Monica Bellucci ist zweifellos eine der schönsten Frauen der Welt – und obwohl ihr Gesicht fast jedem Kinogänger vertraut ist, kann kaum einer genau sagen, welchen Filmen sie nun wirklich ihren Stempel aufdrückte. Das mag sich in naher Zukunft ändern, denn die viel beschäftigte Italienerin ist in Wie sehr liebst Du mich? nicht nur in vielleicht der Rolle ihres Lebens zu sehen, sondern hat in den kommenden Jahren noch sechs weitere Hauptrollen in internationalen Produktionen in der Pipeline.
Anfang der 90er verschlug es die schöne Italienerin zum ersten Mal nach Los Angeles. Einem Ruf von Francis Ford Coppola kann frau, und das ist nachvollziehbar, auch kaum widerstehen. Auch wenn man nur als eine von den vielen Bräuten gecastet wurde, die sich kurz an den bleichen Hälsen von Keanu Reeves und Hauptdarsteller Gary Oldman in Bram Stokers Dracula gütlich tun durften.
Der dabei sicher angepeilte Durchbruch zum Hollywoodstar blieb der Italienerin aber erst einmal für ein paar Jahre verwehrt. Eine allzu schnelle Karriere im internationalen Kino, das wäre dann auch etwas zu viel des Guten gewesen. Schließlich hatte die im italienischen Umbrien geborene Monica schon eine höchst erfolgreiche Karriere hinter sich: Über einen zunächst nur als Nebenjob zur Finanzierung des Jurastudiums geplanten Modelauftrag eroberte sie sich im Handumdrehen die Modenschauen Mailands und landete schließlich, für große Modehäuser wie Dolce & Gabbana und Dior, innerhalb kürzester Zeit auf den internationalen Laufstegen und den Titelseiten der großen Modemagazine.
Das Studium war da natürlich schnell passé – wohl aber war hin und wieder etwas Schauspielunterricht drin, der schon von Beginn an die Suche nach neuen Herausforderungen und den Drang hin zum darstellenden Fach illustriert. Nach einem kleinen Experiment im italienischen Fernsehen übernahm sie von 1990 an regelmäßig Rollen in italienischen und französischen Kinoproduktionen. Bei ihrem ersten, auch international wahrgenommenen Erfolg Der Zauber von Malèna im Jahr 2000 war sie in Frankreich und vor allem in Italien längst als Kinostar anerkannt.
Zugute kam ihr dabei sicher, dass es dem europäischen Kino noch nie sonderlich schwer fiel, gut aussehende Frauen oder auch die weibliche Schönheit an sich ins Zentrum einer Filmhandlung zu rücken. Die Bereitschaft bei europäischen Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseuren vor allem in Italien, Spanien und Frankreich, ihre Leinwandgöttinnen in allen Facetten höchst lustvoll, nicht selten auch ein wenig wollüstig zu inszenieren, ist sicher auch einer der wichtigsten Bausteine für den Erfolg der Filmindustrien dieser Länder.
„Der schönste Hintern von ganz Castelcotó“ tuscheln sowohl die jungen als auch die nicht mehr ganz so jungen Mannsbilder im kleinen sizilianischen Ort „ihrer“ Malèna hinterher. Für Monica Bellucci bedeutete die Rolle in Giuseppe Tornatores Der Zauber von Malèna zum einen der internationale Durchbruch und verfestigte zum anderen ihr erfolgreichstes Rollenfach: das der Frau zwischen Heiliger und Hure. Nicht zum letzten Mal spielt sie in diesem mehrfach für den Oscar nominierten Film des Cinema Paradiso-Regisseurs die makellose, unnahbare Schönheit, die ihrem Aussehen zwar eine Menge zu verdanken hat, deren Schönheit ihr am Ende aber auch zum Verhängnis wird. In Der Zauber von Malèna wird sie von den Männern so offensiv begehrt und deshalb von den Frauen beneidet und so abgrundtief gehasst, dass es nur der äußeren Zwänge eines Krieges und des vermeintlichen Todes ihres Mannes bedarf, um sie zur gesellschaftlich Geächteten zu degradieren und in die Prostitution zu treiben.
Wenn Monica Belluccis Ausflüge über den Atlantik ihr wahrscheinlich auch die höheren Gagen und zuletzt natürlich auch das unvermeidliche 3-Millionen-Dollar-Angebot vom amerikanischen Playboy eingebracht haben, wurde ihre Leinwandpräsenz in Hollywood ebenso missachtet wie ihr schauspielerisches Talent konsequent vergeudet: An der Seite von Bruce Willis durfte sie sich in Tränen der Sonne zwar auch mal als niedlich naive Ärztin durch den afrikanischen Dschungel kämpfen, wurde aber ansonsten meist in kleinen Nebenrollen wie etwa in Matrix Reloaded und Matrix Revolutions mehr als werbeträchtige Staffage denn als sinnvoll inszenierte Figur tendenziell verheizt. Wenn auch an exponierter Stelle eingesetzt, gilt dies wohl auch für die Rolle der Maria Magdalena in Mel Gibsons umstrittenem Bibel-Splatter Die Passion Christi oder für Stephen Hopkins’ Regiearbeit Under Suspicion – Mörderisches Spiel. Nicht jeder Frauentyp, und der der rassigen, selbstbewussten Europäerin schon gar nicht, ist eben mit dem Hollywood-Hauptrollenstereotyp kompatibel.
Monica Belluccis aktueller Film Wie sehr liebst Du mich? dürfte es wohl schwer haben, überhaupt an der amerikanischen Zensurbehörde vorbeizukommen, denn schamhaft ist diese vor Sinnlichkeit strotzende Ode an die Liebe sicher nicht. Und Monica Bellucci schlüpft hier ein weiteres Mal, diesmal die Reihenfolge variierend, in die Rolle der Frau mit zwei Gesichtern: Daniela, eine mit allen Wassern gewaschene Edelprostituierte folgt zunächst dem Ruf des großen Geldes, um am Ende, durch die Liebe geläutert, den Mann fürs Leben zu finden... AW
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