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Burnout in Hollywood: Ben Affleck im Gespräch


Mit Chasing Amy gelang ihm vor 10 Jahren beim Sundance Film Festival der Durchbruch, 1998 bekam Ben Affleck gemeinsam mit seinem Kumpel Matt Damon den Oscar für ihr Drehbuch von Good Will Hunting. Er spielte in ambitionierten Filmen wie Dogma oder Shakespeare in Love. Aber auch in Katastrophen wie Armageddon oder Daredevil. Zum absoluten Tiefpunkt seiner Karriere geriet Gigli, in dem er gemeinsam mit seiner damaligen Freundin Jennifer Lopez zur globalen Lachnummer abstieg. Affleck verschwand von der Bildfläche – und kommt nun in der Rolle des Superman-Darstellers George Reeves mit einem überzeugenden Comeback in Die Hollywood-Verschwörung zurück: Gold in Venedig und eine Golden Globe-Nominierung waren der Lohn. FILMSTART traf den Schauspieler zum Interview.

Sie waren einige Zeit von der Bildfläche verschwunden – warum haben Sie sich von Hollywood verabschiedet?

Ich habe mir eine Auszeit genommen, denn ich fühlte mich ganz einfach ausgebrannt. Ich habe einen Film nach dem anderen gemacht und brauchte eine Pause. Zudem waren diese ganzen Dinge, die in den Medien über mich standen, nicht gerade die beste Erfahrung. Allerdings war ich nicht ganz untätig. Ich habe ein Regieprojekt. Und: Ich habe geheiratet und bin Vater geworden.

Der Superman-Darsteller George Reeves, den Sie spielen, wirkt gleichfalls ausgebrannt – sehen Sie Ähnlichkeiten?

Durchaus. Die Frage wird George im Film ja direkt gestellt: Warum bist du nicht zufrieden mit dieser Rolle als Superman? Diese Haltung ist wohl sehr typisch für Hollywood. Ich selber habe inzwischen die Philosophie, dass ich mir mit meinen Rollen etwas beweisen möchte, ich möchte stolz auf meine Arbeit sein. Das bedeutet allerdings, dass man manche Angebote auch ablehnt – das ist aber besser, als sich später über schlechte Rollen zu ärgern.

Können Sie sich mit diesem frustrierten Superman-Darsteller identifizieren?

George war ein Star, aber er war innerlich total zerrissen. Das hat ihn in den Abgrund gezogen. Ein tragisches Schicksal – so möchte ich bestimmt nicht enden. Ich habe ziemlich sorgfältig recherchiert und wollte ihn so authentisch wie möglich spielen. Unter anderem habe ich mir alle 104 Folgen der TV-Serie angesehen, das hat mir sehr geholfen.

War der Superman eine tragische Figur für Sie?

George war ein Mann, der im echten Leben keine Anerkennung für seine wahre Persönlichkeit bekam. Bei der Recherche habe ich herausgefunden, dass er einmal einen Autounfall hatte und dabei in Ohnmacht fiel. In den Schlagzeilen stand dann zu lesen: „Superman wird ohnmächtig beim Anblick des eigenen Blutes“. Die Menschen haben ihn damals ziemlich unsensibel und grob behandelt. Es war erniedrigend, und er hatte Besseres verdient.

Vielleicht gehört das zu Hollywood einfach dazu?

Hollywood ist wie eine leere Hülse. Man hetzt von Film zu Film, gewinnt einen Preis, schreibt ein Autogramm. Und weiter geht die Jagd. Ich wollte nie, dass mein Leben so aussieht. Ich habe diesen Job gewählt, weil ich mich als Künstler betrachte.

Hat der Künstler unter den Paparazzi gelitten?

Ich will mich nicht über Paparazzi beklagen. Bisweilen ist das zwar nervig und ganz schön aufdringlich, aber das gehört eben einfach zum Geschäft. Damit muss man als Prominenter leben. Die Grenzen sind allerdings erreicht, wenn es um Kinder geht. Da würde ich keinen Spaß mehr verstehen!

Würden Sie Ihrer Tochter raten, einmal Schauspielerin zu werden?

Ich würde meiner Tochter von diesem Beruf abraten und jedem anderen ebenso. Wer den geringsten Zweifel hat, sollte sich auf gar keinen Fall für diesen Job entscheiden. Wer sich nicht vorstellen kann, sein Leben lang als Nebendarsteller auf zweitklassigen Bühnen glücklich zu sein, ist bei anderen Berufen besser aufgehoben. Diese Branche kann verdammt hart sein, man muss viel Frustrationen und Ablehnung einstecken können.

In einer Szene wird Ihnen von Ihrer Geliebten gesagt, dass Sie ein Doppelkinn bekämen und als Schauspieler damit bald aus dem Rennen wären. Haben Sie ähnliche Überlegungen bisweilen selbst?

Können Sie sich etwas Schlimmeres vorstellen, als mein Gesicht nach einer kosmetischen Operation? Das wäre ein absolutes Desaster. Natürlich ist es etwas unfair, dass wir Männer es viel leichter haben als die Frauen. Mit Falten oder zunehmender Glatze bekommt man als Mann in Hollywood durchaus noch Rollen. Bei Frauen hingegen wird viel mehr auf das Aussehen geachtet.

Sie haben reichlich zugenommen für die Rolle – was war Ihre Methode?

Ich habe für die Rolle 14 Kilo zugenommen. Das Zunehmen ist relativ einfach. Vor allem wenn man nachts noch viel isst, hat man die Kilos sehr schnell drauf. Schwieriger ist es, wieder auf sein altes Gewicht zu kommen. Am einfachsten geht das, wenn man in den Spiegel schaut und sich sagt: „Du fetter, fauler Sack, es wird höchste Zeit dass du endlich Sport machst.“

Wie steht es um das Verhältnis zu Ihrem alten Kumpel Matt Damon?

Wir telefonieren häufig und lachen uns regelmäßig tot dabei – zumal er ja inzwischen auch selbst Vater geworden ist.

Nach dem furiosen Comeback, was kommt als nächstes?

Demnächst startet Smokin’ Aces, den ich als Mischung aus David Lynch und Tarantino beschreiben würde – auf alle Fälle ein super cooler Film… DO

 

> FILMSTART-Kritik: Die Hollywood-Verschwörung