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Filmen als Therapie: Julie Delpy im Gespräch


Sie kam als Tochter eines Schauspieler-Ehepaares in Paris zur Welt und stand bereits als Fünfjährige neben ihren Eltern auf der Bühne. Mit 14 trat Julie Delpy in Jean-Luc Godards Detective auf, später engagierten sie Regisseure wie Volker Schlöndorff (Homo Faber) oder Jim Jarmusch (Broken Flowers). Mit Richard Linklater drehte sie die Lovestories Before Sunrise und Before Sunset – ganz ähnlich geht es in ihrer eigenen Regiearbeit 2 Tage Paris zu, über die wir uns mit der 37-Jährigen unterhielten.

Die Geschichte von 2 Tage Paris erinnert stark an Ihr letztes Werk Before Sunset, das Sie gemeinsam mit Ethan Hawke und Regisseur Richard Linklater entwickelt haben – ist das nur Zufall?

Natürlich gibt es Ähnlichkeiten: Ein Amerikaner und eine Französin treffen sich in Paris. Allerdings ist mein Drehbuch älter als Before Sunset. Doch erst durch diesen Erfolg hat meine Finanzierung funktioniert: Jetzt waren die Geldgeber überzeugt, dass ich mich bei diesem Thema auskenne. Ich habe schon sehr viele Drehbücher geschrieben, aber leider traut niemand einer Frau zu, dass sie ein Skript für einen Kriegsfilm verfassen kann.

Wie groß ist die Ähnlichkeit zwischen Ihnen und der Heldin Marion im Film?

Wir beide sind uns nicht besonders ähnlich. Marion ist in Sachen Liebe zum Beispiel sehr viel unkomplizierter als ich. Sie ist fast schon der Gegenentwurf zu mir, wobei sie aber keineswegs das naive „Sex in the City“-Girlie ist, sie macht sich viele Gedanken über Politik und Gesellschaft. Ich würde mich auch nie trauen, mich mit einem rassistischen Taxifahrer so anzulegen, wie sie es tut.

Entspricht wenigstens der Liebhaber Jack, den Sie sich ja immerhin am Schreibtisch erdacht haben, Ihrer eigenen Traumvorstellung?

Ganz und gar nicht! Jack ist für mich der unperfekte Liebhaber, schließlich handelt es sich ja um eine Komödie. Ich selbst hätte ohnehin gar keine genauen Vorstellungen, wie der perfekte Mann aussehen soll. Auf keinen Fall dürfte er allerdings derart neurotisch sein wie dieser Jack im Film.

Dann schon eher der Typ Daniel Brühl, der hier als nette Fee auftritt?

Nein, ich verliebe mich ja nun auch nicht in jeden Schauspieler, mit dem ich arbeite (lacht). Ich mag Daniel sehr, er ist ein ganz wunderbarer Schauspieler. Er besitzt diese besondere Qualität, hat etwas ganz Natürliches und Pures. Bei amerikanischen Schauspielern findet man das nicht. Wer dort gut aussieht, ist gleich entsprechend eingebildet. Daniel ist anders – deswegen werden wir bei meinem nächsten Film erneut zusammen arbeiten.

Sie gelten als Perfektionistin – einverstanden?

Ich bin eine Perfektionistin, mit einem „Okay“ gebe ich mich nicht zufrieden. Das ging soweit, dass mich das Team oft Stanley Delpy nannte – und das war keineswegs als Kompliment gemeint! Natürlich ist mein kleiner Film meilenweit von einem Stanley Kubrick entfernt, aber ich finde es einfach sehr wichtig, dass man immer das Beste herausholt. Dazu muss man ständig bis an die Grenzen gehen und darum kämpfen – und das tue ich.

Sind Sie ein Diktator beim Drehen?

Ich kenne zu viele Regisseure, die zu früh aufgegeben haben. Ich bin beim Drehen lieber streng, um ein gutes Ergebnis zu bekommen. Wenn der Film gut wird, wird einem die Härte später von allen Mitwirkenden gerne verziehen. Umgekehrt wird keiner einen schlechten Film mögen, nur weil es nette Dreharbeiten waren.

Sie haben etliche Filme über die Liebe gemacht – glauben Sie an die große Liebe oder ist alles nur Illusion?

Ich glaube an die große Liebe und hoffe, dass es irgendwo einen perfekten Partner für mich gibt. Aber es ist nicht so einfach, den Mister Right zu finden. In meinem Fall haben viele Männer offensichtlich Angst vor meinen zahlreichen Aktivitäten: Ich schreibe sehr viel, ich spiele und ich mache Musik. Ich bin zwar kein Workaholic, aber vielen bin ich schlicht zu unternehmungslustig. Zudem fürchten sich manche Männer wohl einfach etwas vor unabhängigen Frauen!

Schreiben, spielen, Regieführen – woher nehmen Sie die ganze Energie?

Ich muss einfach sehr viel produzieren. Ich bin eine ziemlich furchtsame Person, für mich ist die kreative Arbeit ein Weg, mit meinen Ängsten zu Recht zu kommen. Je mehr ich arbeite, desto besser und ausgeglichener fühle ich mich.

Welche Ängste plagen Sie denn?

Das reicht von abstrakten Dingen wie der Umweltzerstörung bis zur Angst vor Krebs oder davor, von einem Psychopathen umgebracht zu werden. Aber es gibt auch ganz banale Dinge wie Flugangst oder die Panik, wenn ich eine bestimmte Person erreichen will, das aber zwei Stunden lang misslingt – dann male ich mir die schlimmsten Dinge aus!

Wenn Sie soviel Geld bekämen, wie Sie wollen – welchen Film würden Sie damit drehen?

Ich würde auf alle Fälle einen großen Science-Fiction-Film machen. Es gibt nicht sehr viele gute Filme in diesem Genre, aber wenn sie gut sind, dann sind sie verdammt gut. Alien oder Blade Runner sind ein Traum. Seit meiner Kindheit bin ich ein totaler Science-Fiction-Fan! DO

 

> FILMSTART-Kritik: 2 Tage Paris