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Workingman‘s Death


Wo ist die Arbeit hin, jene körperlich anstrengende und aufreibende, die bisweilen eine Gefahr für Gesundheit und Leben bedeutet?

In der Ukraine etwa findet man sie, wo sich ehemalige Zechenkumpel in maroden Stollen ihre Kohlen für den Eigengebrauch zusammenklauben. Oder in einem Schlachthof in Nigeria, wo inmitten des blutigen Infernos unter freiem Himmel Schlächter und Schlachttiere kaum mehr zu unterscheiden sind.

Auch in Stahlwerken Chinas zeigt sich die Maloche unmenschlicher Ausmaße oder an den Stränden Pakistans, wo die riesigen rostigen Körper ausrangierter Tanker Schritt für Schritt entbeint und in den Wiederverwertungsprozess zurückgeführt werden.

Der österreichische Filmemacher Michael Glawogger hat sich auf eine globale Recherche nach den Orten schweren körperlichen Arbeitens begeben. Wie schon in Megacities (1998), seinem Mammut-Projekt über die gigantischsten urbanen Konglomerate weltweit, erweist er sich auch in seinem neuesten Film einmal mehr als Großmeister des monumentalen dokumentarischen Bildes.

Glawogger sucht immer das Extrem, in einer kinematographischen Meisterschaft, die beeindruckt, und in einer Direktheit, die verstört bis an die Grenzen des Ertragens. Und einmal mehr beweist er, dass er sich dabei um Fragen von Moral nur wenig schert und über all der visuellen Ambition tiefere gedankliche Zusammenhänge außer Acht lässt. Am Ende des Films sieht man feixende Jugendliche über das Gelände eines stillgelegten und als Freizeitpark restaurierten Stahlwerks in Duisburg tollen. Das Ende des Industriezeitalters als Start in eine hoffnungsfrohe Zukunft ohne Schweiß und Ausbeutung? Ein paar Kilometer weiter hätte sich dem Regisseur ein anderes Bild geboten, in Duisburg-Marxloh oder hinterm Hauptbahnhof: Da wird nicht gefeixt, sondern gefixt. Auch eine Art körperliche Arbeit. Reale Jobs gibt es da nämlich schon lange nicht mehr. MS

A/D 2005. Buch und Regie: Michael Glawogger. 122 Min. Ab 27. April 2006 im Kino.