Wer die erstaunliche Karriere der jungen Spanierin seit den frühen 90ern verfolgte, wurde den Eindruck nicht los, als wäre Penélope Cruz nicht nur makel-, sondern auch vollkommen alterslos. Fast unwiderruflich schien sie auf die Rollen der mehr oder weniger unschuldigen Mädchen und jungen Geliebten abonniert. Im neuen Almodóvar-Film Volver – Zurückkehren überrascht sie als gereifte Schönheit – in ihrer vielleicht ersten Rolle als Frau.
Wer auf die rassige Spanierin mit den großen Mandelaugen steht, hat in diesem Monat gleich doppelt Glück. In zwei ganz unterschiedlichen Rollen steht Penélope Cruz in zwei auch sehr unterschiedlichen Filmen vor der Kamera. In Pedro Almodóvars heiter-tragischer Komödie Volver – Zurückkehren spielt sie ein ebenso leidgeprüftes wie durchsetzungsfähiges Familientier, während man sie im ungestümen Western-Klamauk Bandidas an der Seite von Salma Hayek als toughes und großmäuliges Cowgirl erleben kann.
Vor allem ihr komödiantisches Talent darf Penélope Cruz in Bandidas einmal so richtig ausleben. Der ebenso harmlose wie unterhaltsame Spaß, der ein wenig an Louis Malles Viva Maria! erinnert, bietet mehr als genügend Raum dafür. Ergänzten sich bei Louis Malle 1965 die Leinwandgöttinnen Jeanne Moreau und Brigitte Bardot zum heißesten Stripper-Duo, das der wilde Westen bis dahin gesehen haben dürfte, sind es in Bandidas die beiden Latino-Königinnen Hollywoods, Penélope Cruz und Salma Hayek, die hier als Revolverheldinnen kräftig einheizen. Ganz entgegen gängiger Gerüchte, Hayek und Cruz würden um die in Hollywood dann doch eher rar gesäten Rollen der Latina-Beauties aufs schärfste konkurrieren, sind die beiden privat eng befreundet.
So richtig festlegen auf Popcorn- oder Arthaus-Kino lässt sich Penélope Cruz bisher nicht. Wie in den beiden aktuellen Produktionen zu sehen, bereitet ihr der Spagat zwischen anspruchsvollem Programmkino und massentauglicher Unterhaltungsware offenbar auch gar keine Probleme. Vor ihrer großen Hollywood-Karriere, die erst um den Jahrtausendwechsel begann, war Penélope Cruz hauptsächlich in Spanien und in europäischen Filmkennerkreisen bekannt.
Dort war sie lange ein nationaler Star, ihre Filme jedoch, in denen sie hauptsächlich junge Mädchen spielte, fanden über die engen Ländergrenzen hinweg kaum Beachtung. Der große Durchbruch gelang ihr erst an der Seite des Wunder-Regisseurs Pedro Almodóvar, der dem spanischen Kino mit Alles über meine Mutter 1999 nicht nur einen bis dahin nie da gewesenen Besuchererfolg und zahlreiche Auszeichnungen bescherte, sondern auch den lange überfälligen Oscar für den besten ausländischen Film. Penélope Cruz, die auch schon 1997 in Almodóvars Live Flesh – Mit Haut und Haar einen schrägen Kurzauftritt hatte, bei dem sie in einem Linienbus ein Kind gebar, brillierte in Alles über meine Mutter in einer in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Rolle: Sie spielte die junge, engagierte Nonne Maria, die von einem Transsexuellen geschwängert wird und sich dabei auch noch mit dem Aids-Virus infiziert. Für die damals 25jährige Penélope war das die Rolle, die ihr endgültig die Türen nach Hollywood öffnete.
Von da an ging für die Schauspielerin, die ihren Beruf bis heute weniger als Arbeit denn als hilfreiche Psychotherapie empfindet, rasant bergauf: 2000 stand sie an der Seite von Matt Damon in All die schönen Pferde vor der Kamera, ein Jahr später mit Johnny Depp als dessen schlampige Ehefrau im höchst sehenswerten Drogenkrimi Blow, in Corellis Mandoline an der Seite von Nicolas Cage und ebenfalls 2001 mit Tom Cruise in Vanilla Sky. Letzterer war übrigens ein Remake vom sehr viel subtileren, spanischen Original Öffne die Augen von Alejandro Amenábar, in dem Penélope Cruz bereits 1997 in der Rolle der schönen Sofia zu sehen war.
Was ihre Biografie betrifft, dürfte Penélope Cruz so etwas wie den wahren Traum einer Karriere im Showbusiness verkörpern. Aufgewachsen in kleinbürgerlichen Verhältnissen (ihr Vater war Einzelhändler und ihre Mutter Frisörin) in Madrid, bricht die junge Penélope sehr früh die Schule ab, um zunächst Tanz, später dann an der renommierten Schule von Cristina Rota zusätzlich Schauspiel zu studieren. Nach kleineren Auftritten im spanischen Fernsehen und ersten Nebenrollen für nationale Kinoproduktionen erhöht sich (spätestens nach der sehr erfolgreichen Hauptrolle in Belle Epoque – Saison der Liebe) Schritt für Schritt ihr Marktwert auch für das europäische Kino.
Obwohl sie seit den späten 90ern in Los Angeles lebt und arbeitet, versucht Penélope Cruz ihre Filmografie auch immer wieder mit hochwertigeren Autorenfilmen zu spicken. Nicht ganz vergessen hat die schöne Schauspielerin, die sich mit den entsprechenden schauspielerischen Herausforderungen leicht zur legitimen Nachfolgerin Sophia Lorens entwickeln könnte, dass ihr Ruhm untrennbar mit dem europäischen Kino verbunden ist. Welcher Film wäre für eine Rückbesinnung auch besser geeignet als einer, der übersetzt Zurückkehren heißt? AW
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