
Ihre Kinokarriere begann sie mit John Belushi in Ich glaub, mich tritt ein Pferd. Berühmt wurde sie durch die Rolle der Archäologin Marion Ravenwood im 'Jäger des verlorenen Schatzes'. 27 Jahre später stürzt sich Karen Allen mit Harrison Ford im Auftrag von Steven Spielberg erneut in große Abenteuer und kommt mit 'Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels' auf die Leinwand. Mit der Schauspielerin sprach unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.
Ist die Rolle in 'Indiana Jones' eher Fluch oder Segen für Sie – immerhin werden Sie stets damit verbunden?
Der erste 'Indiana Jones' war eine absolut schöne Erfahrung für mich, deshalb habe ich mich sehr gefreut, als man mir erneut diese Rolle anbot und ich diese Figur noch einmal zum Leben erwecken konnte.
Was war diesmal anders als vor 27 Jahren?
Das kann ich gar nicht so einfach beantworten. Ich glaube, diesmal war alles einfacher und lustiger als beim ersten Film. Damals war ich eine junge Schauspielerin, die vom Theater kam. Ich hatte nicht viel Ahnung von Dreharbeiten und war von so einem großen Action-Film ziemlich überwältigt – ich hatte schon ganz schön viel Stress (lacht). Inzwischen bin ich viel erfahrener, ich suche mir die schönen Momente im Leben aus und nehme die Dinge nicht mehr so furchtbar ernst.
Der Erwartungsdruck an den neuen 'Indiana Jones' ist enorm – wie hat sich das bei den Dreharbeiten ausgewirkt? War damals nicht alles etwas lockerer?
Nein, ganz im Gegenteil. Ich fand die Atmosphäre diesmal viel entspannter als beim ersten Teil. Natürlich ist das eine enorm große Produktion mit riesigen Erwartungen, aber davon war beim Drehen wenig zu spüren. Alle waren bester Stimmung. Als ich Harrison Ford zum ersten Mal in der Garderobe traf, herrschte gleich eine ganz warmherzige, freundliche Atmosphäre. Ich habe mich sofort sehr willkommen gefühlt.

Stimmt es, dass Sie beim ersten Film mit Tom Selleck zum Vorsprechen gingen? Es war nicht ganz so. Selleck hatte schon vor mir die Rolle des „Indiana Jones“ bekommen, doch er musste dann wegen „Magnum“ wieder abspringen. Als ich zum Vorsprechen der Marion Ravenwood kam, gab es keinen Darsteller für „Indiana Jones“. Gemeinsam mit mir hatte sich Tim Matheson beworben, mit dem ich zuvor in 'Ich glaub, mich tritt ein Pferd' spielte. Irgendwann kam die Produktion auf die Idee, dass Harrison die perfekte Besetzung wäre – und sie hatten völlig Recht!
Ihre Gage für 'Ich glaub, mich tritt ein Pferd' soll bei bescheidenen 3.000 Dollar gelegen haben?
Das stimmt tatsächlich, wir alle bekamen 3.000 Dollar und dann hat dieser Film phänomenal viel Geld eingespielt. Diesmal habe ich zum Glück ein bisschen mehr Gage bekommen! (lacht)
Die Geheimhaltung vor und bei den Dreharbeiten gilt als legendär – wie sieht es tatsächlich aus?
Alles ist sehr geheim. Ich durfte noch nicht einmal sagen, dass ich in dem Film mitspiele! Nach dem ich die Rolle im Januar bekam, musste ich ein halbes Jahr lang absolut darüber schweigen – ich habe es aber trotzdem meinem Sohn und ein paar engen Freunden erzählt (lacht).

Wie hoch sind die Strafen für den Geheimnisverrat? Ich glaube, es gibt gar keine ausdrücklichen Strafen dafür. Steven bittet dich einfach, vorher nichts zu verraten – und man will ihn nicht enttäuschen. Als einige trotzdem etwas an die Presse gaben, war vor allem George Lucas sehr verärgert. Schließlich wollen alle, dass der Film eine echte Überraschung wird.
Durften Sie das gesamte Drehbuch sehen, oder nur Ihre Szenen?
Ich durfte schon sehr früh das ganze Drehbuch lesen. Dafür war ich sehr dankbar, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wusste, wie groß meine Rolle überhaupt sein würde – es hätte ja auch nur ein Gastauftritt werden können. Aber ich war völlig begeistert von der grandiosen Geschichte und dieser wunderbaren Rolle, die es für mich darin gab.
Ist es die wunderbare Rolle einer Mutter, die mit Indiana Jones ein Kind hat?
Ich darf darüber nichts sagen, das würde zuviel von der Geschichte preisgeben. Ich kann lediglich preisgeben, dass meine Figur 1950 auftaucht und von Indiana Jones lange nichts gehört hat.
Wie ernsthaft nehmen die Macher diesen „Indiana Jones“?
Sehr ernst nimmt man die Vorgabe, dass eine Fortsetzung auf alle Fälle ein lohnenswertes Erlebnis werden muss. Beim Drehen selbst dagegen herrschte eine sehr vergnügte Atmosphäre. Alle haben zwar sehr hart gearbeitet, dennoch war die Stimmung entspannt. Beim ersten Film ging es damals viel ernsthafter zu. Wir waren jung und haben uns alle verdammt ernst genommen.
Wie anstrengend waren die Dreharbeiten für Sie?
Mein normaler Alltag ist so aufregend, dass dieser Dreh für mich wie eine reine Erholung war (lacht). Mir gefällt diese Art von Anspannung mit langen Drehtagen. Erleichternd kam hinzu, dass wir diesmal nicht rund um die Welt an den Originalschauplätzen drehten, sondern vor allem im Studio in Los Angeles. Wenn man nach Feierabend in sein eigenes Zuhause gehen kann, ist das sehr vorteilhaft. Die Kinder von Steven sind ja noch jung, auch ihm war wichtig, bei seiner Familie zu sein.

Wie hat Harrison die ganzen Actionszenen absolviert? Ich war völlig fasziniert von dem, was Harrison sich noch zumutet – immerhin feierte er seinen 65. Geburtstag während der Dreharbeiten. Er ist in großartiger Kondition, ich weiß gar nicht, ob und wie viel er für diesen Film trainiert hat. Einige Stuntszenen hat er ohne Murren endlos wiederholt. Ich weiß nicht, wie er sich nach solchen Tagen zuhause gefühlt hat, aber beim Drehen sah er immer sehr vergnügt aus (lacht).
Warum bürdet er sich noch solche Qualen auf?
Wir haben oft darüber gelacht, was wir uns im Alter da noch antun. Der Grund ist recht einfach: Es gibt nicht viele computergenerierte Effekte in dem Film, deswegen war es wichtig, dass alle möglichst viele der Stunts selbst machen.
Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere mit dem legendären Schauspiellehrer Lee Strasberg gearbeitet – was würde er dazu sagen, dass Sie nun als Puppen und Computerspiele enden?
Ich weiß nicht, was Strasberg dazu sagen würde. Ich finde es jedenfalls amüsant. Vor kurzem kam das Kind eines Freundes und sagte: „Ich hab’ dich schon als Lego gesehen.“ Früher hätte mich dieses ganze Merchandising vielleicht etwas gestört, heute gefällt mir diese Idee. Beim 'Jäger des verlorenen Schatzes' gab es lediglich ein paar Actionfiguren, mit dem enormen Erfolg hatte ja keiner gerechnet. Heute wird das Angebot sicher größer ausfallen.
Haben Sie für eine weitere Fortsetzung schon unterschrieben?
Nein, ich weiß auch gar nicht, ob an eine Fortsetzung gedacht ist. Dieter Oßwald
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