Deswegen hat es ein Weilchen gedauert. Wir kannten uns in der Tat drei Jahre, bis wir ein Paar wurden.
Und wann kam der Punkt, an dem Du wusstest, dass sie die Richtige ist?
Das habe ich auf den ersten Blick gewusst! Es war einfach nur nicht die richtige Zeit, als wir uns trafen. Wir mussten vorher erst einmal ein paar Dinge geregelt bekommen.
Z. B. musste sie erst ihre Verlobung lösen…
Sie musste erkennen, dass er nicht der Richtige für sie war (lacht).
Und das scheint ja die richtige Entscheidung gewesen zu sein…
Ja, wir sind jetzt fast seit neun Jahren verheiratet.
Du bist ein gut aussehender Mann. Wie wichtig ist das für die Karriere?
Make-up ist das Geheimnis…und man kann eine Menge mit Photoshop ausbügeln (lacht). Wenn man in den Spiegel schaut, weiß man, wer man ist. Man weiß, was man an seinem Aussehen mag und was nicht. Ich arbeite in einem visuellen Medium, deswegen spielt das Aussehen eben eine Rolle. Aber ich sehe mich selbst nicht gerne auf der Leinwand. Es fällt mir schwer, eine Distanz aufzubauen.
Wie reagiert Deine Frau darauf, wenn Du mal wieder zu einem der „sexiest men alive“ gewählt wirst?
Na ja, sie kennt mich, also lacht sie darüber. Das ist auch gut so, auf die Art bleibe ich auf dem Boden.
Und hat sie keine Bedenken wegen der ganzen Frauen weltweit, die Dich anhimmeln?
Sie ist eine erstaunlich starke Frau, die damit umgehen kann. Ich weiß nicht, ob mir das auch gelänge, wenn ich in ihren Schuhen stecken würde. Aber den Erfolg, den ich gerade habe, verdanke ich auch der Beziehung zu meiner Frau.

Du bist Vater dreier Kinder. Was macht einen guten Vater aus?
Liebe schenken und für die Kinder da sein – was bei meinem engen Zeitplan leider nicht immer sehr einfach ist. Es ist manchmal ganz schön frustrierend, das im Einklang zu halten. Aber ich halte es für sehr wichtig, bei ihnen zu sein und zu sehen, wie sie groß werden. Sie müssen dich sehen und fühlen können. Das ist für mich das Wichtigste am Vatersein, und dass man ehrlich zu ihnen ist und sie liebt und ihre Mutter liebt und ihr eine Stütze ist in allem, was sie leisten muss. So etwas lernt man mit der Zeit.
Die Bedürfnisse verändern sich auch, wenn die Kinder älter werden. Vor kurzem kam die Frage nach Gott auf. Wie beantwortet man diese Frage? Ich fühle mich weder der katholischen noch einer anderen Religion stark verbunden. Ich halte sie alle für extrem wichtig und glaube auch, dass sie im Kern alle identisch sind. Die Lehren sind im Grunde die gleichen, und die Konflikte in unserer heutigen Welt entstehen dadurch, dass die Menschen eine Religion für besser als die andere halten. Man muss sich aber klar darüber werden, dass sie im Grunde alle gleich sind. Aber wie erklärt man einer Sechsjährigen, was Gott ist? An dieser Definition muss ich noch ein bisschen arbeiten. Du spielst sowohl fürs Fernsehen als auch fürs Kino – was machst Du lieber?
Die beiden Medien sind schon sehr verschieden. Fernsehen ist das Medium der Drehbuchautoren, hier dreht sich alles um das Skript. Wenn eine Serie funktioniert, hat sie meist auf der ganzen Welt Erfolg. Aber der Arbeitsalltag ist auch ziemlich anstrengend. Pro Staffel dreht man 22, 23 oder 24 Folgen, nächstes Jahr sind es sogar 30, das ist schon ziemlich unbarmherzig. Beim Film hat man ganz andere Freiheiten, auch der Stil ist anders. Bei 'Verliebt in die Braut' haben wir während des Drehens noch am Buch gefeilt, eine Menge improvisiert und die Geschichte immer wieder verändert. Wir mussten schließlich versuchen, Vergleichen mit anderen romantischen Komödien aus dem Weg zu gehen und den Film so frisch wie möglich zu gestalten. Also haben wir eine ganze Menge ausprobiert, es war wie ein Workshop vor laufender Kamera. Das mag ich sehr gerne, da hatten wir eine Menge Spaß. Beim Fernsehen heißt es eher: „Da steht, was Du zu sagen hast, so musst Du’s machen, verändere nichts.“ Da geht alles sehr diszipliniert zu, aber auch mit jeder Menge Druck. Aber man hat natürlich auch ein festes Arbeitsverhältnis, was für einen Schauspieler immer gut ist.
Früher war es schwierig, Kinoangebote zu bekommen, nachdem man in einer Fernsehserie aufgetreten war…
Ja, das hat sich aber mittlerweile geändert.
Was könnte der Grund dafür sein?
Ich glaube, es ist einfacher, einen Film finanziert zu bekommen, wenn darin ein Schauspieler mitmacht, der in einer Hitserie der Star ist. Deswegen fühlen sich die Studios mit einem solchen Schauspieler auch sicherer. Aus genau dem gleichen Grund erhalte ich momentan auch so viele Filmangebote. Die Leute glauben, Dich zu kennen, weil man einmal in der Woche bei ihnen zu Hause zu sehen ist.

Würden Dich Studios auch für unabhängige, politische Stoffe in Betracht ziehen, nachdem Du nun so viele romantische Komödien gedreht hast?
Natürlich. Man hat eine ganze Menge verschiedener Möglichkeiten, aus denen man auswählen kann, wenn man eine erfolgreiche Fernsehserie dreht. In der Regel geht es darum, dann ein paar Filme zu drehen, die kommerziell genug sind, um dann auch unabhängige Projekte zu finanzieren. Es gibt ganz bestimmt Bedarf an romantischen Komödien, Möglichkeiten zur Flucht aus dem Alltag, aber ich traue mir mehr als das zu. Ich möchte mir das selbst beweisen und die Gelegenheit nutzen, das im Kino zu tun. Im Moment entwickle ich gerade fünf oder sechs verschiedene Projekte. Ich werde versuchen, alle Fans von McDreamy und „Grey’s Anatomy“ für diese Filme zu begeistern, denn ich möchte das Publikum nicht vor den Kopf stoßen, sondern langsam dorthin führen und es behutsam auf andere Dinge aufmerksam machen.
Stimmt es, dass Du auch für die Titelrolle in „Dr. House“ vorgesprochen hattest, bevor Du bei „Grey’s Anatomy“ unterschrieben hast?
Ja, zu jener Zeit habe ich bei so ziemlich jeder Serie vorgesprochen. Das war Januar/Februar, als gerade Pilotfilmzeit war. Jeder Schauspieler hofft in der Zeit, eine Rolle in der kommenden Hitserie zu ergattern. Aber ich finde, dass Hugh Laurie perfekt für die Rolle ist. Es hat sich alles in die richtige Richtung entwickelt, das habe ich wohl auch schon instinktiv geahnt. Nachdem ich ein paar Drehbücher gelesen hatte, wusste ich, dass ich nicht der Richtige für diese Rolle bin.
Du unterstützt ein Krebszentrum in Deiner Heimatstadt Lewiston in Maine. Wie kam es dazu?
Meine Mutter hat drei Kämpfe gegen Eierstockkrebs überlebt. Ich stand ihr bei, und weil meine Schwester in einem Krankenhaus arbeitet, erkannte ich irgendwann, dass es einen Mangel an Unterstützung in der Gemeinde gab, in der ich aufgewachsen bin. Ich habe mich mit den Leitern einer Kurklinik besprochen und bin auf einige sehr sinnvolle Aspekte aufmerksam geworden, habe aber auch Einiges entdeckt, das noch ausgebaut werden könnte. Deswegen habe ich auch mit Krankenhäusern Kontakt aufgenommen und die Idee diskutiert, eine Spezialklinik zu gründen und auch eine Website ins Leben zu rufen für Leute mit allen Arten von Krebserkrankungen. Alles sollte unter einem Dach gebündelt werden, die Leute unterstützen, die sich um die Patienten kümmern, alternative Medizin anbieten und den Kranken Gehör schenken, um auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können und ihnen dann die Hilfe zu vermitteln, die sie benötigen. Unser Ziel ist es, die beste Website zum Thema weltweit auf die Beine zu stellen (zu finden unter http://www.dempseycenter.org/; die Red.). Mein Bekanntheitsgrad kann somit etwas Positives bewirken. Ansonsten ist Berühmtheit komplett nutzlos. Die Arbeit an diesem Projekt war so befriedigend für mich, weil ich erkennen konnte, dass Menschen tatsächlich davon profitieren. Man soll auf der Website zu jeder Krebsart Informationen darüber finden, wie diese den Körper angreift und was es für Heilmethoden gibt. Alles mit einem simplen Mausklick und so einfach zu bedienen, dass es auch Kinder können. Wir müssen da noch eine Menge tun, entwickeln das aber stetig weiter und bauen es aus, indem wir nach den Bedürfnissen der Patienten fragen und darauf dann eingehen. Und die Spezialklinik ist ein sehr angenehmer Ort in netter Umgebung, wo man als Patient auch seine Würde bewahren kann. Frank Brenner
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