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10.04.2008

Filmboom erreicht „Sexy-Anhalt“
Nach Kate Winslet steht auch „Queen“ Helen Mirren für eine aufwändige Literaturverfilmung in Ostdeutschland vor der Kamera



„Normalerweise werden Genies ja von Genies gespielt..." witzelt Tolstoi-Darsteller Christopher Plummer und erheitert damit nicht nur "Queen" Helen Mirren.

Mit der Aussprache der Drehorte haben die englischsprachigen Schauspieler des Großprojekts 'The Last Station' über die letzten Wochen im Leben des russischen Dichters Leo Tolstoi noch Probleme: „Ich sage einfach, wir sind in ‚Sexy-Anhalt’“, lachte Dame Helen Mirren und bescherte der Journalistenschar in Berlin damit das Bonmot schlechthin.

Gedreht wird mit englischsprachiger Besetzung und deutsch-amerikanisch-russischem Team in den kommenden Wochen und nur einige Tage an Originalschauplätzendirekt in Russland , ansonsten in Brandenburg, Thüringen, Sachsen und insbesondere Sachsen-Anhalt, das zusätzlich zu den diversen Fördergeldern aus den ostdeutschen Töpfen noch eine Landesbürgschaft zur Verfügung stellt, falls die anvisierten 13,5 Millionen Euro Gesamtbudget nicht ausreichen.

'Last Station' zeigt, dass auch die neuen Bundesländer immer stärker von dem seit Januar 2007 in Kraft befindlichen Deutschen Filmförderfond (DFFF) des Bundes, der die Beliebtheit Deutschlands als Produktionsstandort für international ausgerichtete Kinofilme gesteigert hat, profitieren: In diesen Tagen geht 'Der Vorleser', die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Bernhard Schlink, über eine Überlebende des Holocaust in die Endphase. Die deutsch-amerikanische Koproduktion mit 'Titanic'-Star Kate Winslet wurde u.a. im sächsischen Görlitz, in Brandenburg und Polen gedreht. Und nun starten in der Nähe des Brandenburgischen Luckenwalde die Dreharbeiten zu der aufwändigen Literaturverfilmung 'The Last Station': Der amerikanische Drehbuchautor und Regisseur Michael Hoffman ('Tage wie dieser') wird seine Adaption des gleichnamigen Romans von Jay Parini, der unter dem Titel „Tolstois letzte Jahre“ im Sommer dieses Jahres auch auf deutsch erscheinen soll, bis zum Frühsommer an verschiedenen Schauplätzen Ostdeutschlands abdrehen.

Roman wie Drehbuch sind von den Tagebüchern des durch Werke wie „Anna Karenina“ und „Krieg und Frieden“ zu Ruhm und Reichtum gelangten, russischen Dichters Leo Tolstoi (1828-1910) inspiriert worden, dessen Engagement für die Unterprivilegierten des russischen Zarenreichs ihm am Ende seines Lebens Zwist mit der Ehefrau und den Erben bescherte. Tolstois Plan, die Rechte an seinen Werken der russischen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, führte zu einer schweren Krise in seiner damals fast 40jährigen Ehe, schrieb Autor Parini in seinem Buch. „Solch ein Stoff wird in Hollywood nicht mit offenen Armen begrüßt“, sagte Regisseur Michael Hoffman bei der Präsentation der Filmpläne in Berlin, und äußerte sich dankbar darüber, dass er sein Tolstoi-Projekt nun mit deutschem Geld realisieren kann.


Christopher Plummer, Helen Mirren mit Drehbuchautor und Regisseur Michael Hoffmann und Co-Stars Anne-Marie Duff ('Tagebuch eines Skandals) und James McAvoy ('Abitte'), v.r.n.l.

Gedreht wird die Tolstoi-Biografie für den Weltmarkt mit englischer Besetzung – darunter Hollywoodveteran Christopher Plummer ('A Beautiful Mind') und The Queen Helen Mirren. Das rund 13 Millionen Euro teure Budget wird indes komplett aus deutschen Produktions- und Fördermitteln gedeckt, so dass 'The Last Station' keine Koproduktion, sondern „eine 100prozentige deutsche Unternehmung“ ist, wie der verantwortliche Produzent Jens Meurer von der erfolgreichen Produktionsfirma „Egoli-Tossell“ (Berlin/Halle) stolz betont.

Förderungsgelder kommen vor allem von der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM), die seit 1998 insgesamt rund 60 Kinospielfilme – wie 'Luther' oder aktuell 'Frei nach Plan' – mit insgesamt 25,5 Millionen Euro förderte. Die Amortisierungsquote der MDM-Projekte liegt mittlerweile bei sensationellen 170 Prozent. Der kanadische Charakterdarsteller Christopher Plummer, der in Hollywoodfilmen wie 'Syriana' und 'Inside Man' fiese Machtmenschen verkörperte, spielt in 'The Last Station' Tolstoi: „Normalerweise werden Genies ja von Genies gespielt, aber hier sehen sie nun einen Dummkopf, der ein Genie spielt“, sagte Cäsarenkopf Plummer kokettierend.

Helen Mirren, die im letzten Jahr für ihre Interpretation der englischen Königin Elizabeth einen Oscar erhielt, erwartet durch die Rolle als Tolstoi-Ehefrau Sofia auch eine Rückbesinnung auf ihre russischen Wurzeln. Denn geboren wurde Mirren unter dem Namen Elena Vasilievna Mironova 1945 in London, wohin ihre Großeltern als russische Adlige während der Oktoberrevolution ausgewandert waren. Schon die Bilder von Tolstois Anwesen in Jasnaja Poljana und die Kostümprobe habe sie sehr an alte Fotoaufnahmen von ihrer Familie erinnert: „In den Kleidern habe ich ausgesehen wie meine Großtante, die in Russland zurückblieb“. Auch ist Mirren, die selbst sehr sexy für ihr Alter wirkt, neugierig auf die Drehorte in Russland, wo die auf Fotos abgebildeten Häuser denen ihrer Großeltern gleichen. Der Tolstoi-Clan wird übrigens der Crew beratend zur Seite stehen. Max-Peter Heyne

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