Als Hannah durchs hessische Wäldchen zum See radelt, scheint eine frische Böe das Unheil bereits anzukündigen: Das nächste Atomkraftwerk steht um die Ecke, doch Tschernobyl ist lang genug her, und Hannah und ihre Mitschüler leben diesbezüglich sorglos und haben andere Probleme, wie Mütter, die einen zur Verantwortung drängen oder die erste Liebe.
Der Einzelgänger Elmar hat es nämlich auf Hannah abgesehen, und die Romanze will gerade ins Rollen kommen, da ertönt draußen Katastrophenalarm. Es gab einen Störfall und der Wind pustet radioaktives Material über den Landstrich. Die Verliebten verlieren sich in der Massenpanik, Hannah flieht per Fahrrad, den kleinen Bruder im Schlepptau, die Ereignisse überstürzen sich und die Jugendliche erwacht radioaktiv verstrahlt in einem Auffanglager in Hamburg. Elmar findet sie wieder, und die beiden stellen sich ihrem Schicksal.
Beherzt widmet sich Regisseur Gregor Schnitzler dem Unheil seiner jungen Protagonisten angesichts einer Katastrophe, bei der zehntausende Menschen zu Tode kommen. Die Konzentration auf Einzelschicksale ist dabei zwar unerlässlich, aber Schnitzler ignoriert dabei doch zu sehr das wahre Ausmaß der Katastrophe sowie deren gesellschaftliche Auswirkungen und distanziert sich damit auch vom eigentlichen Thema. Und das will laut Titel ja Die Wolke sein.
So erscheint das hoffnungsvolle Ende des Romans von Gudrun Pausewang hier vergleichbar unbekümmert und weniger glaubwürdig. Trotzdem bleibt der Kinobesuch angesichts der aktuellen Energiedebatten insbesondere für die Jugend empfehlenswert, transportiert er doch genügend Brisanz und sorgt für ausreichend Diskussionsstoff. Mulmig wird einem allemal, und das allein ist ja manchmal schon Berechtigung genug. HE
D 2005. Regie: Gregor Schnitzler. Buch: Marco Kreuzpaintner. Mit: Paula Kalenberg, Franz Dinda, Hans-Laurin Beyerling, Tom Wlaschiha, Richy Müller. Concorde. 90 Min. Ab 16. März 2006 im Kino. |