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31.01.2008

Staraufgebot am Rhein
Obwohl Berlin als Drehort für große Hollywoodproduktionen ja mittlerweile etabliert ist, kommt es noch nicht allzu oft vor, dass sich internationale Stars für Dreharbeiten auch nach Nordrhein-Westfalen verirren. Umso hochkarätiger kommt dafür der neue Film des griechischen Regiealtmeisters Theo Angelopoulos, The Dust of Time, daher, der bis Februar 2008 u.a. auch in Köln und Bonn gedreht wird.



Willem Dafoe, Irène Jacob, Theo Angelopoulos, Michel Piccoli, Christiane Paul, Bruno Ganz

Einen kleinen Eindruck davon, wie es am Set einer internationalen Co-Produktion dieses Kalibers zugehen muss, vermittelte die Pressekonferenz im Barceló Hotel Köln, zu der neben dem Regisseur Angelopoulos auch einige seiner Darsteller anwesend waren: der Amerikaner Willem Dafoe (Platoon, Spider-Man), der Schweizer Bruno Ganz (Der Untergang), die Deutsche Christiane Paul (Neues vom Wixxer) und aus Frankreich Michel Piccoli (Themroc, Trio Infernal) und Irène Jacob (Othello).

Fragen wurden mal auf Französisch, mal auf Englisch und mal auf Deutsch gestellt und dann wahlweise in einer der drei Sprachen oder gar auf Griechisch beantwortet. Und dabei wurde noch nicht einmal zwangsläufig in der Sprache geantwortet, in der auch die Frage gestellt wurde – jeder verstand in der Regel ohne Dolmetscher, was man ihn gefragt hatte und antwortete dann mit dem ihm vertrautesten Vokabular. Besonders kniffelige Passagen, wie die teilweise auf Griechisch verfassten Antworten von Angelopoulos, wurden den anwesenden Journalisten dann aber doch übersetzt.

The Dust of Time ist ein komplexes Familiendrama, das mehrere Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und deren politische Ereignisse widerspiegelt. Ein griechisches Flüchtlingspaar, das einst in Berlin während des 2. Weltkriegs auseinander gerissen wurde, kommt nach jahrzehntelangem Aufenthalt in New York zum Mauerfall 1989 zurück in die bis dato zweigeteilte Stadt, um den gemeinsamen Sohn zu treffen. Doch der Zwischenstopp auf dem Weg nach Griechenland, wo Eleni und Spyros ihren Lebensabend verbringen möchten, entwickelt sich ganz anders als geplant.

Jener Sohn, der im Film einfach nur den Namen „A.“ trägt und von Willem Dafoe gespielt wird, ist wieder einmal das Alter Ego von Regisseur Angelopoulos – ein Regisseur, der einen Film im Film realisiert, was die Handlungsebenen weiter verschachtelt. „Ich erzähle die Geschichte der Odyssee einer Frau über drei Kontinente und sieben Länder hinweg. Dafoe spielt einen Regisseur, der die Geschichte seiner Familie verfilmt und dabei selbst Protagonist der Geschichte wird. Realität und Fiktion verschwimmen ständig. Ein zentrales Thema ist das Überschreiten von Grenzen, auch in den Köpfen der Personen“, fasst Theo Angelopoulos sein neues Projekt zusammen.

Obwohl Willem Dafoe im Film das Alter Ego von Angelopoulos porträtiert, erhält er beim Drehen keine weiterführenden Einweisungen von seinem Regisseur, was diese Figur selbst betrifft: „Meistens sprechen wir nur darüber, wie eine Szene realisiert und wie die Geschichte erzählt werden soll. Ich weiß im Moment noch gar nicht, was dieser Regisseur, den ich spiele, für eine Person ist – vielleicht werde ich das überhaupt nicht herausfinden. Ich versuche einfach nur, diese Person zu sein und seine Geschichte zu erzählen.“

Bruno Ganz spielt nach Die Ewigkeit und ein Tag bereits zum zweiten Mal unter der Regie des griechischen Autorenfilmers und bringt sein Engagement treffend auf den Punkt: „Es gibt Begegnungen mit Regisseuren, die möchte man wiederholen und wenn man die Gelegenheit hat, dann auch noch mit einem so großen wie Theo, dann nimmt man diese Gelegenheit natürlich wahr!“

Auch der legendäre französische Mime Michel Piccoli schließt sich dieser Einschätzung an: „Wenn ich von einer Regiegröße wie Theo Angelopoulos ein Drehbuch bekomme, muss ich das noch nicht einmal lesen, um zu wissen, dass ich bedenkenlos zusagen kann. Natürlich habe ich es mittlerweile doch gelesen, aber es verändert sich ständig, weil Theo es auch während der Dreharbeiten noch immer weiter umschreibt.“

Für Christiane Paul, den einzigen deutschen Star im Ensemble, sind die Dreharbeiten total aufregend: „Das ist fast nicht zu glauben, dass ich jetzt hier sitze mit einer so tollen Konstellation an Schauspielern. Für mich ist es eine sehr große Ehre, an dem Projekt mitwirken zu können.“

Und Irène Jacob fasst danach schön zusammen, was neben den großen Namen das Besondere an The Dust of Time sein wird, nämlich die ihrer Meinung nach zentrale Aussage des Films: „Wenn wir im Hier und Jetzt leben, sind wir trotzdem angefüllt mit dem, was wir einmal waren, an was wir einmal glaubten und für was wir kämpften und weinten.“ FB

 

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